Samstag, 31. Januar 2009

Gern gespielt im Januar 2009

Was landete am häufigsten auf meinem Spieletisch? Was machte besonders viel Spaß? Und welche alten Schätzchen wurden endlich mal wieder ausgepackt?

FITS: Tetris ohne Strom! Ravensburger gewinnt die Umwelt-Medaille.



POISON: Das geht leicht. Das geht immer. Das geht mit jedem. Außer man muss hinter Angela sitzen. Dann geht das gar nicht.



LE HAVRE: Ich verliere nicht gern. Und ich spiele LE HAVRE. Das ist ein Widerspruch.




HAB & GUT: Zugegeben, die Spielidee ist vollkommen verrückt: Kapitalisten, die sich ums Allgemeinwohl verdient machen! Wer sich so etwas wohl ausdenkt...?



MEMOIR ´44 MITTELMEER-ERWEITERUNG: Durchschnittliche Szenarien, mäßig interessante Zusatzregeln. - Na und!? Fan-Dasein ist nicht immer leicht zu erklären.

TICHU: Eigentlich sind Andy und ich unbesiegbar. Lediglich an geraden Donnerstagen in Vollmondwochen, kurz nachdem es geschneit hat, erlauben wir uns kleinere Schwächen. Und man stelle sich vor: Ausgerechnet auf solch einen Tag fiel unsere TICHU-Runde! - Manchmal gibt es solche Zufälle, ja, ja...

Freitag, 30. Januar 2009

Fauna

Die Menschheit hat einen großen Sprung nach vorne gemacht. Dank Navi entfällt das Orientieren. Dank Handy das Planen. Dank E-Mail das Sprechen.
Und im Quizspiel muss man heutzutage nicht mal mehr irgendwas wissen. Hurra!

Wie geht FAUNA? Der Spielplan zeigt eine Weltkarte, unterteilt in 76 Meeres- und Landgebiete, sowie drei Skalen mit Gewichts-, Höhen- und Längenangaben. Jede Runde bestimmt eine Bildkarte ein Tier, beispielsweise das Streifengnu. Reihum setzen die Spieler nun Schätzsteine. Wer den Lebensraum des Gnus in der Wüste vermutet, könnte einen seiner Farbwürfel in der Kalahari platzieren; ein anderer versucht das Gewicht zu erraten und besetzt den Skalenabschnitt „100 bis 200 Kilogramm“. Richtige Tipps bringen Punkte, falsche führen zum vorübergehenden Verlust der Schätzsteine.

Was passiert? Bei FAUNA wird offen und reihum eingesetzt, deshalb kann man herrlich bei den anderen abgucken: Jemand verortet die giftgrüne Python im Amazonasbecken? Na, der wird´s wohl wissen! ... Und zack, zack und zack: Plötzlich haben alle anderen Spieler nichts Eiligeres zu tun, als ebenfalls ihre Klötzchen in Südamerika zu verstreuen. Und am Ende kommt das Vieh natürlich aus China. Oder Tasmanien. Oder wo immer auch her. Drauf getippt hat jedenfalls niemand.
Dumme Mitspieler plus eigene Dummheit erweisen sich leider als dumme Kombination: Eigentlich weiß man ja, dass die Waldeidechse nahezu gar nichts wiegt. Aber der Vordermann legt sein Steinchen auf "100 bis 200 Gramm", und das ist doch sehr irritierend. Weiß der etwa mehr? Ja, ganz bestimmt weiß der mehr! Und schon platziert man das eigene Klötzchen vorsichtshalber nur auf "20 bis 50 Gramm". Und liegt natürlich völlig falsch, weil so eine Eidechse noch viel, viel weniger wiegt. Fast gar nichts nämlich.

Was taugt es? FAUNA flutscht! Und es würde sogar noch besser flutschen, wenn der Verlag in der nächsten Auflage ein paar Fehler korrigiert. Manche Gebietsgrenzen mögen bitte klarer werden und manche Kartenangaben richtiger.
Aber bereits in der vorliegenden Form zeigt FAUNA, dass moderne Quizspiele einen Sprung nach vorne gemacht haben. An Stelle des schnöden Abarbeitens eines Fragenkatalogs treten spielerische Elemente wie Bluffen, Schätzen und Riskieren. Interaktion tritt an die Stelle von peinigenden Einzelverhören.

FAUNA von Friedemann Friese für zwei bis sechs Spieler, Huch & friends.

Donnerstag, 22. Januar 2009

On Top

Bei genauem Hinsehen erkennt man auf den billigen Plastikhütchen lachende Gesichter. Ja, hallo!? Was gibt es denn bei ON TOP noch so blöd zu grinsen!? Laufen die unkompliziert-abstrakten Spiele bei Kosmos dermaßen prima, dass selbst die Pöppel schon in Heiterkeit ausbrechen?

Wie geht ON TOP? Rautenförmige Legeteile mit farbigen Ecken sollen so aneinander gelegt werden, dass an möglichst vielen Kreuzungspunkten die eigene Farbe dominiert. Wer am stärksten vertreten ist, darf eins seiner lachenden Hütchen einsetzen und erhält Punkte dafür. Wer am zweitstärksten vertreten ist, darf ebenfalls ein Hütchen einsetzen, erhält aber keine Punkte. Ist jemand seine Hütchen los, gewinnt er sofort. Ansonsten endet ON TOP mit dem Sieg des Punktbesten, wenn die Legefläche voll ist.

Was passiert? Man zieht ein Teil, guckt, wo man Punkte abstauben oder dem Gegenspieler was zerstören kann und legt... Nach diesem Schema funktionieren viele Spiele - trotzdem sind sie nicht alle gleichermaßen langweilig wie ON TOP. Der Mechanismus bietet nichts Besonderes, keinen Trick oder Dreh, wirkt altbekannt und uninspiriert.
In einer kritischen Spielerunde – und davon habe ich gleich mehrere – kann ON TOP aber überraschend kommunikativ sein. Spontan entspinnen sich Gespräche zu folgenden Fragestellungen: Findet die Kosmos-Redaktion das wirklich gut? Wem würde ich das schenken? Und könnte ich nicht ebenfalls Spieleerfinder werden?

Was taugt es? Anscheinend laufen die unkompliziert-abstrakten Spiele bei Kosmos wirklich prima. Die Menschen sind auf den Geschmack gekommen und wollen mehr. An die Überflieger EINFACH GENIAL und UBONGO hängt man deshalb geschickt eine ganze Serie an. Und Serien müssen immer weitergehen, selbst in Jahren, wo kein neuer Überflieger zur Hand ist. In solchen Jahren erscheinen dann eben Spiele wie ON TOP. Nicht wegen ihrer außerordentlichen Qualität, sondern weil sie zur Produktlinie passen.

ON TOP von Günter Burkhardt für zwei bis vier Spieler, Kosmos.

Sonntag, 18. Januar 2009

Mitspieler des Monats: Martin

Spielertyp: Kritiker
Zitat: „Aha, das haben wir jetzt also auch gespielt.“
Spielfarbe: rot
Lieblingsspiel: TITAN (in der CE-Variante)

Kaum ist eine Partie beendet - jeder sinniert noch vor sich hin und sortiert die Ersteindrücke -, da schleudert uns Martin bereits seine Analyse entgegen. Und fast jedesmal beginnt sie so: "Was mir an diesem Spiel nicht gefällt..."
Psychologen empfehlen zwar, immer mit etwas Positivem zu beginnen; als Physiker fühlt sich Martin daran aber nicht gebunden. Außerdem beinhaltet seine Kritik ja bereits ein gewisses Lob. Denn bei Spielen, die Martin so richtig übel findet, macht er sich gar nicht erst die Mühe, noch irgendwelche Schwachstellen aufzulisten. In dem Fall heißt es lapidar: „Aha, das haben wir jetzt also auch gespielt.“ Und das ist dann etwa gleichbedeutend mit: „Verbuddel die Schachtel im Hof und behellige uns nie wieder damit!“

Mögen die meisten Vielspieler auch neuheitengeil sein; Martin ist neuheitenskeptisch. Unsere Spielzeit ist nun mal begrenzt und viel zu kostbar, um sie an Flops zu verschwenden. Wozu also pausenlos etwas Unbekanntes aus dem Regal zerren, wenn doch gleichzeitig so viele Spiele da sind, bei denen man weiß, was man an ihnen hat?

Im Grunde meines Herzens kann ich diese Sichtweise bestens verstehen. Doch zwei klitzekleine Tatsachen sprechen dagegen, mich Martins Standpunkt anzuschließen. Erstens bin ich Spielerezensent und muss deshalb testen. Und zweitens ist Martin der ideale Tester – und deshalb muss er auch!
Martin lässt sich weder von schönen Spielplänen, noch von opulenter Materialausstattung blenden, nicht einmal vom positiven Spielausgang. Zudem hat er sich spätestens ab der zweiten Partie eine Strategie zurechtgelegt, die er nun unbeirrt durchzieht.
Mehrmals mangels Dom zu verrecken, nimmt Martin in Kauf, nur um schließlich doch zu beweisen, dass sich AUGSBURG 1520 rein über den Adel gewinnen lässt. Mit dieser Stringenz entdeckt Martin bisweilen spielerische Hintertüren, wo sie gar nicht sein sollten. Und dies überzeugt mich dann doch, die Schachtel tatsächlich im Garten zu verscharren.


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Mittwoch, 14. Januar 2009

Byzanz

„Garantiert jeder“, sagt der Schachtelrückseitentext, gewinne bei den Versteigerungen. Und „sogar die mit der kleinsten Ausbeute räumen garantiert noch kräftig ab“. – Na, das ist doch wohl die Chance, oder? Gerade auf einem Basar finde ich wiederholte Gewinngarantien absolut vertrauenswürdig. Wo, bitte, soll ich unterschreiben?

Wie geht BYZANZ? Die Spieler sammeln Karten. Besitzt man drei Karten einer Warenart, gibt man sie ab und erhält garantiert Punkte dafür: so viele wie die beste der drei Karten wert ist. Eine gute Kombination wäre also 1, 1, 4 (vier Punkte), weniger gut 3, 3, 3 (drei Punkte). Weil es aber ein Handkartenlimit gibt, erzielt man garantiert nicht immer die tollsten Kombinationen.
Zweimal pro Durchgang erhalten die Spieler Karten: Zuerst per Versteigerung. Die Bank bietet Kartenpakete an, die von Mal zu Mal aus weniger Waren bestehen. Jeder Spieler kauft eines dieser Pakete. Geboten und gezahlt wird mit Handkarten. Alles, was zur Bezahlung verwendet wurde, sammelt die Bank in einem Pool und verschenkt es am Ende: Beginnend mit demjenigen, der das letzte und somit kleinste Paket ersteigert hat, darf jeder Spieler alle Waren einer Sorte entnehmen.

Was passiert? Nach einem Durchgang hat jeder begriffen, dass hier garantiert für jeden etwas übrig bleibt. Komme ich bei der Versteigerung erst spät zum Zuge, fällt mein anschließendes Bankgeschenk umso üppiger aus. Dieser ausgleichende Mechanismus hält die Versteigerungs-Phasen kurz und die Gebote niedrig: Es lohnt sich nicht, für irgendwelchen mittelmäßigen Kram zu bieten. Wenn sowieso jeder was kriegt, sollte das eigene Paket schon möglichst gut reinpassen.
Längere Bietrunden werden zudem dadurch verhindert, dass jeder nur einen Teil seines Blattes für die Gebote einsetzen kann. Der Rest ist ja das, was man gerade sammelt.

Was taugt es? BYZANZ ist ein Versteigerungsspiel, bei dem kaum Versteigerungs-Flair entsteht. Bei anderen Auktionsspielen kommt es darauf an, den besten Preis zu finden. Hier eher darauf, dass im richtigen Moment die passenden Karten aufgedeckt werden. BYZANZ flutscht einwandfrei, hinterlässt aber das Gefühl, einem Regelapparat zu folgen und dabei wenig selbst zu entscheiden. Auch wenn der Schachtelrückseitentext meint, BYZANZ sei anspruchsvoll, behaupte ich das Gegenteil: Hier steckt weniger drin als es den Anschein hat. Zeitvertreib für zwischendurch. Garantiert ordentlich - aber nicht außerordentlich.

BYZANZ von Emanuele Ornella für drei bis sechs Spieler, Amigo.

Dienstag, 6. Januar 2009

Race for the Galaxy

Meine Spielbox-Noten haben schon so manchen Spötter zu der Annahme verleitet, ich spielte wohl nicht gern?! Haha, witzig! Aber falsch. Denn natürlich spiele ich gern. Bevorzugt allerdings gute Spiele...

Wie geht RACE FOR THE GALAXY? Ja, irgendwie schon so ähnlich wie SAN JUAN. Handkarten haben hier zweierlei Funktion: Sie stellen 1. Planeten oder Entwicklungen dar und können ausgelegt werden, wofür man andere Karten als 2. Bezahlung abwerfen muss.
Und wie SAN JUAN (und PUERTO RICO) läuft das Spiel in Phasen ab. Alle Spieler entscheiden sich für eine Phase (jetzt allerdings simultan und geheim), und nur die gewünschten Phasen finden auch statt. Wenn alle sich für dasselbe entscheiden, besteht der Durchgang eben nur aus einer Phase.
Bei Spielende zählt der Punktwert jeder ausgespielten Karte. Zusätzlich zählen Siegpunkt-Chips, die man zwischendurch beim Verkauf von Waren erwirbt. Und schließlich bringen manche Entwicklungen einen Bonus. Beispielsweise zählt die „Gilde der Kaufleute“ zwei Punkte für jeden eigenen Planeten mit der Fähigkeit, Waren zu produzieren.

Was passiert? Wohl dem, der RACE FOR THE GALAXY erklärt bekommt! Und wohl dem, der es gut erklärt bekommt! Die ersten eins, zwei Partien sind ein Kampf mit der Überfülle. Fast jede Karte besitzt eine Spezialeigenschaft, zählt einen Bonus für militärische Stärke, verbilligt weitere Einkäufe, bringt in bestimmten Phasen eine Gratis-Handkarte...
Zwar hat der Grafiker gute Arbeit geleistet und eigens eine einheitliche Symbolsprache erschaffen, doch auch die will erlernt und verstanden sein.
RACE FOR THE GALAXY zwingt ständig zu Entscheidungen. Je harmonischer der eigene Kosmos aufeinander abgestimmt ist, desto stärker die Effekte. Man spekuliert auf passende Karten, versucht so zu spielen, dass mehr Nachschub hereinkommt, spart auf die wertvolle 6er-Entwicklung... und muss gleichzeitig verfolgen, was die anderen so tun: Forciert jemand ein schnelles Spielende? Kann ich meine Pläne rechtzeitig vollenden? Spielen mehrere Gegner auf Produktion und helfen sich damit gegenseitig? Wie kann ich mich einklinken und mitverdienen?

Was taugt es? Während SAN JUAN durch Klarheit und Eleganz besticht, ergibt sich die Attraktivität von RACE FOR THE GALAXY aus der Fülle. Selbst nach mehreren Partien hat man noch längst nicht jede Karte ausgespielt, noch nicht alle Wechselwirkungen erkundet.
Dadurch entsteht kein grundsätzlich anderes Spiel und es wird auch nicht automatisch strategischer. Die Kartenverteilung ist nun mal ein Glücksfaktor. Es kommt darauf an, aus dem Blatt das Beste herauszuholen. Gerade im Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegt der Reiz.

RACE FOR THE GALAXY von Tom Lehmann für zwei bis vier Spieler, Abacusspiele.

Donnerstag, 1. Januar 2009

Neujahrsansprache 2009

Hust, hust... bin ich schon drauf?

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ein arbeitsreiches Halbjahr liegt hinter uns. Ein Halbjahr, in dem REZENSIONEN FÜR MILLIONEN alles in allem einen guten Schritt nach vorn getan hat.

Der Leserzähler geht stetig aufwärts. Die Zahl der Rezensionen steigt Monat für Monat an. Und nicht zuletzt für die Menschen bietet REZENSIONEN FÜR MILLIONEN echte Perspektiven. Waren sie bislang bloße Mitspieler, können sie sich nun zum "Mitspieler des Monats" weiterqualifizieren.

All dies sind nur ganz wenige Beispiele. Aber sie haben eines gemeinsam. Sie zeigen: Mit REZENSIONEN FÜR MILLIONEN geht es spürbar aufwärts. Wir sehen die ersten Ergebnisse. Wir erfahren, dass sich die Anstrengungen lohnen. Das müssen wir festigen. Wir dürfen uns trotz aller Erfolge keinesfalls zurücklehnen. Zu groß sind die Risiken.

Zu verständlich sind auch die Sorgen, die sich viele von Ihnen zum Beispiel wegen limitierter DOMINION-Karten, ausverkaufter AGRICOLA-Holzfiguren, zu niedriger oder zu hoher Kritiker-Noten machen. Und zu mahnend sind die noch an der Million fehlenden Leser. Ganz zu schweigen von den an der Million fehlenden Euros! Unser Ziel ist und bleibt deshalb unverändert: REZENSIONEN FÜR MILLIONEN!

Das, und nur das, ist auch in Zukunft der Maßstab unseres Handelns. Ihm müssen alle Maßnahmen, die wir in Angriff nehmen, dienen. Ich danke allen in unserem Land, die sich dem gleichen Ziel verpflichtet fühlen.

Ihnen allen danke ich.


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir spüren es: REZENSIONEN FÜR MILLIONEN ist auf gutem Weg. Wir können gemeinsam auf dem bereits Erreichten aufbauen. Lassen Sie uns in diesem Geist das neue Jahr angehen.

Ich wünsche Ihnen allen ein erfülltes und gesegnetes neues Jahr 2009!