Samstag, 28. Februar 2009

Gern gespielt im Februar 2009

Was landete am häufigsten auf meinem Spieletisch? Was machte besonders viel Spaß? Und welche alten Schätzchen wurden endlich mal wieder ausgepackt?

PROFESSOR PÜNSCHGE: Warum sollte mich der verworrene Nachhauseweg eines mir nicht persönlich bekannten Professors interessieren? Keine Ahnung. Aber er interessiert mich.


FITS: Der neue Absacker in all meinen Runden. (Außer jener speziellen, die RACE FOR THE GALAXY als Absacker braucht.)



DER HEXER VON SALEM: Faszinierend. Jede Partie läuft anders. Es gibt so wundervoll viele Möglichkeiten zu scheitern...




DOMINION: Und ich würd´s noch mehr lieben, wenn auch die komplexeren Strategien funktionierten!




RACE FOR THE GALAXY - AUFZIEHENDER STURM: Oh, Mann! Ich verliere ja nur noch! Es wird dringend Zeit für eine neue Erweiterung...


CARTAGENA - DIE MEUTEREI: Die Piratenfiguren erinnern irgendwie an Zombies. Aber das macht gar nichts. Gute Geschichten enthalten immer Zombies.



Dienstag, 24. Februar 2009

Carcassonne Mayflower

CARCASSONNE MAYFLOWER ist als Titel ähnlich grenzwertig wie „Pompeji Santa Maria“ oder „Neandertal Titanic“. Und dies ist bereits ein erster Anhaltspunkt, um sich Sorgen zu machen...

Wie geht CARCASSONNE MAYFLOWER? Genauso wie CARCASSONNE, nur mit einer gewichtigen Ausnahme: Jetzt gibt es zwei neue Figuren, die „Landvermesser“. Sie rücken nach jeder Wertung gen Osten, und es empfiehlt sich, mit ihnen Schritt zu halten. Denn Figuren, die sich in derselben Spalte wie ein Vermesser befinden, erhalten bei einer Wertung Extrapunkte, während Figuren, die auf halbfertigen Wegen oder in halbfertigen Städten westlich der Vermesser herumlungern, einfach abgeräumt werden.

Was passiert? Es entsteht eine bevorzugte Baurichtung, nämlich von Ost nach West. Wer sich (mit Ausnahme von Bauern, die jetzt aber "Trapper" heißen) zu lange im Westen aufhält, geht ohne Punkte nach Hause. Die Spieler setzen deshalb vermehrt auf kleine, schnell fertigzustellende Objekte... Und sie blättern verwirrt im Regelheft.
Zur Illustration ein Blick ins Hans-im-Glück-Forum: „Hallo HiG-Team, zu MAYFLOWER hätten wir mal ganz konkret zwei Fragen...“; „Nach einem ersten Spiel gerade stellen sich noch folgende Fragen...“; „Hello everybody, I have some questions about...“; „Ich hätte eine Frage zu den Landvermessern, und zwar...“; „Einige Fragen meiner Vorredner sind mir auch unklar...“; „Obwohl wir erfahrene CARCASSONNE-Spieler sind, sind einige Fragen aufgetaucht...“

Was taugt es? Die Landvermesser-Idee hat ihren Reiz und sie verändert das Spielgefühl. Gleich ein ganzes Spiel hätte man meinetwegen nicht drumherum produzieren müssen - aber es geschieht vermutlich auch gar nicht meinetwegen. Na schön. Akzeptabel. Bis hierhin liegt CARCASSONNE MAYFLOWER noch im soliden Bereich, zumal es sehr chic aussieht.
Aber wenn schon, dann sollten solche Fan-Artikel auch funktionieren, und mit der beiligenden Regel hakt das Spiel gewaltig. Es ist reparaturbedürftig, und das wundert; schließlich ist MAYFLOWER meines Wissens nicht unbedingt das erste CARCASSONNE-Spiel von Hans im Glück. Noch mehr aber wundert mich, dass ich auf der Verlags-Website keine FAQ-Liste finde, nicht mal einen deutlichen Hinweis auf die überarbeitete Regel. Womöglich sind die anderen 20 Verwirrten und ich nur tragische Einzelfälle?

CARCASSONNE MAYFLOWER von Klaus-Jürgen Wrede für zwei bis fünf Spieler, Hans im Glück.

Montag, 16. Februar 2009

Im Schutze der Burg

Die Collage auf dem Cover gibt einen treffenden Vorgeschmack: Hier gibt´s ganz viel auf engstem Raum. Das bedeutet: Wir sammeln nicht bloß Rohstoffe und bauen Häuser damit. Nein, wir schließen auch noch Wetten auf den Baufortschritt ab. Und unsere Personenkarten haben dabei nicht bloß eine Funktion. Nein, der „Maurer“ beispielsweise erhält erst Rohstoffe vom Wehrturm, anschließend darf er bauen, kassiert jedoch statt Punkten Geld dafür, und drittens darf er Wetten abschließen. Und, nein, wir spielen auch nicht den ganzen Abend. IM SCHUTZE DER BURG dauert kaum eine Stunde!

Wie geht IM SCHUTZE DER BURG? Punkte gibt es fürs Bauen und fürs Wetten. Eine Voraussage könnte etwa lauten: In diesem Spiel werden ganz viele Türme gebaut. Jeder errichtete Turm bringt dann am Schluss zwei Punkte; und natürlich helfe ich als fleißiger Turmbauer kräftig nach.
Aber ganz so einfach ist die Sache dann auch wieder nicht: Um die Wette überhaupt freizuschalten, muss erst das große Tor gebaut werden, was eine bestimmte Kombination an Rohstoffen erfordert. Und ich muss zehn Taler Einsatz bezahlen und eine Personenkarte spielen, die es erlaubt, Wetten abzuschließen.
Personenkarten sind also dazu da, um Rohstoffe, Geld und Punkte zu erwerben, um zu bauen und zu wetten. Da jeder Spieler jede Runde nur eine Person auswählt und eine Partie (zu viert) lediglich zwölf Runden dauert, erledigen die meisten Personen ganz viele Dinge gleichzeitig. „Allrounder“ wäre statt „Maurer“ oder „Steinmetz“ die treffendere Bezeichnung. (Oder "Mutti".)

Was passiert? Das Zusammenwirken der Personenkarten muss man erst mal durchschauen: Der Steinmetz trifft optimalerweise auf mehrere Arbeiter der Mitspieler. Denen darf er dann Baustoffe wegnehmen. Der Maurer sollte einen gut gefüllten Wehrturm vorfinden und der Baumeister viele fremde Maurer und Steinmetze, da er an ihrer Arbeit mitverdient.
Jeder Spieler wählt seine Person geheim. Hier ins Schwarze zu treffen, ist der erste Schlüssel zum Erfolg. Der zweite sind die Wetten. Welche wie aussichtsreich sind, ist anfangs noch Stochern im Nebel. Aber auch hier gewinnt man bald allgemeine und gruppenspezifische Erfahrungswerte.

Was taugt es? IM SCHUTZE DER BURG ist zweifellos taktisch. Doch Taktik bedeutet nicht gleich Spielspaß. Trotz der herausragenden Grafik kommt keine Atmosphäre auf. Das Spiel berührt nicht emotional, das Thema verfängt nicht und die Regeln wirken demzufolge konstruiert. Dass die Spieler Rohstoffabgaben für den Wehrturm zahlen müssen, sehe ich ja noch ein. Aber warum darf sich der Maurer dort für Privatzwecke bedienen? Und warum wird der Maurer mit Geld bezahlt, während der Steinmetz für dieselbe Leistung Siegpunkte erhält? Und warum machen Maurer und Steinmetz nahezu dasselbe?
All das könnte ich verzeihen, wenn mich denn wenigstens der Mechanismus ins Spiel zöge. Aber erneut Fehlanzeige. Das Spiel will zu viel in zu kurzer Zeit, als dass ich eine Beziehung dazu entwickeln könnte. IM SCHUTZE DER BURG gelingt es nicht, mich für den Ausgang der Wetten zu interessieren.

IM SCHUTZE DER BURG von Inka und Markus Brand für zwei bis vier Spieler, eggertspiele.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Mitspielerin des Monats: Gwen

Spielertyp: gutmütig
Zitat: „So viel Rechnen, und dann auch noch am Wochenende!“
Spielfarbe: grün
Lieblingsspiel: GIFT TRAP

Kaum zu glauben, aber im Leben einer Fünfzehnjährigen gibt es tatsächlich wichtigere Dinge als Brettspiele. Insofern hat sich der Charakter meiner Wochenend-Besuche bei Gwens Familie ziemlich verändert.
Hatte Gwen meine große Spieletasche früher bereits komplett ausgeräumt, während ich noch meine Schuhe auszog, und legte sie, kaum hatte ich ihre Eltern begrüßt, bereits voller Vorfreude die Reihenfolge fest, in der wir das alles spielen mussten, so registriere ich inzwischen eine gewisse Abgeklärtheit. Klar spielt Gwen mal was mit. Aber mehr so als Pausenfüller, wenn sie nicht gerade mit ihrer Freundin telefoniert, im Netz surft, Ölgemälde malt oder Gitarre spielt.

Das hat auch mit den Spielen selbst zu tun. Die meisten motivieren einfach nicht mehr so richtig: Kinderkram scheidet aus. Alles, was wie verkappte Hausaufgaben wirkt, scheidet ebenfalls aus. Und die angeblich so altersgemäßen Spiele mit bekannten Jugendbuch-Charakteren lassen Gwen erst recht kalt. Jahrelanges Spielen hat ihre Ansprüche nach oben geschraubt.
Nicht einmal AGRICOLA kann nachhaltig punkten. Die vielen Regeln kapiert Gwen zwar in Nullkommanichts, aber... Schafe grillen?! Was für ein Horror ist das denn?! Als Vegetarierin verfolgt Gwen vom Start weg alternative Ziele und baut sich einen Streichelzoo. Wen interessieren schnöde Siegpunkte, während Tierleben auf dem Spiel stehen?

Interessieren Siegpunkte eigentlich überhaupt? Am Rande vielleicht. Aber wenn ein Mitspieler dringend einen bestimmten Rohstoff benötigt: Na gut, dann gibt Gwen den eben her. Es müssen ja nicht immer alle so fies und gemein spielen wie die Erwachsenen. Spiele sollen lustig sein und Spaß machen.
Das ist übrigens auch meine Meinung. Schade bloß, dass Gwen und ich nicht zwangsläufig dasselbe spaßig finden. Wenn sie mich bei LIGRETTO älter aussehen lässt als ich ohnehin schon bin, dann ist dies nämlich nicht ansatzweise zum Lachen, sondern einfach nur fies und gemein! Und ausbaden müssen das dann die armen kleinen Schäfchen bei AGRICOLA... grill, grill! Mmh, lecker!


Mehr Mitspieler kennen lernen?

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  • Vor zu Matzes Mutter, Mitspielerin des Monats März

Sonntag, 8. Februar 2009

Das Must-Have aus Nürnberg

Samstag, 7. Februar 2009

Gelini - Catch me

Gelini??? Was mag das schon wieder sein? So eine Art Teletubbie für Doofe?
Herrje, das hätte ich jetzt besser nicht gesagt. Schließlich haben die Gelini ja auch Gefühle: MintMoos zum Beispiel, so lese ich in der Spielanleitung, "ist ziemlich nachdenklich und ganz grün. In seinem Kopf sind viele Fragen, auf die er leider keine Antwort weiß."
Und "DiRikki ist ein kleines Paradiesvögelchen. Sie ist ziemlich hübsch und liebt es, sich schick zu machen. Da kommt bei den anderen schon mal Neid auf."
"AnnaLinn ist noch ziemlich jung, aber interessiert sich bereits für fast alles. Daher hat sie bei vielen Sachen schon einen super Überblick. Sie mag MintMoos ganz doll..."
Lauter starke Persönlichkeiten also und mitnichten neun mal dasselbe Gummibärchen, nur in anderer Farbe!

Wie geht CATCH ME? Wer die meisten Gelini catcht, gewinnt. Jeder Spieler hat fünf Farbkarten auf der Hand. Eine spielt man und erhält die entsprechende Gelini-Figur, sofern sie noch keinem anderen Spieler gehört. Gehört sie einem anderen Spieler, kann der sich zur Wehr setzen, indem er ebenfalls eine gleichfarbige Karte spielt. Jetzt darf wieder der Angreifer mit einer Karte kontern und so weiter.
Von jedem Gelini sind fünf Karten im Spiel. Wer die fünfte spielt, hat seinen kleinen Liebling also sicher. Damit die Sache nicht ganz so berechenbar ist, gibt es zwei kleine Kniffe: 1. Drei Karten werden vor dem Spiel ungesehen beiseite gelegt. 2. Auch die verbleibenden 42 Karten werden nicht komplett runtergespielt. Gelini endet, sobald der Nachziehstapel aufgebraucht ist und der erste Spieler keine Karte mehr auf der Hand hält.

Was passiert? Die Schachtel verschwindet im Schrank. (Weiter hinten.)

Was taugt es? Für Gelini-Fans ist das bestimmt total super. Obwohl... mit einem Gelini sympathisiere sogar ich: KotzMotz! Der "ist eigentlich ganz bunt. Weil er aber oft so motzig drauf ist, sieht man das nicht – er erscheint grau. Das ärgert ihn dann, was nicht sehr förderlich ist..."

GELINI – CATCH ME von Reiner Knizia für drei bis sechs Spie Gelini-Fans, Ravensburger.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Nach Feierabend: Panzerballett

Welcher Musikfreund spürt nicht diese innere Zerrissenheit?

Man möchte Metal hören, fühlt sich jedoch zu alt dafür. Und schlecht fürs Image ist es außerdem.
Jazz wäre passender. Aber irgendwie fehlt da der Wumms. Und Wumms muss sein. So alt ist man ja nun auch wieder nicht.

Die Lösung all solcher Probleme heißt PANZERBALLETT. Die Formation aus München musiziert in der klassischen Jazz-Besetzung mit Saxofon, Schlagzeug, Bass, Brachialgitarre und Brachialgitarre... Nicht klassisch? Doch, doch, anders geht das gar nicht, will man komplexe polyrhythmische Songs mit harten Riffs unterlegen.

Und das will man unbedingt. Schließlich sind viele Welt-Hits ebenfalls komplex und polyrhythmisch. Beispiele gefällig? "Smoke On The Water" von Deep Purple, "Thunderstruck" von AC/DC... Wie bitte? Nicht komplex? Nicht polyrhthmisch? Zugegeben: Eventuell nicht im Original. Dafür aber in der panzerballettesken Version. Und das ist die nun mal bessere und damit letztgültige!

Denn PANZERBALLETT spielt nicht einfach nach. Hier wird freudig zersägt, verfremdet, umarrangiert und improvisiert, dass etwas herrlich Eigenes dabei herauskommt. Ich bin mir nicht mal sicher, ob die gecoverten Künstler ihre Songs überhaupt wiedererkennen.
Aber ohne Vorlage können es die Jungs genauso. Die vier Eigenkompositionen auf dem Album sind nicht minder hörenswert. Ein klein wenig Kritik muss trotzdem sein: Der Band-Leader trägt eine doofe Mütze! Ätsch.

Panzerballett auf myspace
(Anspieltipps: "Fire On The Hire" (Cover undercover) und "Zickenterror" (Eigenkomposition).)


Weitere geistvolle Beschäftigung nach dem Spiele-Feierabend: