Montag, 18. Januar 2010

Mitspieler des Monats: Thomas

Spielertyp: defensiv
Zitat: „Ach jaaa...!“
Spielfarbe: blau
Lieblingsspiel: DIE HÄNDLER VON GENUA

Wer neben einem Kernkraftwerk oder einem Funkmast wohnt oder über einen längeren Zeitraum Mitglied meiner Spielerunden ist, setzt sich dem Risiko unerwünschter Nebenwirkungen aus.
Es ist ein fast unmerklicher Prozess und die wissenschaftliche Forschung steckt noch in den Anfängen, doch mit Sorge beobachte ich bei meinen Mitspielern schleichende Symptome von Überdruss und Phlegma: Müssen wir schon wieder was Neues spielen? Ist das auch ganz bestimmt ein Hit und nicht wieder so eine Graupe? Können wir vorab eine schriftliche Garantieerklärung bekommen...?
Doch es gibt Ausnahmen. Wackere, unbeirrbare Gernspieler. Solche wie Thomas.

Thomas hat sich seine ursprüngliche Neugierde tatsächlich bewahrt und lebt immer noch in der Sorge, etwas spielerisch Wichtiges verpassen zu können: Was gibt es für Neuheiten? Was muss man haben? Ab wann sind die Spiele wo erhältlich? Ach, am besten sofort bestellen, bevor es zu spät ist...
Denn Thomas will spielen! Und weil er froh ist über jede Gelegenheit, die sich ihm dazu bietet, mag er auch gar nicht noch weitere Ansprüche erheben oder jemandem zur Last fallen. Er verzichtet auf Raucherpausen, erwartet keine Bewirtung und zeigt sich sogar dann noch kompromissbereit, wenn jemand etwas vorschlägt, was er eigentlich zum Weglaufen findet.

Auch während einer Partie eckt Thomas tunlichst nicht an. Hat er eine Regel mal nicht ganz mitgekriegt, macht er lieber einen anderen Zug, anstatt noch einmal nachzufragen und damit unnötig den Laden aufzuhalten. Natürlich minimiert das auch seine Siegchancen, doch das ist ihm egal. Und zwar in einem Maße, dass es bei uns anderen bisweilen schon Helfer-Instinkte weckt: „Aber du hättest doch...!“ schlagen wir ihm vor. Oder: „Hast du vergessen, dass...?“
„Ach jaaa!“ ruft Thomas dann ganz überrascht. Aber ändern will er seinen Zug trotzdem nicht mehr. Gemacht ist gemacht. - Was natürlich nicht gilt, falls andere etwas zurücknehmen wollen. Selbstverständlich geht das dann. Ist ja noch dieselbe Spielsituation.

Natürlich: Auch Thomas freut sich, wenn er gewinnt. Doch er kann ein Spiel komplett ergebnisunabhängig genießen, und das bewundere ich. Denn für mich, das muss ich zugeben, fühlt sich der Spielgenuss nach einem Sieg durchaus noch ein klein wenig kompletter an.
Und warum fehlt Thomas dieser Ehrgeiz? Schwer zu sagen. Aber ich tippe, er hat früher mal neben einer Kirche oder einer Walldorfschule gewohnt.


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