Sonntag, 31. Juli 2011

Gern gespielt im Juli 2011

Was landete am häufigsten auf meinem Spieletisch? Was machte besonders viel Spaß? Und welche alten Schätzchen wurden endlich mal wieder ausgepackt?

DIE BURGEN VON BURGUND: 278. [Update, 04.08.2011: 289 zu viert, yeah!]





SID MEIER´S CIVILIZATION: Beim großen Stromausfall am 13. Juli in Hannover spielen wahre Könner natürlich ausgerechnet ein Spiel, das um 22:40 Uhr noch längst nicht zu Ende ist und das sich schwerlich bei Kerzenschein weiterspielen lässt. (Außerdem wusste ich auch gar nicht, wo ich die Kerzen finde.)

K2: Der gelbe, gezackte Bergsteiger, er starb als Held. Wir werden ihn nicht vergessen. – Vor allem ich nicht, weil der Depp mir den Sieg vermasselt hat. Erfriert lieber, anstatt mal Fünfe grade sein zu lassen und sich zu einem Fremden ins Zelt zu legen, grrr!

MISS LUPUN UND DAS GEHEIMNIS DER ZAHLEN: Für die kleine Runde Verzweiflung zwischendurch.



AVANTI: Aufgrund des Regelstudiums hätte ich nicht gedacht, dass mich dieses Spiel gut unterhält. Muss ich jetzt etwa anfangen, Spiele tatsächlich zu spielen...? Ein Schock!


7 WONDERS - LEADERS: Böse Menschen haben keine LEADERS. (Sagt Andy.)




Donnerstag, 28. Juli 2011

Grand Cru

Prost!

Wie geht GRAND CRU? Wir produzieren eine Ware, die erst nach mehreren Runden zur Verfügung steht: Wein. Je länger die Fasslagerung dauert, desto wertvoller das Endprodukt, doch umso knapper zwischendurch das Geld. Alle Winzer starten kreditbelastet ins Spiel. Das Ziel lautet, als Erster ohne Schulden dazustehen. Weinreben und hilfreiche Ausbauten für das Gut treiben einen zunächst noch weiter in die Schulden, erst nach ein paar Durchgängen schreibt man auch mal schwarze Zahlen.

Was passiert? Originell und gewöhnungsbedürftig ist der Rhythmus: Ein Spieljahr endet nicht nach einer festgelegten Zahl von Aktionen, sondern immer dann, wenn einer der Winzer seine Reben komplett abgeerntet hat. Auf schnelles oder langsames Ernten basieren verschiedene Strategien: Wer viele Kredite aufgenommen hat, will das Spiel eher bremsen, um die Zinszahlungen hinauszuzögern. Spieler mit langwierig reifenden Weinen hingegen setzen auf Beschleunigung, damit es in ihrem Weinkeller vorwärts geht.
So weit, so tricky. Allerdings besitzt GRAND CRU auch eine gewisse Sperrigkeit. Der eigentliche Witz offenbart sich nicht sofort. Viele Spieler sind geneigt, das Spiel schon nach der ersten Partie abzutun. Denn die Aktionen als solche (Weinpreis erhöhen, Wein verkaufen, Gebot bei Versteigerung abgeben etc.) wirken arg herkömmlich und erfordern einiges an Verwaltung. Beispielsweise kostet jede Ernte ein Geld, und jedes Mal diesen Mini-Betrag in die Bank zu zahlen ist lästig. Vor allem die in ihrer Symbolik sehr uneindeutige Grafik erschwert den Zugang und provoziert viele Nachfragen.

Was taugt es? GRAND CRU ist ein Spiel, das sich die Spieler erarbeiten müssen. Was als nettes, beschauliches, geradezu typisches Wirtschaftsspiel daherzukommen scheint, entpuppt sich als hartes Strategiespiel, bei dem Könner Anfänger so richtig über den Tisch ziehen werden.
Als Spieler brauche ich allerdings auch immer Mitspieler, und da hat sich Originalität im Gewande des Herkömmlichen in Kombination mit Sperrigkeit und Grafikverwirrung nicht gerade als Erfolgsformel erwiesen. GRAND CRU hinterlässt bei mir das Gefühl: Hier wäre mehr drin gewesen.

GRAND CRU von Ulrich Blum für zwei bis fünf Spieler, eggertspiele.

Sonntag, 24. Juli 2011

Claudia Fischer hat Geburtstag

Sehr geehrter Herr Bartsch,
was für ein Tag steht mir bevor. Bei der großen Geburtstags-Gala werde ich die besondere Freude haben, mit Kollegen und Freunden des Reiseclubs meinen 42-jährigen Geburtstag zu feiern.

Das Motto: „Ich habe Geburtstag und Sie, Herr Bartsch, sind herzlich eingeladen.“ Feiern Sie mit!
Ihnen, Herr Bartsch, als treuer Kunde und Teilnehmer unserer Clubfahrten,
sage ich das, weil Sie einer der wichtigsten Ehrengäste dieser Feier sind.

Tatsache ist: Auf dem Namensschild Ihres bereits reservierten Ehrenplatzes wird der Name Herr Bartsch aus Hannover stehen. Damit ist es offiziell: Mein großer Tag wäre dann gleichzeitig auch für Sie ein wahrer Jubeltag!

Wie aus dem Programm für Sie ersichtlich ist, habe ich als ersten und wichtigsten Programmpunkt der Geburtstags-Gala die ehrenvolle Aufgabe, Ihnen ein persönliches Geschenk von mir zu überreichen. Ich lade Sie und Ihre Gäste zu einem ausgiebigen Frühstück mit duftendem Kaffee oder Tee und frisch belegten Brötchen und einem reichhaltigen, leckeren Mittagessen ein. Garantiert kostenlos für Sie und Ihre Gäste. Zusätzlich erwartet Sie, wenn Sie termingerecht antworten, eine große Gala-Überraschung.

Für Sie als regelmäßiger Teilnehmer unserer Clubfahrten und für mich als Leiterin der Abteilung VIP-Kundenbetreuung seit über 20 Jahren ist ein solcher Glückstag gewiss der absolut krönende Höhepunkt des Jahres.

Ebenso stolz wie auf Ihren Rang als treuer Kunde können Sie darauf sein, dass Sie zu den Ersten gehören, die unseren exklusiven Reisekatalog „Erlebnis-, Wellness- und Kurreisen 2011-2012“ kennen lernen dürfen. Freuen Sie sich auf ein paar hinreißende und gesellige Stunden mit Freunden des Reiseclubs. Zusätzlich erhalten Sie und Ihre mitgebrachten Gäste noch ganz besonders ausgewählte Dankeschön-Geschenke von mir gratis zum Mitnehmen.

Ich lade Sie herzlich ein und würde mich sehr freuen, Sie vielleicht einmal persönlich kennen zu lernen. Unsere Zufriedenheits-Garantie und die vielen Gratisgeschenke werden Sie begeistern. Lassen Sie sich diese Geburtstags-Gala nicht entgehen. Schicken Sie mir noch heute Ihre Antwortkarte zurück, damit ich alles für Sie vorbereiten kann.

Mit freundlichen Grüßen, Ihre Claudia Fischer

_ _ _

Tja, liebe Freunde, ich gebe es offen zu: Ich habe mich wohl ein bisschen in Claudia Fischer verliebt. Es kribbelt ganz, ganz heftig. Und die Geschenke: Waaahnsinn! Eine Küchenmaschine Deluxe, eine elektrische Schuhputzmaschine, ein Geburtstagskuchen für zu Hause, eine große Kuscheldecke in hochwertiger Microfaser-Qualität im Wert von 179 Euro, und, und, und...!
Natürlich möchte ich die Gala für volle vier Personen buchen. Wäre ja dumm, das vorhandene Kontingent nicht auszuschöpfen.
Achtung, Bonus-Aktion: Da ich selber am Dienstag, den 9. August 2011, leider, leider verhindert bin und nicht um 07:05 Uhr an der Bushaltestelle am Kötnerholzweg erscheinen kann, sind für diese tolle Reise nicht nur drei, sondern vier Plätze zu vergeben! Bewerbungen bitte über die Kommentar-Funktion.

Sicher werden nun manche denken, so viele tolle Geschenke seien unmöglich und das sei alles nur Schmu. Ist es aber nicht. Denn „die große Live-Präsentation“ [äh, welche Live-Präsentation?] wird unterstützt durch zahlreiche „großzügige Sponsoren“, zum Beispiel ISW Der Haushaltsprofi [Internet-Recherche zu dieser Firma ergab nichts] oder Modehaus Chelin [Internet-Recherche zu dieser Firma ergab nichts] oder ERS Der Reiseprofi [Internet-Recherche zu dieser Firma ergab nichts] und viele andere mehr [Internet-Recherche ergab ebenfalls nichts].

Spätestens jetzt ist jeder überzeugt. Aber haltet euch fest, das war immer noch nicht alles: Meine spezielle Geburtstags-Gala-VIP-Ehrengast-Vertretung nimmt an einer Sonderverlosung teil! Die zwölf Gewinnnummern wurden bereits ermittelt:


Und das Unglaubliche wird wahr: Das persönliche Glückslos, das eigentlich mir gehört, aber das ich meiner speziellen Geburtstags-Gala-VIP-Ehrengast-Vertretung garantiert gratis und vollkommen kostenlos als Treue-Bonus-Geschenk überlasse, HAT BEREITS GEWONNEN!


Mittwoch, 20. Juli 2011

Airlines Europe

Der Reiz bei AIRLINES EUROPE und seinen Vorgängern UNION PACIFIC und AIRLINES ist für mich: Wann kommt die nächste Wertung? Muss ich schon jetzt meine Aktien auf den Tisch legen oder kann ich noch eine Weile sammeln? Den Rest empfinde ich als gar nicht so wichtig, und deshalb begrüße ich, dass AIRLINES EUROPE den Versuch unternimmt, bei diesem Rest ein paar Kanten abzuschleifen.

Wie geht AIRLINES EUROPE? Wir sammeln Aktien verschiedener Fluglinien. Dreimal im Spiel taucht eine Wertungskarte im Stapel auf. Jetzt zählt bei jeder der elf Farben, wer die meisten / zweitmeisten usw. Aktien ausliegen hat. Das bringt Punkte abhängig davon, wie groß das Streckennetz der jeweiligen Fluglinie ist.
Man hat also ein Interesse, die Linien zu vergrößern, deren Aktien man besitzt. Gleichzeitig hat man das Interesse, sich seine Mehrheiten nicht wieder abjagen zu lassen.
Man will also Aktien nehmen, Aktien auslegen und Strecken bauen – aber alles gleichzeitig geht natürlich nicht, und außerdem fehlt auch immer mal wieder das für den Streckenbau nötige Kapital. Eine derartige Finanzkrise wird im Spiel übrigens exakt genauso behoben wie in der Realität. Man setzt eine Runde aus und schöpft neues Geld aus der Bank.

Was passiert? Einige Neu-Regelungen fallen positiv auf: 1. Die umständlichen Baukarten sind endlich raus aus dem Spiel. Es gibt nur noch eine Sorte Karten, nämlich die Aktien. 2. An die nicht in den Stapel eingemischten Aktien der Super-Linie „Air Abacus“ kommt man durch Abwerfen anderer Aktien. So kann Schrott doch noch gewinnbringend eingesetzt werden. 3. Kleinere Fluglinien erhalten einen Wertzuwachs, wenn sie bestimmte Städte auf dem Spielplan erreichen. Das Bauen wird dadurch zielgerichteter.
Letztendlich bleiben die für mich entscheidenden Fragen dennoch: Wann kommt die Wertung? Was habe ich ausliegen? Glück hat derjenige, vor dessen Zug genau die gesuchte Aktie in den offenen Markt gelegt wird. Glück hat auch derjenige, der mit geringem Engagement einen wertvollen zweiten Rang ergattert. Ich will mit dieser Argumentation nicht auf „Glücksspiel“ hinaus, sondern auf „Aktien-Mehrheitenspiel“. Das Bau-Element halte ich für nicht direkt störend, aber für weniger bedeutsam.

Was taugt es? Die Neuerungen leuchten mir ein. AIRLINES EUROPE wirkt etwas moderner und eleganter.
Offenbar gibt es viele Fans dieser Spielfamilie; die zum Teil außerordentlich guten Rezensionen sind mir nicht entgangen. Auch für mich spielt sich AIRLINES EUROPE rund und gefällig, nur eine ganz besondere Spannung erlebe ich nicht. Und ich glaube, es liegt daran, dass in dem Spiel für mein Empfinden immer noch mehr Elemente drin sind als drin sein müssten.

AIRLINES EUROPE von Alan R. Moon für zwei bis fünf Spieler, Abacusspiele.

Freitag, 15. Juli 2011

Eine Million Interviews (2): Anja Wrede

Anja Wrede

Die Interviewte: Anja Wrede (43), Spieleautorin und Grafikerin aus Berlin. Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Claudia Hartmann gründete sie den Kinderspiele-Verlag Edition Siebenschläfer.

Der Interviewer: Udo Bartsch (43), Spielekritiker aus Hannover. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Ede (U-Haft) gründete er das Redaktionsbüro „Copy & Paste für Millionen“ (insolvent).


Frau Wrede, im ersten Teil meiner fulminanten Erfolgsserie „Eine Million Interviews“ bin ich unglücklicherweise einem Scharlatan aufgesessen. Ganz am Ende des Gesprächs stellte sich heraus, dass er tatsächlich weniger Spiele verkauft hat, als es Sandkörner auf der Erde gibt! Ich hoffe, mit Ihnen habe ich nun eine echte Erfolgsautorin vor mir?

Werter Herr Bartsch, ojeoje, ich fürchte, diese Hürde schaffe auch ich nicht, obwohl ich schon so lange in diesen Pappschachteln unterwegs bin. Bin ich hiermit aus der Zielgruppe herausgefallen und wir haben schnellen Schrittes bereits das Ende des Interviews erreicht?

Das hätten Sie wohl gern! Aber wir zwei müssen das durchziehen. Ich hab doch sonst niemanden... Äh, was sagten Sie eben: Sie sind in Pappschachteln unterwegs!?

Ähem, Sie etwa nicht? Erstaunlich, ich dachte, diese Fortbewegungsart hätte sich mittlerweile durchgesetzt. Ich nutze sie schon seit frühester Kindheit. Damals waren es allerdings große, gerade ausgepackte Lebensmittelkartons, mit denen ich über den langen Flur neben dem Lagerraum unseres Tante-Emma-Ladens rumpelte. Heute sind die Schachteln kleiner. Damit ist es auch einfacher, die Kurven und Hindernisse im alltäglichen Leben und Arbeiten ohne allzu viele blaue Flecken zu überstehen.

Verdammt. Wieder ein Trend aus der Hauptstadt, den ich verpasst habe! Das dauert ewig, bis so etwas hier in der Provinz ankommt. Wenn wir in Hannover endlich in Schachteln durch die Gegend fahren, haben Sie in Berlin bestimmt schon wieder was neues Verrücktes. Was weiß ich: Schuhe ohne Schnürsenkel. Oder Autorennamen auf Spielen.

Tja, da muss ich Sie nun aber dezent belehren: Den Trend hab ich aus der Provinz mitgebracht, gemeinsam haben wir diverse Orte in Bayern und Niedersachsen bereist, bevor wir hier gelandet sind. Und diese Landung erfolgte auch noch – ich schäme mich etwas, aber es muss gesagt werden – in einem total uncoolen Stadtteil. Denn – unglaublich, aber wahr: Ja, es ist Leben außerhalb von Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain möglich.
Und mehr noch: Trends entstehen bisweilen an eher abseitigen Orten. In Göttingen jedenfalls wurde das mit den Autorennamen aus der Taufe gehoben und auf einen berühmten Bierdeckel verewigt. Und wenn Sie jetzt bitte fragen würden, ob man vom Spieleerfinden denn eigentlich leben kann, darauf habe ich nämlich seit kurzem eine sehr schöne Antwort!

Frau Wrede, ich möchte Ihnen an dieser Stelle eine eher pikante Frage stellen, die Sie vielleicht überraschen wird: Kann man vom Spieleerfinden eigentlich leben?

Oh, Herr Bartsch, Ihre Frage erschreckt mich etwas, bitte lassen Sie mich kurz etwas überprüfen, vielleicht bin ich schon längst tot?
Aber nein, ich habe den Beweis: Ich habe sowohl eine Zahnbürste als auch ein Bett in der Wohnung. Dass diese beiden Dinge wichtige Beweise für das reale Leben sind, weiß ich, seit ich eine wunderbare Hörspielfassung der „Geschlossenen Gesellschaft“ gehört habe. Die Neuankömmlinge in der Hölle haben sich nämlich beschwert, dass es weder Zahnbürsten noch Betten gäbe. Und der Höllenhausmeister sagt daraufhin, sie seien doch schon tot, schlafen müssten sie darum ja nicht mehr, und Zähneputzen sei ebenfalls vorbei.
Ich habe beides, ich lebe also. Also kann ich vom Spieleerfinden und sogar damit leben. Allerdings ist mein Portfolio ein bunter Gemischtwarenladen verschiedener Projekte...

Ach? Und jetzt soll ich wohl fragen, was für Projekte das sind? Hören Sie mal, so läuft das aber nicht! Ich bin hier der Chef! Ich gebe das Kommando! Und ich frage, was ich will. Was für Projekte sind das denn?

Das ist geheim. Aber eines sage ich Ihnen: Mit CARCASSONNE habe ich nichts zu tun.

Nee, nee, nee, so nicht! Man kann vor seinen Taten nicht davonlaufen, Frau Wrede. Auf sämtlichen CARCASSONNE-Spielen steht Ihr Name! Das beweist alles, und jetzt ist diese Göttinger Bierdeckel-Geschichte aber mal so richtig schön nach hinten losgegangen!

Nun ja, mein Name begleitet mich ja schon mein ganzes Leben, CARCASSONNE dagegen erst 11 Jahre. Aber ich verrate es Ihnen im Vertrauen: Ja, es gibt eine Verbindung zwischen dem Herrn von CARCASSONNE und mir.
Wenn Sie sich hier umschauen, werden sie wachen Auges entdecken: In meinem Spieleregal gibt es mehr Spiele, auf denen der Name „Wrede“ steht, als in meiner Ludografie verzeichnet sind.
Schwupps, habe ich hier nicht nur gut 50, sondern knapp 60 Spiele. Und überall ein Wrede drin, zumindest teilweise. Meistens eine Anja – und manchmal ein Klaus-Jürgen.

50...? 60...? 11...? – Tut mir Leid, das ist mir zu hoch. Kann es sein, dass Sie ganz gerne mal mit Zahlen tricksen, Frau Wrede? Ihr Verlag müsste ja eigentlich „Edition Zweimacherinnen“ heißen, statt dessen nennen Sie sich „Sieben Schläfer“. Ich wittere Betrug. Sie wollen die Menschen in die Irre führen. Ich bin der Erste, der es durchschaut!

Ähem, das mit den Zahlen. Na ja, das ist wirklich so ein Thema bei mir. Aber ich muss Sie leider enttäuschen, Sie sind nicht der Erste, dem das auffällt. Vor dieser Person knie ich noch heute mit großem Respekt nieder. In meiner allerersten Rechenarbeit habe ich nämlich geschummelt.
Und zwar nach der Rückgabe. Ich hatte ausgerechnet, dass fünf plus fünf neun ergibt. Frau Peters hat das anders gesehen und einen Fehler vermerkt. Aber ich war als Ladenkind modern mit Tintenkiller ausgerüstet und habe aus der Neun nicht nur nachträglich eine kruckelige Zehn gemacht, sondern bin mit dem von mir korrigiertem Heft auch noch erhobenen Hauptes zur Lehrerin gegangen und habe gesagt, dass da doch wohl das richtige Ergebnis stehe und meine Note darum doch wohl eine Eins sein müsse...
Aber in Sachen Zweimacherinnen kann ich ihnen mitteilen, dass wir gerade daran arbeiten, unseren Personalstamm zu vergrößern - wir nehmen gerade den Kontakt zur Hauptstadt der Siebenschläfer auf und hoffen, dort eine größere Anzahl artgerechten Personals zu finden.

Das wird nun leider nichts mehr werden, Frau Wrede. Das müssen Sie doch selbst einsehen: All diese Zahlentricks und die vorsätzliche Namenstäuschung mit zwei Wredes und sieben Schläfern – das zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben! Ich habe es als meine Bürgerpflicht angesehen, die Polizei zu informieren. Das Einsatzkommando wird sicher gleich hier sein. Möchten Sie noch ein paar Abschiedsworte sagen?

Oh, dann bleibt mir wohl nur noch ein letztes Stoßgebet, und ich schließe mit einem Abschiedslied: ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHN, SIEBEN DUNKLE JAHRE ÜBERSTEHN...
Aber Herr Bartsch, warum halten Sie sich denn die Ohren zu? Wir singen doch super zweistimmig, mein Hund und ich?

Ach du grüne Neune, von Ihnen kommt dieses Geheul? Und ich dachte, das wär schon die Polizeisirene. Ich muss gehen, Frau Wrede, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Dienstag, 12. Juli 2011

Vinhos

VINHOS geht über sechs Spieljahre, jeder kommt zwölf Mal an die Reihe. Dennoch ist die Angabe der Spieldauer mit „90 bis 180 Minuten“ vollkommen korrekt gewählt. Und da bin ich schon beim für mich entscheidenden Punkt: Es passiert herzlich wenig Greifbares in diesem Spiel! Ich ernte sechs Mal Wein und verkaufe ihn. Eigentlich sehr schlank. Die Abläufe aber stecken derart voller Kleinigkeiten, dass ich dieses und jenes einkalkulieren, daran denken und das berechnen muss. Und jetzt ist es nicht mehr schlank.

Wie geht VINHOS? Ich bin Winzer. Ich will viel Wein ernten, ich will guten Wein ernten. Also brauche ich Weinberge, Weingüter, Weinkeller und Angestellte. Vier von neun möglichen Aktionen beschäftigen sich mit der Beschaffung dieser Grundlagen.
Im echten Leben wäre ich wahrscheinlich zufrieden, für den Wein Geld zu bekommen. In VINHOS aber ist Geld nur Mittel zum Zweck. Und der Zweck ist: Siegpunkte. Ich kann Wein gegen Geld verkaufen. Ich kann Wein gegen Siegpunkte verkaufen. Und ich kann (und muss) dreimal im Spiel einen Wein für eine Ausstellung anmelden, wo er sich mit anderen Weinen misst, ebenfalls Siegpunkte einbringt und mir einen Kontakt zu Managern bahnt, denen ich im weiteren Spielverlauf alle möglichen Weine liefern darf und dafür Extra-Aktionen und andere Vorteile erlange. Spätestens gegen Spielende wählt man hier Vorteile, die weitere Siegpunkte abwerfen: Punkte für Weinkeller, Punkte für Bargeld, Punkte, Punkte, Punkte.
Zentrum des Spielablaufs (und des Spielplans) ist ein aus drei mal drei Feldern bestehender Aktionsbereich. Um eine Aktion ausführen zu dürfen, muss ich mit meiner Figur zu dem entsprechenden Feld laufen, was sowohl bei größeren Entfernungen als auch bei Anwesenheit fremder Spielsteine Geld kostet.

Was nervt? VINHOS erreicht mit vielen Regeln nichts außer dass es komplizierter wird. Beispielsweise existieren für die einzelnen Weinanbaugebiete so genannte „regionale Bekanntheitswürfel“, die unter bestimmten Umständen dorthin gelangen und auf die sämtliche in dieser Region aktive Spieler Zugriff haben, um die Qualität ihres Weines anzuheben. Leistung fürs Spiel: kaum erkennbar. Effekt für die Spieler: mehr Rechnerei.
Ein anderes Beispiel ist die Aktion „Bank“. Einnahmen aus dem Verkauf gehen aufs Konto, Einkäufe jedoch müssen immer in bar abgewickelt werden. Dies zwingt die Spieler zu Umwegen in die Bank. Weil die Bank eine Aktion verbraucht, will man hier möglichst selten hin und muss also nicht nur den Weg seines Aktionsmarkers genau austüfteln, sondern auch im Voraus den eigenen Geldtransfer. Leistung fürs Spiel: kaum erkennbar. Effekt für die Spieler: mehr Rechnerei.

Was taugt es? Der Weinanbau ist in VINHOS auf ein schlankes Prinzip heruntergebrochen. Und dieses einfache Prinzip wird durch viele Mechanismen künstlich wieder kompliziert gemacht. VINHOS ist kein gänzlich schlechtes Spiel. Einige der enthaltenen Ideen kann ich durchaus anerkennen. Nur entsteht Spielreiz für mich nicht aus einem Maximum an Mechanismen. Die Mechanismen müssen der Dramaturgie dienen. VINHOS hingegen hinterlässt bei mir den Eindruck, dass einige Elemente nur ihrer selbst wegen vorhanden sind.

VINHOS von Vital Lacerda für zwei bis vier Spieler, What’s your game?

Freitag, 8. Juli 2011

Spiele-Jahrgang 2010/11:
Die Lieblingsspiele meiner Mitspieler (Teil 1)


ANDY

1. DIE BURGEN VON BURGUND
2. STRASBOURG

3. SAFRANITO




ARNE

1. 7 WONDERS
Trotz geschätzter 259,3 gespielter Partien immer noch nicht in der Lage, irgendeinen Plan umzusetzen, der funktioniert. Fordert mein nicht vorhandenes Improvisationstalent, dennoch gewinne ich überraschend oft. Angenehm schnelle Spieldauer, ein bisschen von dem Dominion-Flair: Jede Partie anders, kurze Spielzeit, mit Erklärung auch „Wenigspielern“ leicht schmackhaft zu machen.

2. GIFT TRAP EDITION SCHWARZ
Ich weiß, nur eine Erweiterung, aber eine, die mal wieder so richtig Spaß macht. Wobei ich mich immer frage, warum meine Mitspieler mir bloß den Raketenwerfer für mein Auto oder die Platinmitgliedschaft im Swingerclub schenken wollen...

3. DIE BURGEN VON BURGUND
Ja, auch hier bin ich vermutlich nicht der Einzige, der dieses Spiel auf der Liste hat, aber auch hier komme ich nicht an der (Spiel-)Qualität des Spiels vorbei. Da ich weder farbenblind bin, noch irgendetwas an der Pappdicke des Materials auszusetzen habe, macht es einfach nur Spaß, obgleich ich immer noch keinen wirklichen Plan habe, wie ich dieses Spiel gewinnen kann...

4. KING OF TOKYO
Total schwachsinniges Thema, total banale Mechanismen, keinerlei Taktik/Strategie, eigentlich völlig überflüssig, wenn man nicht einfach die Urinstinkte mit „Steinzeitkeule“ herausholen könnte: „Warum hast Du mich angegriffen?“ - „Weil ich es konnte!“ Diese Antwort ist für jeden verständlich und zufriedenstellend.




BJÖRN

1. LONDON
Martin Wallace hat einfach einen Lauf an guten Spielen und LONDON ist vom Hintergrund und vom Spielmechanismus absolut stimmig!

2. KING OF TOKYO
Ok - etwas unfair. Denn dieses Spiel gibt es erst auf Englisch - aber so ein geniales Würfelspiel!

3. DIE BURGEN VON BURGUND
Von Anfang bis Ende spannend und durch die unterschiedlichen Pläne auch abwechslungsreich.

4. ESELSBRÜCKE
Bisher einfach immer viel Spaß mit dem Spiel gehabt - wer gewonnen hat, ist eigentlich egal.

5. NAVEGADOR
Schneller Einstieg und von den Rondell-Spielen das fluffigste.




ENKE

1. ESELSBRÜCKE

2. DIE BURGEN VON BURGUND

3. PIG 10

4. 7 WONDERS




FLORIAN

1. DIE BURGEN VON BURGUND
Dieses Spiel bringt den Glanz und den Reiz der großen alea-Spiele zurück auf den Tisch. Mit dem Spielreiz von PUERTO RICO kann es mithalten, und ich habe selten so ein ausgewogenes Spiel gespielt.

2. JUNTA - VIVA EL PRESIDENTE
Welch ein feines Ärger-Spiel. Selten habe ich mir für ein Spiel so sehr einen neuen erweiterten Kartensatz gewünscht.

3. 7 WONDERS
Einfach ein gutes Spiel, nur viel zu teuer.

4. FREEZE
Von Dir auf die Idee gebracht [Ich glaube, er meint mich; gez. U.B.], ein Muss für jede große Spielerunde und für die Abwechslung zu WERWOLF hervorragend geeignet.




JOJO

1. DIE BURGEN VON BURGUND
Gute Mischung aus Würfelglück und Strategie.

2. 7 WONDERS
Genial, dieser Leidensdruck beim ständigen Weggeben aller Karten bis auf eine.

3. DAS 20. JAHRHUNDERT
Ist aus Tschechien.




KARSTEN

1. DIE BURGEN VON BURGUND
Man könnte mich nachts um 4:00 Uhr wecken und ich würde sofort mit zwei Würfeln würfeln können.

2. DOMINION BLÜTEZEIT
Mit Mitspielern auf ungefähr gleichen Kenntnisstand immer wieder gerne und durch Platin und Kolonie noch genialer.

3. 1880 CHINA
Lang, aber auch lange super. Durch das genial gebastelte Material noch besser!

4. 7 WONDERS
Ich habe die Siegesstrategie gefunden, und ich gewinne doch so gerne.

5. PIG 10
Wenn Hänsel und Gretel gehn, gibt das Zehn!




LORENZ

Wenn es einfacher sein soll:

1. DIE VERBOTENE INSEL

2. MONDO

3. BLOCKERS!

Wenn es anspruchsvoller sein soll:

1. 7 WONDERS

2. DIE BURGEN VON BURGUND

3. PANTHEON




MARTIN

1. PANTHEON

2. NAVEGADOR

3. LANCASTER

Diese Spiele sind meine Favoriten des Jahrgangs, denn alle erfüllen zwei für mich wichtige Kriterien: Ein interessanter Spielmechanismus, der auch verschiedene Strategien zum Sieg zulässt, und man baut etwas auf, so dass man von Runde zu Runde mehr Fähigkeiten hat.




MATTHIAS

1. DIE BURGEN VON BURGUND

2. 7 WONDERS

3. LANCASTER

4. FIRST TRAIN TO NÜRNBERG

5. HAGGIS




OLAF

1. LANCASTER

2. LUNA

3. PANTHEON

4. DIE BURGEN VON BURGUND

5. LONDON

6. DAS 20. JAHRHUNDERT

Begründung in allen Fällen: Bauch!




SIGURD

1. PANTHEON

2. FLORENZA

3. LANCASTER

4. 7 WONDERS

5. VINHOS

6. HAGGIS

7. LUNA




THOMAS

1. PANTHEON

2. LANCASTER

3. 7 WONDERS

4. DIE BURGEN VON BURGUND

5. TROYES




UTE

1. DIE BURGEN VON BURGUND

2. ESELSBRÜCKE

3. ULURU