Dienstag, 17. April 2012

Takenoko

Da sind wir uns doch wohl alle einig: Ein Spiel, das ein solch lustiges Thema hat, solch schönes Material, solch niedliche Figuren und eine solch freundliche Grafik: solch ein Spiel muss doch wohl ein Familienspiel sein! Und weil es – wie man immer wieder hört – auch Spielern gut gefällt, muss es ja sogar ein besonders tolles Familienspiel sein!
Also: Juhu? Konfetti-Parade? Hipp Hipp Hurra?
Nö.

Wie geht TAKENOKO? Die Spieler konstruieren gemeinsam einen Bambusgarten und erfüllen währenddessen geheime Aufträge. Beete und Bambus gibt es in drei Farben. Die Pflanzen wachsen, nachdem das Beet an die Wasserversorgung angeschlossen wurde und sobald der Gärtner vorbeischaut. Kommt dagegen der Pandabär, frisst er die Gewächse wieder ab.
Die Aufträge besagen: Beete sollen in bestimmten Farb-Mustern angelegt werden, Bambus soll auf eine bestimmte Höhe heranwachsen oder der Panda soll eine festgelegte Anzahl Halme verspeisen.
Wer am Zug ist, führt zwei beliebige von fünf möglichen Aktionen aus. Der Würfel bestimmt eine dritte Aktion. Aktionen sind: Beet anlegen (drei zufällig gezogene stehen zur Auswahl), Wassergraben nehmen und entweder zwischenlagern oder sofort bauen, Gärtner bewegen, Bär bewegen oder Auftrag ziehen. Die Aufträge zählen je nach Schwierigkeitsgrad zwischen zwei und acht Punkte. Wer (im Spiel zu viert) sieben Aufträge erledigt, bekommt zwei Punkte Bonus und löst das Spielende aus.

Was passiert? Da der Bambusgarten bei Null startet, dauert es ein paar Runden, bis der Gartenbau in Gang kommt. Spielt man mit Destruktiv-Taktikern, kann es fast schon zu lange dauern. Solch böse Menschen schicken am liebsten den Bären zum Fressen los, weil dies die Aktion ist, bei der man anderen am seltensten unerwünschte Hilfestellung leistet.
Fress-Aufträge können nur aus eigener Kraft erledigt werden. Bei allen anderen Aufträgen schwankt der Aufwand enorm. Und er korreliert nicht immer mit dem Punktwert. Dreier- oder Vierer-Aufträge können in machen Situationen fast unmöglich sein, während jemandem ein Siebener-Auftrag vielleicht geradezu in den Schoß fällt.
„... und genau deshalb ist es ja ein Familienspiel!“, könnte man an dieser Stelle einwenden. Allerdings ist meine Vorstellung von einem Familienspiel eine andere. Bei einem Familienspiel sollte nicht nur das Äußere emotionalisieren. Das Spiel selbst sollte erlebnisreich und klar und nicht zu verkopft sein. TAKENOKO spricht aber ziemlich einseitig die Tüftler an. Einer knobelt und die anderen müssen warten. Und so manches Regeldetail ist hakelig: Würfelaktionen und normale Aktionen werden durcheinander gebracht; die exakten Bedingungen für Aufgaben werden außer Acht gelassen. Zudem trägt eine Abstauber-Mentalität oft mehr zum Erfolg bei als konstruktives Spielen. Das ist nicht zwangsläufig anstößig, nur mag ich auf diese Weise lieber unter Spielern spielen und nicht in der Familie.

Was taugt es? Ob TAKENOKO ein Familienspiel ist oder nicht, ist eine eher philosophische Frage und für die Bewertung letztlich irrelevant. Als Fazit bleibt: Bravo für diese Aufmachung! Aus TAKENOKO wurde atmosphärisch alles herausgeholt. Die schon vielfach variierte Spielidee, verschiedene Aktionen kombinieren zu müssen, um auf einem gemeinsamen Spielfeld bestimmte Konstellationen zu erreichen, ist hier besonders ansprechend verpackt... bleibt aber dieselbe vielfach variierte Spielidee. Und sie ist bei TAKENOKO nicht toller oder origineller variiert als anderswo, bloß niedlicher.

TAKENOKO von Antoine Bauza für zwei bis vier Spieler, Bombyx / Edition Matagot.

10 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Das Spiel selbst sollte erlebnisreich und klar und nicht zu verkopft sein"

Das finde ich ist in allen 3 Punkten ein sehr guter Anspruch an ein Familienspiel.
Allerdings frage ich mich vor diesem Hintergrund, wie Quirkle (ein Spiel, das so erlebnisreich ist wie die Hirnstromkurve eines Toten) den Preis des SdJ erringen konnte.

Und auch dieser Satz trifft auf Qwirkle zu: "Zudem trägt eine Abstauber-Mentalität oft mehr zum Erfolg bei...".

Von daher würde mich schon interessieren, wie Dein positives Bild vom in meinen Augen schnarchelangweiligen Klötzchenlegespielt entstehen konnte (das dann ja vermutlich auch nicht unerheblich in die Entscheidung der Jury eingeflossen ist)?

TRH hat gesagt…

Moin,

die Rezension trifft den Nagel auf den Kopf!
Zu der Frage, ob Familienspiel oder nicht kann vielleicht Peter Spiel in seinem nächsten Gastbeitrag Auskunft geben?! ;-)

Gruß Tom

Anonym hat gesagt…

Habe das Spiel auf der Messe noch mit Begeisterung ausprobiert, bei meinem eigenen Exemplar, welches ich nun besitze, stellte sich bereits nach der ersten Runde eine ungeahnte Ernüchterung und Langeweile ein. Nochmal wird es bei uns wohl nicht auf den Tisch kommen, schade eigentlich. Wahrscheinlich war ich auf der Messe von den überdimensionierten Spielplanteilen und Figuren geblendet. Kommt es etwa doch auf die Größe an? Hier anscheinend ja. Ich mag Deine Seite und kann mich Deinem Fazit nur anschliessen. Beste Grüße

Peer hat gesagt…

Bin ja froh, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin http://www.spielbar.com/wordpress/rezensionen/takenoko

Andreas Günter hat gesagt…

Mir scheint die Einschätzung sehr nachvollziehbar. Und noch etwas: Höre ich aus der Formulierung "Die schon vielfach variierte Spielidee, verschiedene Aktionen kombinieren zu müssen, um auf einem gemeinsamen Spielfeld bestimmte Konstellationen zu erreichen,..." etwa eine Kritik an den Millionen von Worker-Placement-Spielen heraus? Doch wer, wenn nicht "Rezensionen für Millionen" könnte sich eine Kritik daran erlauben? Dabei wollen wir Vielspieler doch gar nichts anderes als den X-ten Aufguss des selben Spiels, mal eingekleidet in Afrika-Themen, mal in Mittelalter-Themen, mal in die immer wieder beliebte Abenteuer-Thematik. Mal im Ernst (und jetzt wirklich...): Ich selbst krame inzwischen meine alten Spiele heraus, die vor etlichen Jahren auf der Empfehlungsliste von SdJ standen und spiele sie wieder. Da finden sich allemal mehr originelle Mechanismen. Millionen davon.

Anonym hat gesagt…

Schon die Kartongrafik signalisiert: Nur für Erwachsene mit Kindern. Bei einer Altersempfehlung ab acht Jahre ist es Pflicht für einen Ausgleich der Spielstärke von Erwachsenen und Kindern zu sorgen, den einen stört ein Glücksanteil, den anderen Memoryeffekte. Das kenne ich bei den vergleichbaren Spielen des Jahres überhaupt nicht anders.

Die Spielbretter für den einzelnen Spieler gefallen uns (wie auch bei Siberia) sehr gut, weil man auf einen Blick alle möglichen Aktionen vor sich hat. Das erleichtert sowohl das Erklären des Spiels als auch den Wiedereinstieg. Wie man in der Abbildung oben unter „Was passiert?“ sehr schön erkennen kann, sind die Würfelaktionen eindeutig in einer eigenen Zeile von den übrigen Aktionen getrennt. Und die Anordnung der Zeilen bestimmt die Reihenfolge, und wenn man dann noch den Würfel auf das entsprechende Symbol legt, ...

Die Aufträge sind in drei Stapeln getrennt. Wer mehr als einmal spielt, weiß die Risiken der Gebiets-, Bambus- und Pandaaufträge einzuschätzen. Die Pandaaufträge sind nur auf en ersten Blick die scheinbar beste Wahl.

Ich lasse jetzt mal einen Spruch raus, den Vielspieler oft umgekehrter Form gegen die Lebensabschnittsgefährtenspieler als Killerargument verwenden: Wer Takenoko nur mit Erwachsenen spielt, der sollte es nicht zu viert spielen, da gib es so viele Alternativen. Wie kann man überhaupt auf die völlig abwegige Idee kommen, ein Spiel zu viert zu spielen, dass man schon zu zweit spielen kann?

Anonym hat gesagt…

Na, da haben es die Familienspieler aber gut. Ein Familienspiel sollte erlebnisreich, klar und nicht zu verkopft sein. Und wir Vielspieler müssen uns immer diese erlebnisarmen, unklaren und zu verkopften Dinger reinpfeifen. Echt blöd!

Anonym hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Rezensent für Millionen,

ob Ihnen "Takenoko" gefällt oder nicht ist ja eines. Ihre Rezension hängen sie aber meines Ermessens nach zu sehr am Begriff "Familienspiel" auf (lustig, niedlich, freundlich=Familienspiel; Konfetti, Hipp-Hipp-Hurra, um nicht zu sagen Alete-Hurra, Glück und Emotionalisierung durch das Äußere - all das bringen Sie mit einem Familienspiel in Verbindung), um die Frage, ob "Takenoko" ein solches sei, dann am Schluss als eine philosophische abzutun.

Ich sage Ihnen: So geht das nicht! Entweder Sie leisten einen konstruktiven Beitrag zum Diskurs über das Familienspiel, oder Sie bewerten einfach das Spiel. Dass Sie die Kriterien einer ordnungsgemäßen Rezension gern mal nicht einhalten, wurde ja an anderer Stelle schon einmal amtlich festgestellt (Ich sage nur: Bruder Rosenberg!).

Bitte halten Sie sich also in Zukunft an die gängigen Normen. Vielen Dank!

Mit freundlichen und zuvorkommenden Grüßen

Der Kontrollator

Aktenvermerk 87-4322.gg.547-21/2012
Z.d.A.

Andreas und Björn Kalies hat gesagt…

Wo kämen wir denn da hin, wenn auf Herr Bartsch auf einmal einen "Konstruktiven Beitrag" oder sogar eine "einfache Bewertung" eines Spieles von sich geben würde. Das hat er noch nie gemacht und ich rechne auch nicht noch damit.

Ich möchte nicht noch einmal das psychologische Gutachten hervorkramen müssen, dass unter UBartsch/Rf-MuB-007/Ag-RwDZ abgelegt wurde....

Anonym hat gesagt…

Hast du es denn einmal in einer Familie gespielt? Tatsächlich spielte dort die zweifellos vorhandene Atmosphäre eine Rolle. Aber auch Familienspieler wollen nicht nur Konfetti-Regen und Hipp-Hipp-Hurra. Auch die Kleinen suchen dabei nach Wegen, ihre verdeckten Aufträge zu erfüllen und den anderen in die Suppe zu spucken. Dies würde ich jedoch nicht gleich als destruktiv bezeichnen (das passiert vielleicht, wenn Vielspieler dies spielen). Da wird vielleicht auch mal abgestaubt, eine Abstauber-Mentalität sehe ich dabei aber nicht (dies passiert vielleicht, wenn Vielspieler dies spielen). Insgesamt scheint mir hier zu sehr ein Vielspieler auf dieses schöne Spiel geblickt zu haben. Für diese Zielgruppe ist es vielleicht wirklich nichts. Dennoch empfinde ich dieses Spiel keinesfalls als konstruiert, hakelig oder unklar. Und die Verwechslung der Aktionen habe ich mit ein wenig Übung auch nicht erlebt, vor allem nicht bei den mitspielenden Kindern (vielleicht passiert das, wenn Vielspieler dies spielen).

Grüße
Ein Gernspieler

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