Donnerstag, 3. Mai 2012

K2

Wenn ich höre, dass jemand sein Hobby zu einem Spiel verarbeitet hat, halte ich im Regelfall viel Sicherheitsabstand. Oft entstehen in völliger Unkenntnis des Marktes die schrecklichsten Dinge, begleitet durch die höchsten Erwartungen des stolzen Autors.
K2 ist eine tolle Ausnahme.

Wie geht K2? Wir besteigen den zweithöchsten Berg der Welt. Jeder Spieler führt zwei Figuren. Je näher sie dem Gipfel kommen, desto mehr Punkte zählte das. Allerdings nur wenn sie bei Spielende noch leben. Und das ist nicht garantiert. Der K2 ist kein Touristenhügel.
Für jeden Bergsteiger wird die Fitness auf einer Skala festgehalten und darf nicht auf Null sinken. Auf einigen Feldern (weiter unten am Berg) steigt die Fitness einer Figur, weiter oben verursachen die Felder Abzüge. Zusätzliche Schwierigkeiten bereitet das Wetter. Für mehrere Runden im Voraus steht fest, in welchen Regionen es außergewöhnlich kalt wird. Dort sind die Abzüge dann noch höher, und manchmal erschwert das Wetter auch die Fortbewegung.
Gesteuert werden die Bergsteiger mit Karten. Sie zeigen entweder Bewegungs- oder Fitnesspunkte. Die Spieler besitzen identische Kartensätze. Jeder hat sechs seiner Karten auf der Hand, wählt davon geheim drei und legt drei für den nächsten Zug beiseite. Reihum machen die Spieler anschließend ihre Züge und ordnen dabei jeder Karte eine Figur zu. Zu den beiseite gelegten drei Karten gibt es wieder drei dazu, drei wählt man aus, drei legt man beiseite, und dieser Ablauf dann insgesamt 18 Mal.

Was passiert? In der ersten Partie ist man ziemlich überrascht, wie schnell am Berg gestorben wird. Obwohl viele Fakten offen liegen, gibt es drei wesentliche Unsicherheitsfaktoren: 1. Wer die Karten mit der höchsten Zahlensumme gewählt hat, muss einen Risikomarker nehmen, was zur Folge hat, dass er bis zu zwei Punkte von seinen Karten wieder abziehen muss. Wen es trifft, erfährt man erst beim Aufdecken der Karten. 2. Auf dem Gipfel überlebt man nicht lange, also muss man auch wieder zurück. Ob das nun wie erhofft gelingt, hängt von den nachgezogenen Karten ab. Und von den Mitspielern. Denn: 3. Je höher man kommt, desto weniger Figuren passen auf ein Feld. Mancher erfriert auf dem Gipfel, weil der Abstieg zufällig oder absichtlich blockiert ist.
Wer immer nur auf Sicherheit spielt, wird selten gewinnen. Das Dumme ist: Risiko kann ganz schnell das Leben kosten.

Was taugt es? Die Bergsteiger-Atmosphäre, die Grafiken und vor allem die einfachen Mittel, mit denen reale Begebenheiten stimmig simuliert werden, imponieren mir an diesem Spiel sehr. Allerdings finde ich das Laufspiel an sich nicht überdurchschnittlich. Drei Mal spielt jeder seinen Kartensatz durch. Der erste Durchlauf ist ein gemächlicher Aufgalopp; im zweiten und noch mehr im dritten Durchlauf sind die Gegebenheiten oft so zugespitzt, dass die Kartenhand den nächsten Zug diktiert.
Wer eine gelungene Themeneinbindung für noch wichtiger als den Mechanismus hält, mag zu einem besseren Gesamturteil gelangen. K2 bildet die Langsamkeit und die Gefährlichkeit eines solchen Unternehmens ab. Und am Gipfel anzukommen, bedeutet hier noch lange nicht das Happy-End.

K2 von Adam Kaluza für einen bis fünf Spieler, Rebel / Heidelberger Spieleverlag.

4 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Der zweithöchste Berg? Pfff. ;)

JonTheDon hat gesagt…

Ein ähnlich tolles (meiner Meinung nach) Zusammenspiel zwischen Mechanik und Thema gibt es bei Kaluzas 2. (?) Spiel Draco. Auch wieder einfache Mechanik, aber interessante Kniffe.
Gefällt mir sehr gut.

Andreas hat gesagt…

Eines meiner "Lieblinge" der letzten Jahre. Ich schätze besonders den Spannungsbogen, der langsam mit jedem Höhenmeter zunimmt und mit dem Abstieg nach dem evtl. Gipfelsturm seinen Höhepunkt erreicht! Für mich "außergewöhnlich"!

Christoph hat gesagt…

Hallo!

K2 gefällt mir auch sehr gut, darüber (bzw. über dessen Autor) bin ich dann auch auf das von JonTheDon beschriebene Drako aufmerksam geworden.

Leider ist das bisher nur auf englisch/polnisch erhältlich. Ich finde es ist an der Zeit, dass auch die deutschsprachigen Spieler, die kein Englisch können bzw. Spieleläden die nur deutsche Titel ins Regal stellen dieses Spiel entdecken.

Ich habe deshalb eine deutsche Spielregel für Drako angefertigt.
http://boardgamegeek.com/filepage/80152/drako-official-germa...
Vielleicht habt ihr Lust mal drüberzulesen und evtl. Verbesserungsvorschläge als Kommentar auf der "filepage" zu hinterlassen, dann könnte man evtl. Vorschläge noch einarbeiten, bevor das gedruckt wird.

Ich bin gespannt, was Herr Kaluza als nächstes präsentiert...

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