Montag, 30. Juli 2012

Frigiti

Das Aufblühen meiner Spielleidenschaft haben intellektuelle Freunde nicht nur mit TRIVIAL PURSUIT zu torpedieren versucht. Ein weiteres Instrument der Abschreckung nannte sich „Lexikonspiel“. Wohl jeder kennt es: Man nimmt ein Fremdwörterlexikon, einer wählt einen der Begriffe aus und die anderen verfassen eine Phantasie-Definition. Punkte gibt es, wenn man die richtige Bedeutung errät oder andere mit seiner erfundenen auf die falsche Fährte führt.
Ich habe das Lexikonspiel gehasst. Die wirklich unbekannten Begriffe aus dem Buch konnten alles und nichts bedeuten. Nach meinem Empfinden lag man mit etwas Medizinischem oder etwas Biologischem fast immer gut. Und das war langweilig. Und noch langweiliger war der Zwang, in seiner Definitionen einen lexikalischen Wert vorzutäuschen. Gepflegter Unfug steht in solchen Büchern nun mal nicht drin. Alles, was lustig sein könnte, schied aus.

100 Jahre später: Plötzlich kommt FRIGITI daher und macht aus dem Lexikonspiel ein Spiel.

Wie geht FRIGITI? Erster Unterschied zum Lexikonspiel: Das zu definierende Wort gibt es gar nicht. Ein Spieler rollt zehn Buchstabenwürfel und bastelt mit den erzielten Buchstaben einen Phantasiebegriff nach eigenem Geschmack: Plonkatz. Pagtrieb. Furxon. Lugotirp. Bruzzigras. Hanifi. Freikohl. Sadilist. Govkial. Und so weiter. Dazu schreibt jetzt jeder eine Definition. Die Zettel werden gemischt, reihum liest jeder einen vor, anschließend vergibt jeder Punkt-Chips für die drei seiner Meinung nach besten Texte.
Zweiter Unterschied zum Lexikonspiel: Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Begriff und Definition müssen nicht lexikonwürdig sein. Das eröffnet kreative Spielräume. Der Schreiber kann versuchen, seine Mitspieler durch eine überraschende Assoziation oder eine witzige Bedeutung für seine Schöpfung einzunehmen.

Was passiert? Es stellt sich ziemlich schnell heraus, dass manche das besser und manche das weniger gut können... Aber ist es in Taktikspielen nicht genauso (wenn auch mit vertauchten Rollen vielleicht)? Allerdings hängt bei FRIGITI auch der Spielspaß mit dem Können der Runde zusammen. Je größer die Gruppenbegabung, desto besser FRIGITI. Manche Runden sind ziemlich unlustig. In anderen sind die Unsinnsdefinitionen so gut, dass ich sie ohne weiteres als absolut lexikonwürdig einstufen würde. Jedenfalls lexikonwürdiger als die dreiundneunzigste unbekannte Krankheit oder Pflanzenart.

Was taugt es? Buchstabenwürfel dienen in Wortspielen üblicherweise dazu, um existierende Wörter zu bilden. Die Idee, dieses Prinzip auf den Kopf zu stellen, ist hervorragend. Dennoch ist FRIGITI für meinen Geschmack nicht ganz oben mit dabei, wenn es darum geht, die besten Party-Spiele der jüngsten Zeit zu bestimmen. Wenn ich mir überlege, was ich noch lieber spielen würde, fallen mir spontan Spiele ein, die rasanter verlaufen. FRIGITI hat seine behäbigen Phasen, wenn manche Spieler beim Schreiben nicht in die Pötte kommen, dann die Definitionen reihum vorgelesen werden und jeder sich ein Stichwort notiert und anschließend noch mal alles aufgerollt wird, um jetzt noch die Chips zu verteilen.
Trotzdem spiele ich bei FRIGITI gerne mit. „Solide“ begreife ich (und das habe ich hier schon mal definiert) nicht als schlechte Note.

FRIGITI von Andrea Meyer für vier bis sechs Spieler, Bewitched-Spiele.

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