Sonntag, 11. November 2012

Die Legenden von Andor

Wie wahrscheinlich viele schon gehört oder gelesen haben, hatte Kosmos sich im vergangenen Sommer für DIE LEGENDEN VON ANDOR eine ganz besondere Werbe-Aktion ausgedacht und rund 70 Journalisten und Blogger in ein Alternate Reality Game einbezogen. Juhu!
Leider ist bei der Organisation ein schrecklicher, unerklärlicher Fehler passiert: Ein großes, einzigartiges, unübertroffenes Spielerportal für Millionen befand sich nicht unter den Auserwählten! Kurz quälte mich daraufhin die absurde Vorstellung, mein Blog gehöre vielleicht doch nicht zur Internet-Elite. Aber nach eins, zwei schlaflosen Nächten kam ich schließlich drauf: REZENSIONEN FÜR MILLIONEN wurde natürlich deshalb nicht angefragt, weil sich die untadelige Seriosität dieser Seite in der Branche herumgesprochen hat. REZENSIONEN FÜR MILLIONEN steht für knallharten Journalismus – und auf Promo-Schnickschnack und Werbegeschenke sollen gefälligst andere hereinfallen!

Ach, übrigens: Ich besitze ich das Spezial-Super-Sonder-Heldentableau Orfen. Das hat bestimmt nicht jeder.


Wie geht DIE LEGENDEN VON ANDOR? Tja, ohne Orfen eigentlich gar nicht. Ätsch!
Aber versuchen wir’s trotzdem mal: Jeder Spieler ist ein Held mit speziellen Eigenschaften. Gemeinsam kämpfen wir gegen das Heer der Bösen. Jedes Ungeheuer rückt jeden Tag mindestens ein Feld in Richtung Burg vor. Besetzte Felder werden übersprungen, so können ganze Kettenzüge entstehen. Je nach Spielerzahl darf nur eine unterschiedliche Maximalmenge Monster die Burg erreichen, sonst ist das Abenteuer verloren. Im Spiel zu viert beträgt diese Obergrenze eins (in Zahlen: 1).
Jeden Tag haben die Helden sieben Spielstunden lang Zeit, etwas gegen den Monstertanz zu unternehmen. Am Brunnen stärkt man sich, beim Händler kauft man hilfreiche Gegenstände ein. Nebelfelder werden erkundet und Kreaturen angegriffen. Den Kampf entscheiden Würfel. Die Helder dürfen im Team kämpfen, und nicht selten empfiehlt sich das auch, denn einen Troll beispielsweise haut man nicht mal so eben um.
Die Gesamtdauer des Spiels ist durch einen „Erzählerstein“ begrenzt. Der rückt nicht nur mit jedem neuen Tag auf seiner Skala vorwärts, sondern eigenwilligerweise auch mit jedem getöteten Ungeheuer. Wahllos alle Gegner abzuschlachten, wäre somit keine gute Strategie. Die Gruppe muss ermitteln, welches die gefährlichsten Feinde sind, und sich auf diese konzentrieren. DIE LEGENDEN VON ANDOR erfordert Berechnung, Timing und Absprachen.

Was passiert? Nach dem Aufbau kann es schnell losgehen dank eines Konzeptes, das an Computerspiele erinnert. Neue Regeln führt das Spiel immer erst dann ein, sobald sie erforderlich sind. Und woher weiß das Spiel das? Durch den Erzählerstein. Erreicht der eine bestimmte Position, erhalten die Spieler neue Informationen.
Nicht nur Regeln, vor allem Inhaltliches. Plötzlich stellt sich heraus, dass sogar noch viel mehr zu tun ist, als nur die Burg zu verteidigen: Eine Botschaft soll überbracht, ein Heilkraut gefunden, ein Oberschurke auf seinem Turm erschlagen werden.
DIE LEGENDEN VON ANDOR enthält fünf verschiedene (und teilweise auch noch in sich variable) Szenarien. Mehr als in vergleichbaren Spielen fühlt man sich wie ein Handelnder in einem echten Abenteuer. Denn im Gegensatz zu sonst besitzt man weder die Komplettinformation aus einer Spielregel, noch werden Gegebenheiten nur irgendwie zufällig durch Ereigniskarten ins Geschehen geworfen. Spielt man Szenarien häufiger, fällt der Überraschungseffekt zwar weg. Herausfordernd bleiben die Aufgaben trotzdem; zumindest die ab Szenario drei.

Was taugt es? Die Spielregel eignet sich gut, um schnell loszulegen, und sie eignet sich deutlich weniger gut, um Dinge nachzuschlagen. Das Spiel selbst ist thematisch und mechanisch nicht unbedingt innovativ, besitzt aber ein echtes Alleinstellungsmerkmal, und das ist seine herausragende Verknüpfung von Grafik, Mechanik und Story. Beginnend beim Spielplan, auf dem Distanzen wirklich Distanzen sind und eine lange Reise bedeuten, über die Helden, deren Fitness und Bewaffnung auf einfachste Weise ihre Kampfkraft beeinflusst, bis hin zu Gegenständen, deren Anwendung sich logisch und optisch erschließt, ist hier alles so konkret wie im Brettspiel nur möglich. Es ist erfrischend, im Einerlei der Mechanikspiele mal eins zu erleben, das deutlich von seiner Geschichte herkommt.

DIE LEGENDEN VON ANDOR von Michael Menzel für zwei bis vier Spieler, Kosmos.

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