Samstag, 3. November 2012

Targi

In einer schon länger zurückliegenden Diskussion in meinem Lieblingsforum schrieb Peter0406, dass Udo Bartsch zwar ein netter Typ sei, aber wenn er ihn träfe, fragte er ihn, warum „er das Superspiel TARGI in der spielbox als einziger recht mäßig bewertet hat.“ Mikos setzte noch einen drauf: „So unterhaltsam seine Rezensionen meist sind, so seltsam und kaum nachvollziehbar oft auch die Noten.“ Und fohlenwolle findet es schlimm genug, dass Udo Bartsch überhaupt in der spielbox schreiben darf. Da will er ihn nicht auch noch an anderer Stelle lesen.
Der folgende Text unternimmt den Versuch, Peter0406 zu beschreiben, warum ich nicht gänzlich hin und weg bin von TARGI. Viele Fans des Spiels – möglicherweise auch Mikos – werden das nicht nachvollziehen können, und fohlenwolle wird es gar nicht erst lesen. Macht aber nichts. Ich will niemandem seinen Spaß an TARGI verderben, und ich selber mag das Spiel ja durchaus auch. Ich bin nur nicht so dermaßen von den Socken wie anscheinend der Rest der Welt.

Wie geht TARGI? Wir sammeln Salz, Pfeffer, Datteln und Gold, um damit Stammeskarten zu kaufen. Die zählen Punkte und bringen teilweise weitere Vorteile. Gelingt es, vier Karten mit gleichen oder vier Karten mit unterschiedlichen Symbolen in der eigenen Auslage nebeneinander zu positionieren, zählt das Extrapunkte.
Materialien und Karten erhalten die Spieler über das Einsetzen von je drei Arbeitern. Die Arbeiter werden auf dem Rand des fünf mal fünf Karten großen Spielfeldes gestellt. Ihre Kreuzungspunkte (siehe zylinderförmige Spielsteine auf dem Foto) definieren zwei weitere Karten im Innenbereich. Nach dem Einsetzen wertet jeder Spieler seine fünf Figuren aus und erhält die abgebildeten Waren bzw. darf eine besetzte Stammeskarte zum angegebenen Preis kaufen.
Die neun Karten aus dem Innenbereich des Feldes werden nach jeder Nutzung ausgetauscht. Der Spielplan variiert also ständig.

Was passiert? Viele Karten kosten neben Waren auch Gold, und Gold ist knapp. Also entsteht ein Run auf Gold. Beliebt sind ansonsten Warenkarten, die zwei Rohstoffe statt einem schenken, und die Karte „Karawane“, die eine zufällige Warenausschüttung bringt – was ja wiederum Gold sein könnte oder zwei Rohstoffe.
Der Startspieler einer Runde ist klar in der Offensive. Der Nachziehende spielt auf Schadensbegrenzung oder lässt ihn machen. In der Folgerunde wechseln die Rollen. Wer als Startspieler die bessere Auslage vorfindet, hat einen gewissen Vorteil.
Zu taktieren gibt es einiges. Zum Beispiel bei der Prioritätensetzung: Was brauche ich unbedingt? Was wird mein Mitspieler haben wollen? Muss ich auf ein mittelmäßiges Randfeld gehen, weil ich mir einen bestimmten Kreuzungspunkt sichern will, oder ist der angepeilte Kreuzungspunkt gar nicht in Gefahr? Auch das Spieltempo hat man in der Hand: Will ich eine mächtige Kartenkombination aufbauen oder lieber mit Billigeinkäufen das Ende forcieren?

Was taugt es? TARGI ist eine runde Sache, und der Mechanismus, über drei gesetzte Arbeiter die Positionen von zwei weiteren zu definieren, ist klasse. Außerordentlichen Wiederholungsreiz erlebe ich dennoch nicht.
Ich mag einerseits nicht das Gefühl, als Nachziehender dem Startspieler immer hinterherlaufen zu müssen. Sofern die Karte „Fata Morgana“ nicht vom Räuber besetzt ist, kriegt der Startspieler unabänderlich eine Karte seiner Wahl aus dem Innenbereich.
Zweitens finde ich die Prioritäten in vielen Fällen klar, und das lässt die Arbeiter-Einsetzphase für mich auf Dauer etwas schematisch werden. Was das Verhältnis von Kosten, Punktwert und Sondereigenschaften angeht, scheinen mir die Stammeskarten sehr ausgewogen, sodass der wichtigste Kaufgrund die passenden Symbole sind. Zweifellos gibt es Karteneigenschaften, die im früheren Spiel wertvoller sind als im späteren Spiel. Mit passendem Symbol aber ist eine Karte immer wertvoll.

TARGI von Andreas Steiger für zwei Spieler, Kosmos.

6 Kommentare:

ode. hat gesagt…

Ich kann durchaus nachvollziehen, was du meinst, wenn du dieses "nachlaufen" beschreibst. Ich habe auch schon oft das Gefühl gehabt, dass die Aktionsfelder am Rand eigentich zu wenig sind und es sich oft bestimmte Sachen ergeben.

Trotzdem kann ich die Fata Morgana-Kritik nicht ganz stehen lassen, denn der Startspieler gibt einen sinnvollen Platz außen für die Sicherheit eine super Karte innen zu bekommen ja auf. Und, wenn man wirklich so gut bewerten kann, was der andere möchte, kann ich dem Startspieler dann immer noch ein Schnippchen schlagen, indem ich die Karte, die er so dingend braucht, einfach vorher mit meinem Arbeiter besetze. Da nützt ihm auch die Fata Morgana nix mehr.

Sollte der Startspieler sich hingegen nicht sofort für die Fata Morgana entscheiden (im Grunde kostet ihn die Flexibilität innen ja eine Aktion außen), dann kann der andere Spieler diese nutzen und seinerseits flexibel sein, was das nachhecheln wieder durchbrechen würde.

Insofern scheint mir die Kritik daran nur eine gefühlte zu sein (was ok ist), oder einfach nur schlecht gespielt (was ich dem millionenschweren Rezensenten natürlich nicht vorwerfen will! ;-) )

Neben dieser Meinung möchte ich noch ein Lob anbringen, wie toll ich es finde, dass du mit so wenigen Sätzen ganz einfach erklärst, warum das Spiel aus deiner Sicht nicht der Überflieger ist, für den viele es halten. Feine Schreibe!

ode.

Udo Bartsch hat gesagt…

Wenn ich als Startspieler eine bestimmte Karte aus dem Innenbereich haben möchte, würde ich nicht gleich auf die Fata Morgana gehen, sondern erst mal eine der beiden nötigen Linien sichern. Für den Fall, dass mein Mitspieler die andere Linie blockiert, bleibt mir als Versicherung die Fata Morgana.

Anonym hat gesagt…

Auch ich mag Targi und seine Mechanismen sehr, habe auch schon einige Spiele auf dem Buckel und muss sagen, dass sich der "Schematismus", den Herr Bartsch beschreibt, sehr wohl mit der Zeit einschleicht. Denn es ist für den Startspieler wirklich möglich, sich eine Karte in der Mitte durch die Fata Morgana Aktion zu sichern (verbunden mit einem kleinen Tempoverlust). Insofern landen bei meinen Spielen die ersten 2-3 Arbeiter in der Regel auf den immer gleichen Feldern (neben der Fata Morgana sind Karawane und Stammeserweiterung sehr beliebt). Dazu ist meist der optimale Zug sofort ersichtlich. Dadurch läuft das Spiel aber schön flott und die Situationen, wo eine Entscheidung schwerer fällt (wenn man bspw. die Strategie des Gegners noch nicht durchschaut hat) sind dann die Knackpunkte einer Partie.

Zur Balance der Stammeskarten: Es gibt eine, die bei Erwerb dem Gegner für die nächste Runde einen Arbeiter klaut. Gerade gegen Ende einer Partie kann das schon sehr spielentscheidend sein. Wir überlegen, den Text dieser Karte zu ignorieren.

Martin hat gesagt…

Ein Faktor für die Beliebtheit von Targi ist vermutlich auch einfach die Freude der Spieler, dass es ENDLICH nochmal ein Spiel in der Zwei-Spieler-Reihe von Kosmos gibt, das tatsächlich etwas taugt und nicht nur eine abgespeckte Version eines "größeren Spieles" ist. Da sah es in den letzten fünf Jahren ja äußerst mau aus...

JonTheDon hat gesagt…

Bin ja sehr froh, dass es außer mir noch jemanden anderen gibt, den Targi nicht vom Hocker haut.

Wenn du jetzt auch noch Dominion nicht so aufregend fändest, könnten wir glatt von gemeinsamem Spielegeschmack sprechen ;-)

Anonym hat gesagt…

Ist Peter0406 etwa deeer Peter Spiel? Und wann hören wir etwas Neues von ihm? Oder hat er noch Schwierigkeiten bei der Rückfahrt aus Essen mit dem gemieteten Anhänger??

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