Donnerstag, 13. Dezember 2012

Milestones

Diesmal ist es der Winter, der mir einen Strich durch meine Millionenrechnung macht. Statt ein paar schöne Stunden auf meiner gut geheizten Website zu verbringen, begeben sich treulose Leser ohne Rücksprache auf Weihnachtsmärkte oder stecken in Schneewehen fest.
Das Drama spitzt sich weiter zu durch die Tatsache, dass die vorwitzige Kollegin Kestering bereits alles zu MILESTONES gesagt hat, was zu sagen wäre. Ich kann nur hoffen, dass meine Leser das nicht gesehen oder schon wieder vergessen haben und auf keinen Fall diesem verbotenen Link folgen.

Wie geht MILESTONES? Teil B des Spiels ist recht herkömmlich: Wir sammeln Rohstoffe und bauen damit Straßen, Marktplätze und Häuser auf dem gemeinsamen Spielplan. Dafür gibt es Punkte in Abhängigkeit des Bauplatzes und der Nachbarbebauung. Man darf nur da weiterbauen, wo andere Spieler aufgehört haben; deshalb geht es nicht nur um das Ausknobeln der optimalen Punkteausbeute, sondern auch um das Abwägen möglicher Vorlagen für die Konkurrenz.
Wie aber bekommen wir die Materialien? Da sind wir nun bei Teil A, dem Besonderen von MILESTONES. Jeder Spieler besitzt ein kleines Privatrondell mit teils vorgegebenen, teils variablen Feldern. In den variablen Bereich darf man einmal pro Umlauf und gegen Geld ein neues Wegstück mit zwei zusammenhängenden Rohstoff-Feldern einbauen. Das ist auch angeraten, weil man in jedem Umlauf ein Feld verliert. Im Rondell darf beliebig überbaut oder teilüberbaut werden. Ein optimales Rondell ist so konzipiert, dass gleiche Rohstoff-Felder aufeinander folgen und die Feldnummern eine aufstehende Reihenfolge ergeben.
Wer am Zug ist, lässt seine Rondellfigur zwei beliebig weite Hüpfer machen. So bekommt man Baumaterial oder löst Aktionen aus wie Bauen oder Kauf eines neuen Rondell-Plättchens.

Was passiert? Da immer nur drei Güter mit in den nächsten Rondell-Umlauf genommen werden dürfen, hat MILESTONES einen klaren Rhythmus aus Anhäufung und Bauzwang. Bauen ist allerdings das, was hier nicht so viel Spaß macht und den Spielfluss bremst. Die Rohstoffkombinationen sind abstrakt und der Spielplan ist ebenfalls abstrakt. Es gibt keine inhaltlich-thematischen Ziele, auf die man hinarbeitet. Es ist Optimierung pur.
Und da bin ich ganz froh, dass ich kein Redakteur bin und dieses Dilemma lösen müsste. Denn in der Theorie scheint alles richtig: Damit das Kernelement – das Rondell – zur Geltung kommt, sollte der Rest simpel und unauffällig bleiben. Und das ist ja der Fall. Nur fühlt es sich in der Praxis trotzdem nicht richtig an.
Ich glaube, das Problem steckt in einem Widerspruch der beiden Elemente. Auf dem Spielplan trifft man taktische Sofort-Entscheidungen: Was kann ich jetzt in diesem Moment mit meinem Material machen? Sein Rondell hingegen formt man langfristig. Es ändert sich zu behäbig, um es kurzfristig einer bestimmten Situation auf dem Plan anpassen zu können. Einträglicher ist es, das Rondell a) generell auf Massenproduktion und b) mit Blick auf die sehr wichtige Schlusswertung zu konstruieren: Die nämlich belohnt Mehrheiten in jeder Sorte der Rohstoffquellen. Chips, die man durch geschicktes Bauen auf dem Plan einsammelt und auf seinen Rondell-Feldern platziert, bringen dabei einen Bonus. Da diese Chips beim Überbauen verloren wären, reserviert der professionelle Rondellbauer bereits lange vor Spielende die passenden Felder.

Was taugt es? Die Idee, ein Rondell variabel zu gestalten, ist neuartig. Das Herumpuzzeln mit den Wegteilen macht Spaß. Als interessant habe ich es auch erlebt, wie unterschiedlich die Partien ablaufen können: Je nachdem, welche Rohstoffe die Spieler bevorzugen und wie friedlich oder destruktiv gebaut wird, läuft MILESTONES nicht immer gleich.
Doch Rondellbastelei hier und Bautätigkeit da existieren eher nebeneinander her, als dass sie elegant ineinander greifen. Hier ist für mich ein Bruch, und MILESTONES holt aus seiner reizvollen Grundidee nicht das Optimum heraus.

MILESTONES von Stefan Dorra und Ralf zur Linde für zwei bis vier Spieler, eggertspiele.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich liebe ja deine Rezensionen, aber bei Milestone kann ich deine Kritik überhaupt nicht verstehen. Die Art und Weise, wie bei Milestones Rohstoffe erworben werden, finde ich ziemlich genial. Und wie diese in Siegpunkte umgesetzt werden, gefällt mir auch ziemlich gut. Da gibt es spannende Wettläufe um Bigpoints; insbesondere bei der Belieferung der Märkte.
Chris

ravn hat gesagt…

Mir fehlte bei Milestones der Spannungsbogen. Es funktioniert zwar alles, ist aber leider arg gleichförmig in den Zügen. Zumal bis zum Spielende auch nichts Neues passiert.

Ausserdem konnte das Spiel in meinen erlebten Partien auch kaum Tempo aufnehmen, weil einzelne Züge entweder nur Sekunden dauern, wenn man im oberen Rondell-Abschnitt produziert oder zu Grübelorgien werden, wenn man was im unteren Rondell-Abschnitt eintauscht, um dies oder das zu bauen.

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