Donnerstag, 7. Februar 2013

Rondo

Unter allen Kommentaren, die ich bislang zu RONDO vernommen habe, lautete der mit großem Abstand häufigste: „Rentnerspiel!“ Mit meinen zirka 32 Jahren denke ich eigentlich noch nicht ans Altenteil, trotzdem scheine ich auf magische Weise zur Zielgruppe zu gehören, denn zu einer Partie RONDO sage ich nicht nein.

Wie geht RONDO? Der Spielplan zeigt eine Art Rad mit Feldern drin und erinnert an meinen alten Erzfeind TRIVIAL PURSUIT. Die Felder sind farbig und tragen Zahlen von 1 bis 5. Hier sollen gleichfarbige Chips abgelegt werden und zählen dann entsprechend Punkte. Immer muss an bereits vorhandene Chips angebaut werden. Ich darf mehrere Felder in Reihe belegen, und ich darf sogar mehrere Chips auf dasselbe Feld legen. Zur Überbrückung von Feldern lassen sich falsche Farben benutzen, dann allerdings für null Punkte.

Was passiert? Wer Chips legt, zieht anschließend einen nach. Wer passt, zieht zwei nach. Mehr als fünf Chips besitzt man nie. Eine beliebte Strategie besteht deshalb darin, erst mal geduldig das Ablagebänkchen vollzusammeln und anschließend alles rauszuhauen.
Das ist am ökonomischsten und so kommt man auch eher an die wertvollen Felder heran. Denn selten wird ein Mitspieler ein benachbartes 5-Punkte-Feld als Vorlage offen lassen. Komme ich an die Reihe, sind die attraktiven Ziele meist drei Schritte entfernt und ich muss schauen, wie ich mir mit meinen Farben am besten einen Weg dorthin bahne.
Natürlich gehört Glück dazu. Wer stets eine bunte Mischung besitzt, wird leider nie das erhabene Gefühl kennen lernen, gleich zwei oder sogar drei Chips auf einer 5 stapeln zu können. Inklusive weitem Satz auf der Siegpunkt-Skala.
Gewisse Zweifel bestehen an der Ausgewogenheit der Positionen. Ich jedenfalls sitze bei RONDO lieber hinten, weil ich dann das Spielende besser kontrollieren kann. Als Startspieler bleibt man manchmal auf seinen Chips hocken.

Was taugt es? Manches verläuft schematisch, manches ist auch vorgegeben, weil man ganz simpel seine Zugmöglichkeiten auszählen kann, und bei der Wahl zwischen 13 und 14 Punkten wohl tendenziell die 14 bevorzugt. Im Rahmen eines 20-Minuten-Spieles finde ich das aber angemessen. Außerdem gibt es durchaus Spannungsmomente: Was ziehe ich nach? Verbaut mir jemand meinen schönen Plan? Und muss ich, bevor ein anderer den Reibach macht, irgendwo dazwischengrätschen, obwohl ich eigentlich lieber passen und zwei Chips nachziehen würde?
Sehr gelungen sind die schönen, dicken Kunststoff-Chips. Um das Material perfekt zu machen, hätte ich mir noch einen optischen Hinweis gewünscht, welcher Spieler welche Farbe (weiß, grau, schwarz, braun) hat. Beim Vorrücken auf der Zählleiste ist das Nachfragen echt lästig.
In Summe passen Aufwand und Ertrag bei RONDO gut zusammen. RONDO ist ein einfaches, unkompliziertes, angenehmes Ablegespiel für Menschen ab 32 und gaukelt auch nichts anderes vor. Für mich ist das stimmig.

RONDO von Reiner Knizia für zwei bis vier Spieler, Schmidt.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Echt jetzt? Ich hab dem Spiel zwei Chancen gegegeben und zweimal wollte es niemand fertig spielen. und da waren nicht nur Vielspieler dabei....

Alexandra hat gesagt…

Früher spielte ich 1830 und Civilization. Jetzt finde ich Rondo sehr ok, spiele wirklich gerne Qwixx und finde Hanabi einfach großartig. Ich ahne es, Herr Bartsch, wir sind gleich alt :-D

Axel Bungart hat gesagt…

Ich habe es einige Male gespielt und mir hat es jedes Mal gefallen. Weil das Material nicht nur gut sondern auch schön ist, weil es schnell ist und als Absacker nach einem Trajan (o. ä.) immer mal passt. Ist wie auslaufen nach dem Sport.

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