Samstag, 20. April 2013

Brügge

Feld. – Menzel. – Hans im Glück.
Holla, diese Mitwirkenden lassen wohl eine Jubelrezension erwarten!

Feld. – Menzel. – Hans im Glück. – Bartsch.
Hm. Oder doch nicht?

Wie geht BRÜGGE? Stefan Feld bleibt sich thematisch treu. Wir befinden uns in x und wollen dort viele Punkte sammeln. Wäre jetzt nur noch zu klären, wofür diesmal das x steht. Es steht für Brügge. Logo.
Zu Beginn erhält jeder Spieler fünf Karten. Er zieht sie nach Belieben von zwei verdeckten Stapeln. Die Farbe der Karte ist auf ihrer Rückseite ersichtlich.
Abwechselnd kommen die Spieler nun vier Mal an die Reihe und spielen jeweils eine ihrer Karten aus: um entweder zwei gleichfarbige Gefolgsleute oder Geld zu erhalten, um einen gleichfarbigen Bedrohungsmarker loszuwerden oder um einen gleichfarbigen Kanalabschnitt zu bauen. Alternativ und fünftens lässt sich die Karte auch als Haus nutzen (Baukosten: ein gleichfarbiger Gefolgsmann). Oder sechstens kann die auf der Karte abgebildete Person in ein leeres Haus einziehen. Das kostet Geld, und dem Spieler steht nun die Sofort-, Dauer- oder Spielende-Funktion laut Kartentext zur Verfügung.
Anschließend werden wieder Karten nachgezogen und immer so weiter. Ist ein Stapel leer, läuft der letzte Durchgang. Zwischen Nehmen und Ausspielen der Karten wird allerdings noch mit fünf farbigen Würfeln gewürfelt. Das hat mehrere Effekte: Beispielsweise bestimmen die Augen, wie viel Geld man im laufenden Durchgang für eine Karte der entsprechenden Farbe bekommen kann. Obendrein bescheren jene Würfel, die eine Fünf oder Sechs zeigen, allen Spielern einen Bedrohungsmarker in der Würfelfarbe. Der Empfang des dritten gleichen Bedrohungsmarkers lässt die betroffenen Spieler bluten: Beispielsweise verlieren sie nun all ihr Geld oder all ihre Gefolgsleute.

Was passiert? BRÜGGE ist ein garstiges Spiel. Einerseits weil böse Dinge passieren können, andererseits weil man einen Großteil vieler guter Optionen ungenutzt lassen muss. Um sämtliche Karten als Personen auszuspielen, fehlen Häuser und Geld. Also muss man sich von attraktiven Karten trennen, um profane Dinge damit zu machen, die man auch mit weniger attraktiven Karten hätte machen können.
Das tut weh. Noch mehr aber schmerzt es, wenn einem jemand in die Planung pfuscht. Man hat sich überlegt, welche seiner Karten man wie nutzen muss, um mit Ach und Krach wenigstens eine Person auf den Tisch zu bekommen. Und plötzlich spielt einer den „Dieb“, der allen anderen Spielern drei Gulden wegnimmt. Und nichts klappt mehr.
Auch die Bedrohungsmarker machen BRÜGGE zu einem heißen Pflaster. Natürlich kann man versuchen, sie rechtzeitig loszuwerden, oder alternativ einfach nicht viel von dem zu besitzen, was man im Schadensfall abgeben müsste. Wer immer vorsichtig spielt, verliert aber Tempo. Und in Sicherheit ist man trotzdem fast nie. Zwei ungünstige Würfelwürfe in Folge genügen, um einen harmlosen Marker zur Katastrophe anwachsen zu lassen. Und wenn’s noch nicht reicht, können einem die Mitspieler mit aggressiven Charakteren weitere Marker reindrücken.
Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Die meisten Personen wirken sich überhaupt nicht auf die Mitspieler aus, und im Wesentlichen optimiert man für sich. Und im Wesentlichen ärgert man sich auch für sich. Man braucht unbedingt eine blaue Karte (weil man sonst beim Kanal nicht weiterkommt oder um zwei blaue Gefolgsleute zu holen, die das Zahlungsmittel sind, um den dringend ersehnten Effekt einer ausgelegten Person zu aktivieren), aber man kriegt ums Verrecken keine blaue Karte... und in der nächsten Nachziehphase kriegt man wieder keine... und in der übernächsten Nachziehphase auch nicht. Arrrrgh! BRÜGGE überschreitet bisweilen den Grat zwischen Herausforderung und Frust.

Was taugt es? In der als angenehm kurz empfundenen Spielzeit von einer Stunde oder etwas länger bietet BRÜGGE viel Raum zum Taktieren: Spiele ich riskant oder weniger riskant? Schaffe ich es, den Kanal schneller zu vollenden als meine Mitspieler? Soll ich eine Person auslegen, die mir mit ihrem Sofort-Effekt aus der Patsche hilft, aber fortan nutzlos ein Haus blockiert?
Der größte Reiz geht von den Charakteren und ihren Wechselwirkungen aus. Man freut sich, wenn man zum perfekten Zeitpunkt eine fulminant starke Karte spielen kann. Und so manche nette Kombination entdeckt man erst nach mehreren Partien: Der „Apotheker“ schont die Nerven, weil fortan erst vier Bedrohungsmarker den Schadensfall auslösen. Richtig nett wird es dann mit dem „Heerführer“, der bei Spielende für die nun hoffentlich reichlich vorhandenen Marker je einen Punkt vergibt.
Die 165 verschiedenen (!) Personen sorgen dafür, dass man selbst nach einer blöd verlaufenen Partie noch neugierig auf die nächste ist. Es könnte ja doch mal irgendwas klappen und etwas ganz Tolles entstehen. Für meinen Geschmack ist der Anteil des Gespielt-Werdens und des Schicksalhaften aber etwas zu hoch, weshalb ich mich in BRÜGGE nie restlos wohl fühle und meine Punkte lieber in einem anderen x sammle.

BRÜGGE von Stefan Feld für zwei bis vier Spieler, Hans im Glück.

3 Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Toll ist definitiv, dass jede Personenkarte einzigartig ist. Ich bin aber trotzdem kein Fan von Menzel. Irgendwie sind seine Grafiken nicht meins.
Über Brügge selbst habe ich viel Gutes gehört. Kann es mehr als Bora Bora?

RALF hat gesagt…

Gute Rezi. Danke. Haben Spiel jetzt etliche Male durch und fanden das Kartenmanagent nicht gut. Sind hingegangen und spielen mit einem Kartenstapel ( Menge nach Spielern) und nur 3 Handkarten. Der Druck durch die Bedrohungen wird groesser. Das Spiel aber schneller. Dank eines zweiten Spieles im Spielerkreis haben wir den Kartenstapel etwas verändert. Wir haben alle Karten, die sich auf ein Nachziehen von Karten beziehen rausgenommen, dafür vom 2. Spiel alle Unterweltkarten rein( sind jetzt doppelt vorhanden). Das gibt mehr Interaktionsmöglichkeiten. Sind wir ehrlich..wir wollen den Mitspielern doch auch mal einen "reinwürgen" :-)
Unsere Erfahrung : Schnelleres Spiel, Mehr Druck und, klar, weniger Punkte am Ende.

pascha64 hat gesagt…

jede Karte kann auf 7 verschiedene Arten eingesetzt werden geniales Spiel!

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