Dienstag, 11. Juni 2013

Vor 20 Jahren (6): Spiel des Jahres

1993 wurde BLUFF Spiel des Jahres. Völlig überraschend. Denn ich in meinem kleinen Kämmerlein hatte mir etwas anderes ausgemalt. Eines Tages (es muss kurz nach dem in der vorigen Folge erwähnten TUTANCHAMUN-Endlosschleifen-Abend mit Karen und Guido gewesen sein) nahm ich die Auswahlliste scharf ins Visier und kam auf den einzig logischen Gewinner.
Stolz über meine Erkenntnisse spazierte ich in den Spieleladen Am Schwarzen Bären und fragte erleuchtet in die versammelte Runde: „Hey, wie schätzt ihr eigentlich die Chancen ein, dass TUTANCHAMUN Spiel des Jahres wird?“ – „Höhö“, tönte es mir hämisch entgegen: „Gleich null!“ Denn was ich nicht wusste: Just an diesem Tag war der Siegertitel bekannt gegeben worden.

Vor zwanzig Jahren gab es noch keine Nominierten. Theoretisch war also jedes Spiel der Auswahlliste im Rennen. Und 1993 waren auserwählt: BLUFF, MODERN ART, PUSHER, QUARTO!, RHEINGOLD, SPIEL DER TÜRME, TUTANCHAMUN, ZATRE. Aus eigener Anschauung kannte ich davon exakt die Hälfte (BLUFF übrigens nicht). Über den Rest hatte ich in Spielezeitschriften gelesen. Um mitzureden war das vollkommen ausreichend. Denn wären die mir unbekannten Spiele tatsächlich gut, würde ich sie ja kennen! Quod erat demonstrandum.

Seit 1990 hatte ich angefangen, mir über ein mögliches Spiel des Jahres Gedanken zu machen. Das Interesse begann in dem Moment, als ich zumindest einige der zur Wahl stehenden Spiele schon vorher kannte. Ganz automatisch passiert dann dies: Man hat seinen Liebling und drückt ihm die Daumen.
Bei mir war das 1990 ganz klar ADEL VERPFLICHTET. Das liebte ich heiß und innig. Und es gewann. 1991 war es DRUNTER & DRÜBER. Und es gewann auch. 1992 hatte ich ausnahmsweise keine Vorliebe. Die Jury hatte meinerseits also einen Freifahrtschein und hätte daraufhin im Gegenzug 1993 doch gerne mal wieder meine Wünsche berücksichtigen dürfen. – Aber Pustekuchen!

Das dachten wohl auch andere. In dieser Zeit ging es los mit den Verschwörungstheorien, Reiner Knizia würde niemals das Spiel des Jahres gewinnen. Viele in der Fachpresse hatten MODERN ART als ihren Favoriten auserkoren. Und wenn der eigene Favorit nicht gewinnt, liegt der Verdacht einer Verschwörung generell nahe.
Wenn ich mir heute MODERN ART als Spiel des Jahres ausmale, glaube ich allerdings nicht, dass es ein idealer Preisträger gewesen wäre. Selbst in meinen Kennerrunden blieb so manchem verschlossen, wie man die Versteigerungen zum eigenen Nutzen gestaltet und nicht nur andere Spieler reich macht. Doch dazu ein anderes Mal. Denn wie schon vormals erwähnt, muss ich mir meinen kargen Stoff klug einteilen.


Teil 5: Tutanchamun
Teil 7: Bluff

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ach ja, der Spieleladen am Schwarzen Bär... das waren noch Zeiten als man da noch jedes Spiel probespielen konnte um nicht die Katze im Sack zu kaufen. Damals gab es noch keine Internetseiten wo man sich vorab informieren konnte.Schade das es den Laden nicht mehr gibt.

Anonym hat gesagt…

Interessant.
Falls noch Platz ist, bring doch mal Bluff und Tutanchamun mit. Dann können wir beim Spieleabend ganz objektiv bewerten ob die Jury sich damals wirklich geirrt hat.
Jonas

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