Samstag, 10. August 2013

Auf Teufel komm raus

Dass der Teufel den Schnaps gemacht hat, wissen wir, seit Enthüllungsbarde Udo Jürgens den Fall musikalisch ans Tageslicht brachte. Dass der Teufel selber trinkt, wäre dagegen neu. Doch die Indizienlage spricht eine klare Sprache: Mit seiner Körperhaltung, der Physiognomie, dem Gesichtsausdruck und nicht zuletzt seiner Bekleidung wirkt der Coverteufel von AUF TEUFEL KOMM RAUS wie ein Spiegelbild derjenigen Bewohner meines Stadtteils, die schon am frühen Vormittag im Radius der Trinkhallen herumlungern. Nur Hörner und Gebissreihen markieren noch einen Unterschied.

Wie geht AUF TEUFEL KOMM RAUS? AUF TEUFEL KOMM RAUS ist ein Zockerspiel auf zwei Ebenen: Reihum deckt jeder Spieler solange Kohlestücke auf, bis er freiwillig stoppt oder bis ein Teufelssymbol erscheint und den Zug unfreiwillig und als Misserfolg beendet. Ziel dieses klassischen Can’t stop-Spielchens ist es, a) möglichst viele und b) möglichst wertvolle Kohlen aufzudecken. Beides bringt als Belohnung Wettchips im Wert von je 50.
Noch mehr Profit verspricht jedoch die zweite Spielebene: Vor dem Aufdeckreigen geben alle Spieler Wetten ab, welchen Kohlenwert der beste Spieler aufdeckt, ohne dass der Teufel ihm auf die Finger klopft. Wer zu hoch pokert, verliert seinen Einsatz. Alle anderen bekommen ihn verdoppelt. Und wer die höchste Wette abgegeben hat, kassiert im Erfolgsfall sogar das Dreifache. Wer die meisten, aber mindestens 1600 Chippunkte besitzt, gewinnt das Spiel.

Was passiert? Die Wetten sorgen für ein etwas anderes Spielgefühl als bei Can’t stop-Spielen üblich. Lautet meine Wette 150 und die eines anderen Spielers 230, höre ich mit dem Aufdecken natürlich auf, sobald die 150 erreicht sind. Soll sich der andere für seine 230 doch selber abrackern!
Was in der Theorie einleuchtet, kann in der Praxis an der fiesen Wertestückelung der Kohlen scheitern. Sie gehen von 10 bis 100. Weil auch 25er und 75er dabei sind, wäre denkbar, dass ich bereits 145 aufdeckt habe, noch eine Kohle nehme, die 100 erwische und meinen Mitspieler laut jubeln lasse. Oder dass ich 145 habe, einen Teufel aufdecke und nun zittern muss, dass jemand anderes meine 150er-Wette ins Trockene bringt.
Je nach Spieleranzahl, Sitzposition und Menge der noch im Spielplanfeuer vorhandenen Kohlen geht man bei seinen Wetten höheres oder geringeres Risiko. Wer bankrott geht (was gar nicht so selten passiert), kann dank einer gelungenen Sozialregel wieder auf die Beine kommen.

Was taugt es? AUF TEUFEL KOMM RAUS ist ein gut funktionierendes Zockerspiel, das genügend Abwechslung gegenüber anderen Spielen dieser Art bietet. Der Ablauf stockt lediglich durch die Pflicht, jede Runde seine Chips zählen und ihren Wert auf der Punkteskala markieren zu müssen.
Probleme kann auch das (eigentlich) absolut hochwertig gewählte Material hervorrufen. Einige markante Holzmaserungen machen manche Kohlen unterscheidbar, und wenn dies einen der 100er betrifft, leidet das Spiel. In meinem Exemplar sind auf der Rückseite eines Teufels getrocknete Farbreste zu sehen, wodurch dieser Spielstein komplett unbrauchbar ist.
Das Aufdecken der Kohlen verläuft jedes Mal spannend. Ich habe keine einzige emotionslose Partie erlebt. Die Spieler gehen mit. Und die Hoffnung auf eine Verdreifachung des Einsatzes treibt die Wetten immer höher. Spätestens bei Partie Nummer zehn, eher aber sogar schon vorher, gerät AUF TEUFEL KOMM RAUS allerdings doch zur Routine. Man kennt die Beträge, die üblicherweise aus dem Feuer geholt werden. Man zockt weniger aus dem Bauch heraus, sondern kalkuliert mit Erfahrungswerten und erlebt nicht mehr ganz denselben Reiz wie noch am Anfang.

AUF TEUFEL KOMM RAUS von Tanja Engel und Sara Engel für zwei bis sechs Spieler, Zoch.

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