Montag, 21. Oktober 2013

Nauticus

„Messetitel vorab rezensiert“ war in diesem Monat mein Lieblings-Thread* im spielbox-Forum. Da habe ich gelernt, wie man sein Blog aus dem Schattendasein mal so richtig ins Gespräch bringt.
Zur Nachahmung besitze ich allerdings nicht das nötige Selbstbewusstsein und hoffe jetzt inständig, dass es keine Verwechslungen gibt. Ein Blog im Schattendasein besitze ich nämlich auch, und mit NAUTICUS habe ich leichtsinnigerweise sogar einen Messetitel vorab rezensiert...

Wie geht NAUTICUS? Wir bauen Schiffe. Je größer das Schiff (Optimum: Viermaster), desto mehr Punkte zählt es am Schluss. Weitere Schlusspunkte zählen transportierte Waren. Wer anstrebt, Waren in nennenswertem Umfang zu verschiffen, sollte möglichst früh seine ersten Schiffe vollendet haben, denn halbfertige Schiffe transportieren überraschenderweise nichts. Wesentlicher Punktelieferant schon während der Partie sind Kronen-Symbole. Dazu weiter unten mehr.
In jedem der fünf Durchgänge (zu zweit nur vier) stehen acht Aktionen zur Auswahl. Ähnlich PUERTO RICO wird reihum eine Aktion ausgelöst. Alle führen die Aktion aus; der Initiator erhält einen Bonus. Nach sieben Aktionen verfällt die achte und ein neuer Durchgang beginnt. Die Aktionsscheiben werden neu gelost, so dass die Aktionen nun an andere Boni gekoppelt sind.
Aktionen sind zum Beispiel: Rumpfteile kaufen, Segel kaufen, Waren kaufen, Waren löschen etc. Sämtlich kosten sie Arbeiter. Darüber hinaus kosten einige der Aktionen Geld. Perfiderweise wird es umso teurer, je mehr gleiche Teile man gleichzeitig erwirbt. Und weil ein Schiff stets Masten und Segel derselben Sorte benötigt, ist der Bau eines Viermasters somit eine langfristige und teure Angelegenheit.
Neuartig ist die Idee, dass Spieler am Ende eines Durchgangs Minuspunkte erhalten, sofern sie nicht bei mindestens drei der Aktionen gepasst haben. Passen ist eigentlich unschön, weil man ja etwas verpasst. Andererseits fehlen einem ohnehin manchmal Geld und Arbeiter, um die Aktionen zu bezahlen. Und das Passen schaltet Kronen-Symbole frei. Und die wiederum lassen sich bei einer der acht Aktionen werten.

Was passiert? Je nach Auslage der Aktionsscheiben sind den Aktionen nicht nur unterschiedliche Boni, sondern auch unterschiedliche Warenpreise und unterschiedliche Frei-Arbeiter zugeordnet. Diese Informationen gilt es bei der Aktionsauswahl zu analysieren. Auch wenn ich eigentlich Masten brauche, kann es manchmal besser sein, das weniger dringende Warenlöschen zu initiieren, weil dort der Bonus attraktiver ist... natürlich in der Hoffnung, dass der nachfolgende Spieler dann die Masten wählt. Wählt er Segel und habe ich noch keine Masten, um die Segel daran zu befestigen, muss ich entweder passen oder die Segel ins Lager verfrachten, was ein aufwändiger Umweg ist.
Lagerlogistik ist in NAUTICUS sehr wichtig. Ohnehin verlangt das Spiel Planung und Optimierung: Geld und Arbeiter sind knapp, tolle Schnäppchen verführen trotzdem zum Kauf. Und spätestens sobald man merkt, dass einer der Mitspieler auf Kronenwertungen abzielt, sollte man sich selber auch um Kronen bemühen, um nicht komplett leer auszugehen.
Timing ist wichtig, Tempo ist wichtig: Jedes fertig gestellte Schiff bringt sofort eine Belohnung mit Schubwirkung. Manchmal ergeben sich Kettenreaktionen, und ein zweites Schiff wird mit dem Belohnungsmaterial auch gleich noch fertig. Und nur über die Belohnungen erhält man die wertvollen Masten und Segel mit Kronensymbolen, die erstens wie Joker fungieren und zweitens bei den Kronenwertungen mitpunkten.

Was taugt es? Bei NAUTICUS kommt keine Langeweile auf, zumindest in den ersten vier Durchgängen nicht. Man rechnet, tüftelt, muss Entscheidungen treffen und hofft, dass der Mitspieler diese, aber nicht jene Aktion auswählt. In Durchgang fünf habe ich nun allerdings schon mehrfach erlebt, dass jemand seine wesentlichen Projekte beendet hatte und sich für ihn nichts anderes mehr lohnte, als den Rest des Spiels nur noch auf Kronenwertungen hin zu optimieren. Die Kronenstrategie kann ohnehin sehr stark sein, wohingegen ich bislang noch keinen Sieg über eine Warenstrategie erlebt habe.
In Sachen Spielbarkeit offenbart die Grafik von NAUTICUS einige Macken. Die Aktionstafeln „Mastkauf“ und „Segelkauf“ werden oft verwechselt, ebenso „Warenkauf“ und „Warenlöschen“. Auch die Symbolik des Doppelzugplättchens stiftet Verwirrung.
Ich fühle mich von NAUTICUS positiv herausgefordert und würde auch nach inzwischen zehn Partien weiter mitspielen. Über mehrere Partien hinweg zeigt sich eine deutliche Lernkurve, die Punktestände steigen. Allerdings besitzt das Spiel wenig Flair und wenig Spielerisches, und die enthaltenen Neuerungen sind rein intellektueller Natur. NAUTICUS sortiert sich letztendlich im Kanon des Bekannten ein.

NAUTICUS von Wolfgang Kramer und Michael Kiesling für zwei bis vier Spieler, Kosmos.

*Huhnis Lieblings-Thread war natürlich „Huhni kommt :-)“ im Spielertreffen-Forum.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe bisher 2 Partien gespielt und gleich in der 2. hat ein Mitspieler mit der Warentaktik gewonnen, wir anderen hatten uns zu sehr auf die Schiffe konzentriert.
Was ich aber noch bemängeln muss ist, dass es nur in den Regeln steht, dass wenn man sich ein und dasselbe Plättchen zwei mal kauft das zweite 4 kostet.
Und wo ich wiedersprechen muss ist die Werwechslungsgefahr von "Warenverkauf" und "Warenlöschen". Alle Plättchen bei denen man etwas kaufen kann haben einen blauen Hintergrund, die anderen einen braunen.

Gruß

Carsten

Martin Klein hat gesagt…

Die Sache mit dem Spannungsbogen habe ich genauso erlebt, habe mich jedoch dabei immer gefragt, ob das nicht daran liegen könnte, das man sich einfach zu wenig getraut hat...

Hinsichtlich der grafischen Macken kann ich auch nur vollumfänglich zustimmen. Am bescheurtsten finde ich, dass die Aktion für Mastbau ein Krähennest zeigt (so nennt man das doch, oder?), sich dieses aber auf den Mastplättchen nicht findet, da dort von den Wappen verdeckt...

Ansonsten aber ein nettes Spiel, mir hat's gefallen

Besten Gruß,
Martin von www.spielerleben.de (der hiermit natürlich nur versucht, sein Blog durch permanente Verlinkung in anderen Blogs aus dem Schatten ebendieser hervorzuheben)...

Andreas hat gesagt…

Wenn Du magst und Dir das nötige Selbstvertrauen fehlt, Udo, dann kann ich für Deinen Blog bei der Spielbox werben.
Ich setze dann noch flott meinen in die Signatur und wir haben eine win-win-Situation. Deal?

Nauticus sieht übrigens mal so garnicht nach einem Spiel für mich aus. Die ganzen unverschämten Vorabrezis bestätigen dies natürlich auch.

Pascal hat gesagt…

Mei, sowas gibt es wirklich? Werbung, die gar keine sein will, aber als solche funktioniert?
Vllt. auch aehnlich wie mit dieser Rezension, die eine Eigenständige sein will, aber anfänglich in erster Linie quasi die Anleitung kopiert.

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