Donnerstag, 12. Dezember 2013

Vor 20 Jahren (12): Das Schwarze Auge

Junge Menschen sind oft orientierungslos und müssen ihren Platz in der Welt erst noch finden. So ist zu erklären, dass mir der Berufswunsch „Brettspiele-Nerd“ in Jugendtagen nicht mit der nötigen Klarheit vor Augen stand und ich mich auch mit vollkommen abseitigen Dingen beschäftigte. Beispielsweise mit Rollenspiel. Wie ich noch zu Schulzeiten angefixt wurde, schilderte ich bereits im 19. Teil von „Als ich noch kein Spieler war“. Hier nun die Fortsetzung.

Die letzte meiner Rollspielrunden hatte bis in Studienzeiten hinein überlebt, allerdings wohnten wir jetzt über ganz Deutschland verstreut, kamen nur an Feiertagen zum Spielen zusammen und konnten demnach nur sehr unregelmäßig in Aventurien nach dem Rechten sehen. Es bedarf keiner großen Phantasie, um sich auszumalen, wie sehr Orks und andere üble Schergen diese Situation für sich ausnutzten.

Obwohl ich aus älteren Tagen noch einen Krieger-Charakter hatte, der gerne mal so richtig aufgeräumt hätte, musste ich normalerweise den Spielleiter mimen, weil die anderen keine Lust auf eine nähere Beschäftigung mit den Regelfeinheiten hatten. Auf Beschäftigung mit den Hintergründen übrigens auch nicht. Die Gruppe spielte nach dem Motto „Was nicht verboten ist, ist erlaubt“. Hauptsache würfeln, labern, Spaß haben. Der Meister hatte den Stress, die verrückte Bande wieder einzufangen und das Gesamtgeschehen in Bahnen zu lenken, die noch halbwegs etwas mit dem SCHWARZEN AUGE zu tun hatten.

Aber einmal bot sich einer an, mich abzulösen. Er hatte ein eigenes Abenteuer geschrieben, und das sollten wir an zwei Tagen zwischen Weihnachten und Silvester durchspielen. Wir bekamen darin den Auftrag, einen auf rätselhafte Weise verschwundenen bärtigen Alten zu suchen. – Hah, kein Problem! In bewährter Manier wurde jeder Stein umgedreht, jede Wand abgeklopft, jeder harmlose Passant als Zeuge vernommen. Wirklich ergiebig war das nicht. Nach stundenlangen Ermittlungen hatten wir gerade mal herausbekommen, dass der Vermisste allerorts für seine Freundlichkeit und Geschenke bekannt war. In seiner Hütte fanden wir mehrere rote Mäntel und Zipfelmützen. Sonst nichts. Und völlig irritierend war: Noch nicht ein einziges Monster zum Verprügeln war aufgetaucht!

Am zweiten Spieltag fanden wir den rotgerobten Alten dann doch irgendwie, insbesondere weil uns der Meister zunehmend direkter zum Ziel schubste. Das Abenteuer war vorbei, aber wir waren immer noch komplett ahnungslos. Unser erschöpfter Spielleiter eröffnete uns, dass die Entführung des Weihnachtsmannes (Ach so! Es ging um die Entführung des Weihnachtsmannes!!!) noch gar nicht das echte Abenteuer sein sollte. Es sei nur als Ouvertüre gedacht gewesen, als kleiner Gag vorab. Nur habe die Gruppe, statt einfach den Spuren zu folgen, ständig neue Nebenschauplätze eröffnet. Und er, der Meister, habe während des Spiels immer mehr Details improvisieren müssen, in die wir uns wiederum total verbissen hätten. Und dann sei das irgendwie aus dem Ruder gelaufen.

Zu dem eigentlichen Abenteuer kamen wir dann nicht mehr. Und wir haben es übrigens bis heute nicht gespielt. Denn was wir damals nicht wussten: Dies war unser letztes DSA-Treffen.
Aber gut, eins kann uns keiner mehr nehmen, und alle, die in diesem Jahr Weihnachten feiern, sollten es wissen: Dass der Weihnachtsmann überhaupt kommt, hat die Welt einzig und allein einem Nivesen, einem Thorwaler, einem Zwerg sowie einer Kriegerin und einem Krieger zu verdanken. Uns!

Teil 11: Lieber bairisch sterben
Teil 13: Can´t Stop

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ach, was fühle ich mich an meine Rollenspielzeit erinnert! Auch ich habe mich dem Spielleiterdasein zugewandt und mich gerne auf die Rollenspielabende vorbereitet. Aber immer war es so, dass die Heldengruppe nur ein Bruchteil dessen geschafft hatte, was ich eigentlich vorgesehen hatte. Am Ende des Abends wurde dann obligatorisch gefragt, ob man denn gut in der Zeit sei und das geschafft hätte, was ich vorgesehen hatte...
... was für eine lächerliche Frage. :o)

Oliver

Andreas hat gesagt…

Hört, hört! :)

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