Mittwoch, 26. Februar 2014

Lemminge

Glaubt man der Spielverderber-Seite Wikipedia, stimmt das mit den Lemming-Selbstmorden gar nicht. Das will aber niemand wissen, weil es den Tierchen sämtlichen Unterhaltungswert raubt.
Die Vergnügungsindustrie kann lebenslustige Lemminge nicht gebrauchen und setzt weiter auf den suizidalen Typ. Weil Lemminge es mit dem Tod ja so eilig haben, passen sie nach Ansicht der Amigo-Redaktion ganz prima zu einem lustigen Laufspiel. Die Klippe ist das Ziel. Na ja.
Glaubt man der Spielverderber-Seite REZENSIONEN FÜR MILLIONEN, trägt das Lemming-Thema in LEMMINGE nur mäßig, weil das Spiel zwar sehr viel mit Laufen, aber überhaupt nichts mit Runterspringen zu tun hat. Aber auch das will niemand wissen.

Wie geht LEMMINGE? Wer als Erster seine beiden Lemming-Spielfiguren ins Ziel bringt, gewinnt. Der Parcours ist an seiner kürzesten Stelle 24 Felder lang (inklusive Ziel) und führt dabei über verschiedene Geländetypen. Läuft man ausschließlich über neutralen Untergrund, hat man 46 Felder zu bewältigen.
Vorwärts geht es mit Zahlenkarten in fünf Farben und mit Werten von null bis vier. Jede Farbe steht für einen Geländetyp. Spiele ich eine Karte, darf meine Figur auf dem entsprechenden Gelände und auf neutralem Boden laufen.
Alle ausgespielten Karten einer Sorte werden in einer Reihe angeordnet. Ist meine Karte nicht höher als die zuletzt gespielte dieser Farbe (beispielsweise liegen 3, 2, 2, 1, und ich spiele eine 0), addiere ich zur Ermittlung meiner Zugweite sämtliche Werte (also: 8). Ist meine Karte höher (beispielsweise eine 3), wird die bestehende Farbreihe abgeräumt, und meine Karte bildet den neuen Anfang. Jetzt rücke ich nur so viele Felder vor, wie meine Karte zeigt. Allerdings erhalte ich ein Geländeplättchen derselben Sorte, das ich beliebig auf dem Parcours platziere, um das dort befindliche Gelände oder neutrale Felder zu überbauen.

Was passiert? LEMMINGE wird leicht unterschätzt. Wie man es hinkriegt, viele Schritte zu gehen, versteht noch jeder. Was man allerdings Sinnvolles mit den Geländeplättchen anfangen kann (Gegner blockieren, sich selber einen Weg oder eine Abkürzung bauen), erschließt sich selbst manch geübtem Spieler nicht auf Anhieb und komplett. Mehrfach habe ich erlebt, wie jemand klagte, überhaupt nicht ziehen zu können, was sich bei einem beratenden Blick ins Blatt jedoch als unwahr erwies, weil irgendeine Möglichkeit des Plättcheneinsatzes übersehen wurde.
Langsamen Lemmingen ist der Weg oft durch andere Tiere versperrt. Deshalb existiert die Möglichkeit, andere Lemminge wegzuschieben. Die genaue Abwicklung ist offenbar nicht genügend intuitiv; hier passieren die meisten Spielfehler. Unabhängig davon sind Rückstände in LEMMINGE ohnehin ein Problem. Aufholen fällt schwer, da die nachfolgenden Figuren ja auch über jene Hindernisse hinweg müssen, die man den Führenden in den Weg geworfen hat. Gegen Ende des Spiels kommen zum Ausgleich zwar vermehrt Plättchen aufs Brett, die neutralen Untergrund zeigen. Nach meiner Erfahrung geschieht dies aber oft zu spät und bewirkt nichts Nennenswertes mehr.

Was taugt es? Der Reiz von LEMMINGE besteht darin, dass es neben Glück beim Kartenziehen und dem bloßen Auszählen der maximal möglichen Zuglänge eben auch spielerische Entscheidungen enthält: Wann und wo platziere ich lieber ein Plättchen statt möglichst weit zu laufen? Wo muss ich agieren, wo bleibe ich absichtlich im Weg stehen? Wann ist der beste Zeitpunkt, um Karten nachzuziehen?
Das grafisch nicht sonderlich ansprechende Spiel enthält mehr taktische Elemente, als man vermuten könnte. Wegen des hohen Ärgerfaktors spielt es sich eher spaßig als grüblerisch. Zu zweit ist auf dem Spielplan wenig los. Ab drei Spielern entfaltet sich ein flotter Wettlauf, bei dem sich Vielspieler nicht langweilen und Wenigspieler schon ziemlich zu knabbern haben.

LEMMINGE von Sebastian Bleasdale für zwei bis fünf Spieler, Amigo.

3 Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Hallo Udo!
Danke für diese Rezension! Ich weiß nun wie der Lemming läuft und wie (er) es bei dir ankommt. Ich selber habe einen Faible für "ausgefallene" Rennspiele. Sowohl thematisch ausgefallen, als auch mechanisch. Mich begeistert Lewis & Clark. Salmon Run finde ich...naja, mal anders! ;) Snowtails und Mush! Mush! machen einfach Spaß und Legend und Rallyman finde ich großartig! Denkst du, die Lemminge passen da irgendwie rein?!
Lg,
Andreas

Udo Bartsch hat gesagt…

Sehr schwer zu sagen. Auch wenn Wenigspieler an Lemminge zu knabbern haben: Das Spiel befindet sich in einer ganz, ganz, ganz anderen Komplexitäts-Liga als etwa Lewis & Clark. Lemminge ist ein Familienspiel mit einem gewissen Pfiff. Im Genre der Rennspiele sehe ich es aber nicht als herausragend an.

Andreas hat gesagt…

Ok, danke für die Rückmeldung! Ich lass es wohl (....erst einmal) stehen! :)

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