Mittwoch, 23. April 2014

Norderwind

Mit NORDERWIND legt Klaus Teuber eine Neubearbeitung seines tollen Zwei-Personen-Spiels STERNENSCHIFF CATAN vor. Ich will nun nicht schon wieder den Fehler machen, mein Fazit bereits in der Einleitung vorwegzunehmen. Aber sagen wir mal so: Wenn das eigene Lieblingsbuch verfilmt wird, kommt auch nicht immer das dabei heraus, was man sich erhofft hat...

Wie geht NORDERWIND? Neu und sehr reizvoll in STERNENSCHIFF CATAN war der Mechanismus, in einen Kartenstapel „hineinzufliegen“. Später gab es das so ähnlich auch bei GALAXY TRUCKER, und genau dasselbe geschieht nun wieder bei NORDERWIND (mit dem kleinen thematischen Unterschied, dass man natürlich „hineinsegelt“).
Jeder der drei Stapel enthält einen der Zielhäfen Norderkap, Trutzhavn und Olesand sowie sieben weitere zu Beginn der Partie zufällig hinzugefügte Plättchen. Die Bestückung der Stapel ändert sich nicht. Nach jedem Hineinsegeln wird allerdings gemischt, so dass die Reihenfolge stets wechselt.
“Hineinsegeln“ bedeutet: Von dem bei Zugbeginn gewählten Stapel decke ich nacheinander so viele Kärtchen auf, bis die Reichweite meines Schiffes ausgereizt ist (anfangs vier, später maximal sechs Kärtchen). Der Zug endet vorzeitig, wenn ich unterwegs meine zweite Aktion ausführe oder wenn mich Piraten besiegen.
Mein Ziel ist es, vorgegebene Kombinationen von Gütern in den Zielhäfen abzuliefern. Das zählt jeweils einen Siegpunkt. Wer (bei vier Spielern) zuerst acht Punkte hat, gewinnt. Güter sammle ich, indem ich sie unterwegs in Handelshäfen einkaufe. Und um zwischenzeitlich meine Möglichkeiten zu erweitern, rüste ich (in Ausrüstungshäfen) mein Schiff mit Segeln, Kanonen oder Matrosen aus. Ich brauche also Geld, und um Geld einzunehmen, muss ich Waren wieder verkaufen oder Schiffswracks aufspüren und Aktionen aufwenden, um sie zu durchsuchen.

Was passiert? Die spannendste Phase des Spiels ist der Auftakt. Die Bestückung der drei Stapel ist noch unbekannt und wird nach und nach erforscht: Wo kann man Waren billig kaufen, wo mit Gewinn verscherbeln, wo lauern Piraten? Sind diese Informationen klar, besteht der Rest des Spiels aus Abarbeitung.
Viel zu überlegen gibt es nicht: Es ist sinnvoll, das Schiff zu verbessern. Es ist sinnvoll, Waren billig einzukaufen. Es ist sinnvoll, die gewünschten Kombinationen zu sammeln und abzuliefern. Also macht man. Ob es klappt, hängt vielfach vom Zufall ab. Läuft es schlecht, unterliegt man im Würfelduell gegen schwächere Piraten. Oder die Plättchen kommen in der falschen Reihenfolge. Oder der Zielhafen will auch in mehreren Versuchen nicht auftauchen. – Besonders dieser Fall ist frustrierend. Das Schiff ist voller Ware. Man kann nichts mehr billig hinzukaufen, weil man schon alles hat. Man will auch nicht teuer verkaufen, weil es um Siegpunkte geht und nicht um Geld. Aber man erreicht das blöde Ziel nicht, trotz maximaler Reichweite.
Was ebenfalls stört: In NORDERWIND spielt jeder für sich. Sicherlich kommt es vor, dass man mir Lieferaufträge wegschnappt und ich umdisponieren muss. Ebenso verdienen sich Spieler unterwegs „Handelsbriefe“, um damit einmalig die Aktion eines anderen Spielers zu kopieren. Aber das ändert nichts am solitären Spielgefühl. Brav hintereinander segelt jeder in seinen Stapel hinein und erledigt, was es zu erledigen gibt.

Was taugt es? Bei der Ausstattung hat sich der Verlag viel Mühe gegeben: Um die Waren zu lagern und erworbene Fähigkeiten anzuzeigen, besitzt jeder Spieler ein kleines Schiffsmodell aus Pappe. Das lockt ins Spiel hinein, doch die Abläufe können das Versprechen von Entdeckung und Abenteuer nicht einhalten. NORDERWIND plätschert gleichförmig dahin, es gibt wenig zu entscheiden und wenige spannende Situationen; von Partie zu Partie entwickelt sich nichts Neues. Und selbst wenn NORDERWIND in flotten Runden nur eine Stunde dauert, fühlt es sich aufgrund seiner Kleinschrittigkeit dennoch langatmig an.

NORDERWIND von Klaus Teuber für zwei bis vier Spieler, Kosmos.

3 Kommentare:

Andreas und Björn Kalies hat gesagt…

Ein gutes hat Norderwind: Man holt mal wieder das viel zu lange im Regal verstaubte Sternenschiff Catan wieder heraus!!!

ravn hat gesagt…

Das Urteil "misslungen" klingt drastisch, aber leider so habe ich das Spiel in 4er-Runde ebenfalls erlebt. Von der Ausstattung weckt es Spass aufs Spiel, aber leider bleibt nach einigen Erkundungsrunden arg wenig Spiel übrig. Wer sich die Plättchenverteilung einmal gemerkt hat (was ich eher als Denkarbeit empfand), kann relativ zielgerichtet spielen und dann hängt es vom Zufall ab, ob man Gold verdienen und Siegpunkte einstreichen kann. Der Begriff "abarbeiten" trifft es da schon gut. Schade eigentlich!

Anonym hat gesagt…

Als ich das neue Teuber-Spiel sah, dachte ich: Hey, endlich mal ein Teuber in dem er nicht sich selbst kopiert oder das in Catan spielt!
Aber weit gefehlt: Er hat die guten Dinge vom Sternenschiff Catan, immer noch mein Lieblings2erSpiel, im wahrsten Sinne verwässert und dafür die Spieleranzahl erhöht, wodurch sich das Spiel tatsächlich zieht.
Nachdem der anfängliche Basteltrieb befriedigt ist, bietet das Spiel nicks Neues mehr.
Mal sehn, ob es Herr Teuber schafft noch mal ein originelles und originales Spiel zu veröffentlichen.

MaPeSchmo

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