Mittwoch, 17. September 2014

Was vom Jahrgang übrig bleibt (1): Große Spiele

In den vergangenen Jahren präsentierte ich zu dieser Jahreszeit lange Listen der Lieblingsspiele meiner Mitspieler. Zeitmangel lässt das in diesem Jahr nicht zu.
Man muss wissen: Obwohl meine Mitspieler natürlich zu hundert Prozent total absolut gerne in diesem weltberühmten Blog auftreten, rücken sie ihre Listen und Fotos selten aus eigenem Antrieb heraus. Je nach Schwere des Falles bedarf es da des freundlichen Erinnerns oder penetranten Nachbohrens; ich muss Grundsatzdiskussionen führen oder gar zu offener Erpressung greifen.

Damit meine Leser listenmäßig nicht völlig auf dem Trockenen sitzen, schaffe ich Ausgleich, indem ich meinen traditionellen Rückblick nun gleich auf mehrere Teile auswalze. Die Lösung hat immerhin den Vorteil, dass in diesem Blog nur eine Meinung vertreten wird, nämlich meine. Ohnehin war ich stets ein bisschen in Sorge, das Nebeneinander mehrerer Meinungen könnte den einen oder anderen Leser verunsichern, ob Meinungen, die nicht meine Meinungen sind, nicht vielleicht trotzdem ein bisschen richtig sein könnten. – Hah! Überflüssige Grübeleien, die dieses Jahr gottlob entfallen.

Es geht los:
Am leichtesten fällt mir meine diesjährige Einschätzung bei den großen Freakspielen. Es gab in diesem Jahrgang drei, die ich mit „außerordentlich“ bewertet habe. Und von diesen dreien glaube ich, dass sie das Jahr überleben werden.

RUSSIAN RAILROADS
Natürlich gab es schon Arbeiter-Einsetz-Spiele und natürlich gab es schon Eisenbahnspiele. Trotzdem fühlt sich RUSSIAN RAILROADS in seiner Gesamtheit so frisch und unverbraucht an, dass es in diesem Jahrgang meine Nummer eins ist. Verglichen mit anderen Spielen derselben Gewichtsklasse fallen die besondere Klarheit und Dichte auf. RUSSIAN RAILROADS prescht vom Start weg los, hat keinen Leerlauf und packt viele Entscheidungen in eine angenehme Spielzeit. So fühlt es sich sehr, sehr rund an.


CAVERNA
Es gab Abende, an denen ich zwei Partien RUSSIAN RAILROADS in Folge gespielt habe, und ebensolche Abende gab es auch mit CAVERNA. Ein besseres Zeichen kann es für (relativ) komplexe Spiele gar nicht geben: Man ist angefixt, man will es besser machen, man will etwas anderes ausprobieren. Das Spiel fordert, aber laugt nicht aus.
CAVERNA ist zusätzlich noch überragend ausgestattet. Das einzige Mini-Manko: Ich kann mich nicht von dem Gedanken lösen, dass hier sehr vieles auf AGRICOLA beruht, also dass ich also eigentlich nur eine nahe Variante dessen spiele, was ich sowieso schon liebe. (Rezension: spielbox 3/2014)


NATIONS
Auch NATIONS kann man als Variante eines anderen großen Spiels ansehen, nämlich IM WANDEL DER ZEITEN. Die enge Verwandtschaft ist vor allem eine thematische. Im Spielgefühl zeigen sich die Unterschiede: IM WANDEL DER ZEITEN ist epischer, NATIONS abgeschliffener und mehr auf den Punkt. Vor allem ist es in NATIONS gelungen, die einzelnen Züge kurz und die Taktung hoch zu halten. Ob ich auf längere Sicht Mitspieler für NATIONS finden werde, weiß ich allerdings nicht. Die vielen Strafen und Verluste gepaart mit einem fehlenden Aufholmechanismus haben manche Spieler aussteigen lassen.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ungewohnt, wenn das Jahr schon im September endet. Aber definitiv eine Liste, die bei mir nochmal ein deutlich stärkeres "Habenwollen" verursacht als die diesjährige Kennerspielliste (vielleicht weil das Kennerspiel mehr zum Spiel und das Spiel mehr zum Familienspiel wird).
Einzig Nations wird (wegen des angesprochenen Potenzials Spieler zu frustrieren) wohl eher nicht den Weg in meinen Spieleschrank finden.

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