Donnerstag, 28. Mai 2015

Ugo!

Wie geht UGO? UGO ist ein Stichkartenspiel. Es gibt fünf Farben, es muss bedient werden. Aber es existiert kein Trumpf. Den Stich gewinnt die höchste Zahl. Im Zweifelsfall diejenige der angespielten Farbe.
Der Clou ist die Abrechnung: Jeder Spieler sammelt seine gewonnenen Karten getrennt nach Farben: rot, gelb, blau und so weiter. In späteren Stichen erworbene Karten kommen auf den Sammelstapeln nach oben. Es kann also passieren, dass man seine rote Acht mit einer roten Null überdecken muss. Das wäre ärgerlich, denn am Schluss zählt nur die jeweils oben liegende Karte Punkte.
Ebenfalls ärgerlich wäre es, zu viele Farben zu sammeln. Nur die ersten beiden Farben punkten mit Sicherheit. Alle weiteren Farben punkten nur mit genügend Bauern: zwei Bauern für die dritte Farbe, drei für die vierte, vier für die fünfte. Für fehlende Bauern setzt es ordentlich Minuspunkte. Bauern sammelt, wer einen Stich nicht mit einer Acht gewinnt oder Einsen und Zweien abwirft.

Was passiert? Das Wort „ärgerlich“ ist schon zwei Mal gefallen. Und weil REZENSIONEN FÜR MILLIONEN selbstverständlich wie ein streng durchkomponierter Roman mit Vorausdeutungen arbeitet, hat der aufmerksame Leser den Charakter dieses Spiels bereits erfasst: UGO ist ein Ärgerspiel. Ein ärgerliches Ärgerspiel. Ein wirklich richtig ärgerliches Ärgerspiel, verdammt noch mal!
Man wähnt sich mit ein paar Pluspunkten ganz gut unterwegs, und im letzten Stich bekommt man zwei oder drei neue Farben reingedrückt und kassiert so viele Minuspunkte, dass man sie definitiv niemals wieder aufholen wird.
Das Spielgefühl rangiert irgendwo zwischen „kribbelig“, „schwammig“ und „chaotisch“. Mal erweist es sich als super, im Finale mit zwei aufgesparten Achten alles einzukassieren, beim nächsten Mal geht genau dies total nach hinten los. Man will anderen zusätzliche Farben und kleine Werte reindrücken, andererseits will man auch selber Punkte holen und muss zugleich aufpassen, nicht zu viel zu nehmen.
Das alles unter einen Hut zu bringen ist schwer, zumal die Blätter das nicht immer hergeben und die Stichregeln den Ausgang ziemlich unberechenbar machen. UGO ist unkontrollierbarer als herkömmliche Stichspiele, es folgt anderen Gesetzen. Anhand des Blattes lässt sich weniger leicht ablesen, welche Vorgehensweise die beste ist. Bisweilen ist man auch sehr determiniert: Wenn ich bis zur achten von zehn Karten immer nur brav die Farbe bedienen muss, ist mein Einflussspielraum naturgemäß schmal.

Was taugt es? Ist es Chaos? Oder ist es Tiefe?
Für einen Unbeleckten gibt es viele Fallstricke. Somit gewinnen bei UGO meist doch diejenigen, die sich mit Stichkartenspielen auskennen. Es ist also Chaos und Tiefe.
UGO ist – was schon mal gut ist – ein emotionales und originelles Stichspiel. Wachsende UGO-Erfahrung reduziert die Unwägbarkeiten; dennoch bleibt das Spiel für mein Empfinden zu sehr auf der originell-unterhaltsamen Ebene hängen. Mein Daumen zeigt in Summe nach oben. Zum Dauerbrenner wird UGO für mich nicht.

UGO von Ronald Hoekstra, Thomas Jansen und Patrick Zuidhof für zwei bis vier Spieler, Kosmos.

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