Mittwoch, 17. Juni 2015

Vor 20 Jahren (30): Crazy Race

Vor 20 Jahren – und das ist übrigens das Angenehme an dieser Rubrik, dass man, wenn man gerade nichts Besseres auf der Pfanne hat, immer mit denselben Worten beginnen kann und sich dabei nicht mal besonders einfallslos vorkommen muss – vor 20 Jahren also litt ich unter einem Mangel an Spielpartnern. Das erwähnte ich bereits in der vorigen Folge – ja, und dass man sich ohne schlechtes Gewissen gnadenlos wiederholen darf, empfinde ich ebenfalls als echten Vorzug.

Damals, vor 20 Jahren, gab es noch – und auch das wurde hier schon längst durchgekaut – den legendären Spieleladen Am Schwarzen Bär. Dieser Laden hatte, wie gute Läden das so haben, eine Spielerunde. Leider intern.
Arrogant, wie sie waren, ließen die auserwählten Mitglieder das gemeine Fußvolk durch öffentlich aushängende Spielbretter am Verlauf ihrer DIPLOMACY-Partien teilhaben. An ihren Spieleabenden teilhaben ließen sie einen nicht.
Eins, zwei Mal erkundigte ich mich beim Ladenbesitzer Friedhelm danach, doch obwohl ich meiner Einschätzung nach nicht unerheblich zum Jahresumsatz beitrug und nebenbei ja auch ganz außerordentlich nett und kompetent war, wurde mein Ansinnen abgebürstet. Die Runde sei voll.

Immerhin machte Friedhelm mich im Laufe der Zeit auf zwei öffentliche Spieletreffs aufmerksam. Zu dem einen werde ich in einer späteren Folge kommen (wahrscheinlich schon im Juli), zu dem anderen komme ich jetzt.
Dort war ich genau ein Mal. Zwar hatte ich (wie wir inzwischen wirklich ALLE wissen) einen Mangel an Spielpartnern und spielte mit fast jedem. Doch in diesem Fall lege ich Wert auf das Wörtchen „fast“.

Das Spielen fand in einem Tagungshaus namens Gleisdreieck statt. Der Name deutet dessen aparte Lage bereits an: inmitten einer Eisenbahn-Verkehrskreuzung. Das Haus selber aber war sehr schön und gemütlich: Es gab einen großen Raum mit Tischen. Es gab Spiele. Und es gab eine Leiterin des Spieletreffs. Tja, leider gab es die.

Als Gast versucht man ja zunächst, höflich zu sein und nicht negativ aufzufallen. Man passt sich auch an, wenn es darum geht, welche Spiele gespielt werden sollen.
Wir starteten mit CRAZY RACE. Das kannte ich nicht aus eigener Anschauung, sondern nur aus der Rezension in der Fairplay. Und diese Rezension hatte ich zumindest so gut in Erinnerung, dass mir die Erklärungen der Gastgeberin zweifelhaft vorkamen. Mehrfach griff ich nach der Spielregel und wies der Dame nach, dass es leider nicht so war, wie sie behauptete. Sondern so, wie es nach dem gesunden Menschenverstand Sinn ergab.

Dachte ich da vielleicht noch, das könne ja mal passieren, wurde mir beim anschließenden SPEED CIRCUIT klar, dass grobes Falschspielen in diesem Spieletreff das wiederkehrende Prinzip war. Ich wurde allerdings müde und es wäre mir auch naseweis erschienen, immer wieder jedes Detail anzufechten, weshalb ich mich mit innerem Erschauern meinem Schicksal fügte.

Und so spielte ich ein weiteres crazy race, diesmal offiziell betitelt als SPEED CIRCUIT (angeblich sogar das Lieblingsspiel der Leiterin), und lernte im Laufe der Partie mehrere groteske Regeln kennen, die in dieser Runde akzeptiert waren, weil außer der Chefin wahrscheinlich noch niemand je die Regeln gelesen hatte... vielleicht nicht mal die Chefin selbst.

Auch ADEL VERPFLICHTET ging im Gleisdreieck ganz anders, als ich immer dachte. Genau weiß ich’s nicht mehr, aber näherungsweise war es so: Man musste alles ausstellen, was man hatte. Einmal ausgestellt, blieben die Sammlungen auf dem Tisch liegen. Diebe gingen immer in den Knast, weil sie ja geklaut hatten. Und Detektive bekamen eine Punktepauschale unabhängig vom Spielstand. Das tat weh, es so zu spielen, und nach der Partie musste ich leider sofort nach Hause. Es war so schrecklich... spät.

Im Weggehen hörte ich noch, wie man über mich sagte: „Kommt trocken rüber...“ – Oder vielleicht hatte ich mich verhört und man sagte: „Kommt wohl nicht wieder.“

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