Donnerstag, 30. Juli 2015

Beasty Bar

Wie schon sehr, sehr, sehr oft berichtet, lasse ich die Teilnehmer meiner öffentlichen und privaten Runden ihre gespielten Spiele benoten. Zweck des Ganzen ist nicht etwa die statistische Spielerei, neeeeiiiin! Sondern dass ich ein möglichst umfassendes Meinungsbild bekomme, selbst wenn ich nicht mitspiele.
Neben einigen Spielen, die fast alle toll bzw. fast alle doof finden, landen die meisten Spiele in der großen weiten „Ganz okay“-Grauzone. Und die Noten streuen tatsächlich so, wie Meister Gauß das einst in seiner Normalverteilung festgelegt hat.
BEASTY BAR indes ist der GAU des Gauß. Auch wenn im Durchschnitt doch wieder „ganz okay“ herauskommt, finden viele BEASTY BAR eben nicht „ganz okay“, sondern sind entweder Fan oder Anti-Fan. BEASTY BAR polarisiert in meinen Runden.
Ich selber finde es übrigens nicht ganz schlecht und auch nicht ganz gut, sondern – ganz okay! (Aufgerundet.)

Wie geht BEASTY BAR? Jeder von uns hat dieselben zwölf Tiere. Die Tiere wollen in die Bar. Wächst die Warteschlange auf fünf Tiere an, lässt der Gorilla die vordersten zwei hinein, der Hinterste kriegt einen Tritt und ist raus.
Wer am Zug ist, legt eine seiner vier Handkarten hinten an die Warteschlange. Jedes Tier hat so seine Tricks, die nun zur Anwendung kommen: Das Nilpferd drängelt sich an allen vorbei, die eine kleinere Zahl tragen. Das Chamäleon tut so, als wäre es wer anders. Das Stinktier pupst die zwei ranghöchsten Tierarten in die Flucht.
Sind die Kartenstapel aller Spieler durchgespielt, gewinnt der mit den meisten Tieren in der Bar.

Was passiert? BEASTY BAR erfordert zunächst einigen Erkläraufwand und später Regelfestigkeit. Jedes Tier hat eine andere Sofort-Eigenschaft. Zudem besitzen einige Tiere Permanent-Eigenschaften, die jede Runde ausgeführt werden müssen. Seltsamerweise enthält BEASTY BAR trotzdem nur exakt eine Übersichtskarte auf Deutsch. Die Kartengrafik versucht, das Informationsgebirge bestmöglich erklimmbar zu machen, allerdings ist sie nicht komplett selbsterklärend, und beim Affen fehlen Informationen.
Die Einstiegshürde ist somit recht hoch. Und der Gehalt des Spiels vergleichsweise niedrig: Stehen vor meinem Zug schon vier Karten Schlange, suche ich mir unter meinen Handkarten diejenige heraus, die mir den Eintritt in die Bar verschafft. Habe ich keine: Pech gehabt!
Wer selten (oder nie!) die Gelegenheit bekommt, die fünfte Karte spielen zu können, ist nahezu chancenlos. Denn alle Züge, die keine endgültigen Fakten schaffen, sind nicht viel mehr als Geplänkel. Schon das Tier des nächsten Spielers kann alles wieder umwerfen.
Zum Glück ist aber die Spielgeschichte extrem stark! Die Karten-Charaktere sind lustig gestaltet, die Eigenschaften passen. Und wenn ein kleines Tier die Großen in die Flucht schlägt, sorgt dies für Jubel und Applaus.
Einigen meiner Mitspieler ist völlig egal, ob sie Einfluss besitzen und am Ende gewinnen oder total den Bach runtergehen. Sie begreifen BEASTY BAR als reines Fun- und Chaos-Spiel und kringeln sich ob des charmanten Themas. Einige haben BEASTY BAR bereits für den Eigengebrauch oder als Geschenk gekauft. Es gibt also eine Zielgruppe. Ich gehöre nicht dazu.

Was taugt es? Für mein Empfinden stehen Aufwand (Regeln und Verwaltungsabläufe) in keinem guten Verhältnis zur spielerischen Substanz. Ich fühle mich durch BEASTY BAR gespielt und fragte mich, warum ich dafür nun so viele Regeln lernen muss.
Es tut nicht weh, BEASTY BAR zu spielen. Einen besonderen Wiederholungsreiz erlebe ich jedoch nicht. Andere (siehe oben) sehen das anders. Aber dies ist nun mal mein Blog. Und deshalb darf ich’s mäßig finden und finde es auch mäßig.

BEASTY BAR von Stefan Kloß für zwei bis vier Spieler, Zoch.

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