Mittwoch, 7. Oktober 2015

Was vom Jahrgang übrig bleibt (2)

Und da sind wir auch schon bei Teil 2. „Mittlere Spiele“, lautet sein Arbeitstitel, nur habe ich nicht gewagt, das auch in die Überschrift zu setzen. Zwar klingt „Mittlere Spiele“ zunächst noch recht einleuchtend, denn zwischen die kleinen Spiele (Teil 1) und die großen (Teil 3) gehören ja irgendwie die mittleren. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich das Problem: Was, bitte schön, ist „mittel“?

Die Schachtelgröße kann es nicht sein, denn zwei der drei „großen“ Spiele haben – wie wir sehen werden – ein kleineres Volumen als COLT EXPRESS. Eher wären „mittlere Komplexität“ und „mittlere Spieldauer“ geeignete Faktoren, um ein Spiel für mich zu einem „mittleren Spiel“ zu machen. Aber aufgrund der vielen Anführungszeichen lässt sich schon meine Distanzierung von der eigenen Definition erahnen.

Denn Komplexität lässt sich nicht messen, und die Spieldauer kann stark variieren. Neulich haben wir beispielsweise MARCO POLO (eigentlich ein „großes Spiel“) zu dritt mühelos in einer Dreiviertelstunde geschafft. Und ich habe schon mehrere Runden erlebt, die an beispielsweise MACHI KORO (eigentlich „klein“) wesentlich länger zu kauen hatten.

Aber im Mittel sind die „mittleren Spiele“ eben mittel. Basta.


BROOM SERVICE
BROOM SERVICE ist sozusagen der Spätstarter des Jahrgangs, der Knipser, der von der Einwechselbank kommt. In den Foren-Diskussionen hat BROOM SERVICE keine große Rolle gespielt: Da war die vermeintliche Kinderspiel-Optik. Da war das Vorläuferspiel, das ziemlich genauso zu sein schien. Und da waren die vielen Strategie-Hämmer, neben denen ein spielerisch leichteres Kaliber erst mal unwichtig zu sein scheint. Ich dagegen finde: Ein Kennerspiel muss nicht immer nur den Kopf ansprechen. Es darf auch unberechenbar und lustig sein. Wenn ich mir allerdings das Ergebnis beim Deutschen Spielepreis anschaue, scheine ich mit dieser Sichtweise eher einer Minderheit anzugehören.

BROOM SERVICE von Andreas Pelikan und Alexander Pfister für zwei bis fünf Spieler, alea.


COLT EXPRESS
Vielleicht, vielleicht ... sollte ich tatsächlich ROBO RALLY aus meiner Sammlung aussortieren. Ich hätte nie geglaubt, dass ich diesen Gedanken überhaupt mal denken würde. Aber: So supertoll ROBO RALLY rein theoretisch auch ist – häufig hervorgeholt wird es nun mal nicht. COLT EXPRESS ist in meinen Runden jetzt wesentlich etablierter, beinhaltet ähnliche Anforderungen und löst ähnliche Emotionen aus. Und ein cooles Thema und eine coole Ausstattung hat es auch.

COLT EXPRESS von Christophe Raimbault für drei bis sechs Spieler, Ludonaute.


EVOLUTION
Das ist doch das, was wir immer wollen: Spiele, die nicht nur Klötzchenschieberei sind! Thematische Spiele mit unverbrauchtem Thema! Spiele, in denen Leben steckt! ... Na gut, in diesem Fall auch: Tod. Ich habe verschiedene Theorien, warum EVOLUTION unverdientermaßen etwas untergegangen ist. Ich bin sozusagen ein Evolutionstheoretiker. Nachdem ich mich erst im August zu EVOLUTION geäußert habe, werde ich das nun nicht wiederholen. Lest einfach dort.

EVOLUTION von Dominic Crapuchettes, Dmitry Knorre und Sergey Machin für zwei bis fünf Spieler, Schmidt

1 Kommentare:

MW hat gesagt…

Von den drei Spielen habe ich bisher leider keines gespielt. Sollte ich vielleicht mal nachholen!

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