Dienstag, 19. April 2016

Sarkophag

Warum?
Ich hatte den Eindruck, das Thema Mumien passe recht gut zur Vitalität dieses Blogs. (Na ja, und außerdem habe ich ein Spiel gesucht, das ich halbwegs schnell rezensieren kann, um nicht sofort schon wieder Sendepause machen zu müssen.)

Wie geht SARKOPHAG? SARKOPHAG ist ein Stich-Vermeidungsspiel. Mumienköpfe, auf den meisten Karten abgebildet, zählen negativ. Weil man also keine Mumienköpfe will, will man keine Karten. Und weil man keine Karten will, will man keine Stiche. QED.
Kleiner Trost: Niemand gewinnt zwei Stiche in Folge, denn der Ausspieler kriegt den Stich nie. Entscheidend ist die zweite Karte. Ist sie höher als die erste, müssen alle Spieler höher als der Ausspieler legen, und die höchste Karte macht den Stich. Ist die zweite Karte niedriger als die erste, läuft es genau umgekehrt.
Ganz übel trifft es den, der diese einzige Bedienregel nicht einhalten kann. Er bekommt den Stich garantiert, außer ein anderer armer Wicht verletzt die Grundregel noch deutlicher.

Was passiert? Je weiter entfernt die eigene Karte von der des Ausspielers ist, desto größer die Gefahr. Schön wäre also ein Blatt, das ohne krasse Lücken den gesamten Bereich von 1 bis 60 abdeckt, um aus allen Situationen einen Ausweg zu haben.
Doch selbst bei einer Kartenfolge wie 20, 17, 16 ist erfahrungsgemäß die dritte Karte nicht sicher, denn plötzlich drängeln sich die anderen Spieler noch lustig mit 18 und 19 dazwischen. Und auch ein Blatt, das anfangs breit aufgestellt wirkt, kann während der Stichrunden schnell zerpflückt und dann eben doch lückenhaft oder einseitig werden.
Kann man denn überhaupt etwas beeinflussen? Ja, aber anders als in normalen Stichspielen, wo die Überlegung vielleicht lautet, bestimmte starke Karten aufzusparen. SARKOPHAG kennt keine per se starken Karten, also muss man auch nicht viel aufsparen. Bei den Karten, die gleich fünf Mumienköpfe zeigen, überlege ich allerdings schon, ob ich sie in einen Stich gebe, solange die Gefahr besteht, dass er bei mir hängen bleibt.
Und merklichen Einfluss nimmt insbesondere derjenige Spieler, der die zweite Karte spielt und somit die Richtung vorgibt. Wer aufpasst, in welchen Zahlenbereichen andere Spieler Schwäche gezeigt haben, kann ordentlich Miese verabreichen.

Was taugt es? Große Gestaltungsmöglichkeiten erlebe ich in SARKOPHAG nicht. Aber Spannung: Was wird ausgespielt? In welche Richtung geht es danach? Ist meine Karte dicht genug dran oder endet es böse?
Zu dritt entfaltet sich dieser Reiz nicht voll. In größerer Runde ist SARKOPHAG ein unterhaltsames, wenig anstrengendes Spiel, bei dem man hofft und bangt und andere ärgert. Nichts Grandioses. Aber definitiv gut genug, um es mitzuspielen.

SARKOPHAG von Michael Feldkötter für drei bis sechs Spieler, Amigo.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schöne Dank für die Rezension - solche kleinen Kartenspiele schätze ich sehr (gern mit Nicht-Expertenspielern gespielt und ebenso auch gern als Absacker nach einem "großen" Spiel).

"Sarkophag" erinnert mich stark an "6 nimmt!" (Karten in einer Reihe von 1 bis viel und unterschiedlich viel Minuspunktköpfen darauf, möglichst passend ausspielen, aber beim Ausspielen die Flexibilität des eigenen Blatts hochhalten). Ein bisschen erinnert es auch an "Sticheln" (wo zumindest der früh Auspielende Stiche vermeidet udn die erste Karte auch fast nie sticht).
Stellt sich die Frage, wieviel neues Spielgefühl ein Besitzer einer gut sortierten Amigo-Sammlung bekommt, wenn er noch Sarkophag dazu stellt?

SpaceTrucker

Udo Bartsch hat gesagt…

Sticheln ist wesentlich gemeiner, taktischer und strenger, weil man die Karten mitzählen muss, um nicht unterzugehen. Vom Überraschungsmoment sehe ich Sarkophag eher in der Nähe von 6 nimmt. Völlig neues Spielgefühl erwirbst du wohl nicht.

Paddy hat gesagt…

Ich bewundere die äusserst raffinierte und durchdachte Spielewahl dieses Blogs ;-)
Sarkophag gefällt mir vor allem in grösseren Gruppen gut. Und auch für mich spielt es sich wie 6 nimmt, bei dem man auch Karten dazwischen legen kann. Ist manchmal richtig schön ärgerlich.

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