Dienstag, 24. Oktober 2017

Vor 20 Jahren (50): Euphrat & Tigris

Erschütternd, aber wahr: Die Originalausgabe besitze ich nicht mehr

Erst mal zur Klärung:
Nein! Auch wenn sich hier momentan die Geschichten von früher häufen, soll dies langfristig kein Blog für Geschichten von früher werden. Es ist nur so, dass ich 2015 / 2016 in einen Erzählrückstand geraten bin und diesen nun wieder aufholen möchte.
13 Folgen „Vor 20 Jahren“ musste ich unfreiwillig auslassen. Fünf sind mittlerweile aufgeholt. Bis Ende 2018 will ich den Rest schaffen, dann konzentriert sich REZENSIONEN FÜR MILLIONEN endlich wieder auf sein Kerngeschäft: Rezensionen. Für Millionen Menschen. Und Euro. (Der Wortbestandteil „geschäft“ in „Kerngeschäft“ ist kein Zufall.)

Und nun wieder 20 Jahre zurück.

Preisfrage: Was war im Oktober 1997?
Antwort: die Messe SPIEL in Essen. Was denn sonst?

1997 kam ich erstmals mit Szeneprominenz in Kontakt, allerdings nicht weil ich den Kontakt gesucht hätte, sondern im Gegenteil, weil ich in Essen etwas schiffbrüchig war und ausgerechnet in dem Hotel strandete, wo auch die Prominenz residierte. Ich hatte mich vorab um zu wenig gekümmert. Hinfahrt: Ich konnte wo mitfahren. Übernachtung: „Ich penne bei einem Kumpel, und du kannst da auch pennen.“ Rückfahrt: würde sich ergeben.

Der Planungsfehler (wenn man denn von „Planung“ sprechen kann) zeigte sich bei der Übernachtung. Besagter Kumpel war wohl nur so halb informiert worden, dass er Besuch bekommt. Und dass der Besuch mehrköpfig ist. Jedenfalls hatte ich stark den Eindruck, unsere Übernachtung passte nicht so richtig rein. In die Planung und auch nicht in die Wohnung. Das wiederum hatte zur Folge, dass wir für den unfreiwilligen Gastgeber möglichst unsichtbar bleiben, abends spät kommen und morgens früh wieder abhauen wollten. Also schlossen wir uns nach Messeschluss Menschen an, die sagten, sie gingen jetzt ins Hotel zum Spielen.

Spielen? Gute Idee. Mitgehen. EUPHRAT & TIGRIS kam auf den Tisch. Aber … hm, ganz schön viele Regeln. Und weil einer von uns wusste oder zu wissen glaubte, dass der Autor des Spiels Reiner Knizia in genau diesem Hotel residierte, ging er allen Ernstes zur Rezeption und rief ihn übers Zimmertelefon an, ob er uns sein Spiel erklären könne. Ich fand das unfassbar. Doch die Dreistigkeit würde gottlob nicht auf mich zurückfallen. Mich kannte ja niemand. Aber dann … kam tatsächlich Reiner Knizia und erklärte uns das Spiel. Auch das fand ich unfassbar. Unfassbar nett.


Und dann spielten wir. Und mit dem Wissen späterer Partien muss ich leider einräumen: Wir haben die Möglichkeiten von EUPHRAT & TIGRIS nicht erkannt. Erst gegen Ende trauten wir uns mal äußere Konflikte. Und dass die Spielregel den Bau von Monumenten vorsah, fiel uns auch erst wieder ein, als es eigentlich schon zu spät war. Wenn ich mich nicht völlig falsch erinnere, endete die Partie vier zu vier zu drei zu drei. Also absolut blamabel.
Aber das Spiel war cool. Es war anders als das, was ich kannte. Auch heute noch ist EUPHRAT & TIGRIS für mich eins von Reiner Knizias Meisterwerken.

Seinem Schöpfer begegnete ich am Tag danach am Stand von Hans im Glück. Er erkannte mich wieder und sagte: „Ich hab schon gehört ...“ Ich erkundigte mich verschämt: Äh, wir hätten wohl nicht sehr schlau gespielt, was? Und Reiner Knizia antwortete diplomatisch: „Ihr könnt noch einiges entdecken ...“

Klar, er hätte auch sagen können: „Bevor ihr mich wieder anklingelt, übt erst mal ein bisschen mit SKIP-BO und MAU-MAU.“ Dann wäre ich vielleicht noch mal kritisch in mich gegangen. So aber kam es, wie es kam. Und am Ende einer langen Kette von Dingen, die noch zu erzählen sind, gab es REZENSIONEN FÜR MILLIONEN.


1 Kommentare:

Alex hat gesagt…

Ich muss es unbedingt mal auf den echten Spieletisch bringen. Bisher habe ich nur die App-Version gegen die Computer-Gegner gespielt... Aber irgendwie wollen die anderen immer neue Spiele spielen ;-)

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