Donnerstag, 30. Juli 2026

Die Hängenden Gärten

Die Hängenden Gärten: Cover

Was bin ich erleichtert, dass Amytis von Medien, Ehefrau von Nebukadnezar II, nur einen überwältigenden Prachtgarten wünscht – und nicht etwa eine Einleitung!

Wie geht DIE HÄNGENDEN GÄRTEN? Wir legen dreistöckige pyramidenförmige Gärten. Neue Karten lege ich immer angrenzend an Vorhandenes, und in die nächste Ebene frühestens dann, wenn sich in der Ebene darunter zwei tragende Karten befinden.
Ein zugeloster Bauplan bestimmt, welche sechs meiner insgesamt zwölf Gartenteile das Kartenmerkmal „bewässert“ besitzen sollen. Je vollständiger ich das erfülle, desto mehr Punkte bekomme ich. Zusätzlich punkte ich für die Motive auf meinen Kärtchen: Tiere zählen Punkte abhängig von der Ebene, in der sie platziert sind. Gleiche Baumarten und gleiche Blumenfarben will ich benachbart zueinander legen. Und Menschen punkten individuell für alles Mögliche: ein Punkt pro Baum, zwei Punkte pro Set aus allen drei Blumenfarben und so weiter.
Neue Karten nehme ich aus einem Markt mit drei Slots. Die jeweils unterste Karte eines Slots ist kostenlos. Je höher die Karte im Slot einsortiert ist (also: je neuer sie im Markt ist), desto mehr Werkzeuge kostet sie.

Die Hängenden Gärten: Garten

Eine andere Währung im Spiel ist Geld. Einige der Karten sind leer, was eigentlich schlecht ist. Aber diese Karten bringen mir eine Sofortbelohnung: Geld, Werkzeuge oder die Startfigur. Mit Geld darf ich ein Plättchen kaufen, das Tiere, Blumen oder Bäume zeigt und eine leere Karte in meinem Garten überdeckt.
Und schließlich konkurrieren wir noch um zufällig ausgeloste Ziele: Etwa soll ich drei Menschen oder vier blaue Blumen in derselben Ebene haben, möglichst schneller als meine Konkurrenz.

Was passiert? Weil Elemente von DIE HÄNGENDEN GÄRTEN bekannt sind und die Legeregeln unmittelbar einleuchten, gibt es keine besonderen Hürden. Das Spiel geht flott voran.
Ein Einsatzmechanismus reguliert, wie wir Karten nehmen dürfen. Im Spiel zu viert müssen pro Runde aus jedem Slot exakt vier Karten genommen werden. Werkzeuge sind meist rar. In etlichen Partien habe ich erlebt, dass die Mitspielenden das Angebot nur eines Slots attraktiv fanden, weshalb sich erst mal alle auf dessen Einsatzplätze stürzten. Erst nachdem dort alles besetzt war, wendete man sich dem nächsten Slot zu.
Je weniger Karten mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis angeboten werden, desto nachteiliger ist es, zuletzt an die Reihe zu kommen – bloß weil dummerweise die Person links die Startfigur ergattern konnte. Klar, jede:r könnte sich darum bemühen. Aber: Nicht immer hilft das. Die Figur kann zwischendrin mehrfach wechseln, und erst am Ende der Runde wird festgestellt, wer in der kommenden Runde startet.

Die Hängenden Gärten: Markt

Wohl aus diesem Grund haben die Autoren an die Startfigur einen zweiten Vorteil gekoppelt: Wer sie besitzt, erfüllt Ziele mit Rabatt, benötigt also für Wertungen nur zwei statt drei Menschen oder nur drei statt vier blaue Blumen. In Kombination mit der eingeschränkten Kartenwahl durch besetzte Slots fühlt sich das in Summe trotzdem nicht befriedigender an. Man hat die Startfigur im richtigen Moment – oder man hat sie nicht.

Was taugt es? Ich empfinde die Prozedur der Kartenauswahl in DIE HÄNGENDEN GÄRTEN als unnötig limitierend. Doch ganz offenbar wollten die Autoren es so, vermutlich ist es also auch Geschmackssache.
Das Puzzle selbst mit dem Zwang zum angrenzenden Bauen und dem Haushalten mit Ressourcen einerseits und den unterschiedlichen Wertungsbereichen und der Möglichkeit, Karten später noch aufzumotzen andererseits ist eine schöne Knobelei und macht Spaß.
Mir gefällt die Unkompliziertheit des Spielsystems. Man muss nicht allzu viel erklären, nicht allzu viel aufbauen und keine Sonderregeln bedenken.
Es lässt sich allerdings auch nicht verhehlen, dass es Spiele ähnlicher Art schon zahlreich gibt und DIE HÄNGENDEN GÄRTEN dem Genre kaum Originelles hinzufügt.


**** solide

DIE HÄNGENDEN GÄRTEN von Grégory Grard und Matthieu Verdier für eine:n bis fünf Spieler:innen, Piatnik.

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