Freitag, 29. März 2024

The Vale of Eternity

The Vale of Eternity: Cover

Ist das Kunst oder kann das weg? Bislang hatte ich angenommen, meine Nicht-Einleitungen seien eine Verlegenheitslösung. Doch zuletzt vernahm ich zwei-, dreimal, sie seien Kunst. Ja, Wahnsinn! Wenn das so ist, dann … bitte sehr!

Wie geht THE VALE OF ETERNITY? Wir sammeln Karten und spielen sie aus. Die Karten (eigentlich: „Kreaturen“) haben Sofort- oder permanente Effekte oder einen Effekt, der exakt einmal pro Runde ausgeführt wird.
Die schönsten Effekte bringen Punkte. Denn um Punkte geht es nun mal. Erreicht jemand 60, endet die Partie. THE VALE OF ETERNITY ist also ein Wettlauf.
Karten auszuspielen, kostet zwischen null und zwölf Geld („Runensteine“). Es gibt nur Einer-, Dreier- und Sechser-Münzen. Ich darf nicht wechseln. Und ich darf nur vier Münzen besitzen. Neue Münzen erhalte ich entweder über Effekte meiner gespielten Karten. Oder indem ich auf das Nehmen von Karten verzichte.
Zu Beginn jeder Runde legen wir pro Person zwei Karten aus. Reihum wählt jede:r eine erste, dann in umgekehrter Reihenfolge eine zweite Karte. Für beide Karten entscheide ich im Laufe meines Spielzugs, ob ich sie auf die Hand nehme oder für Geld verkaufe. Wie viel Geld ich bekomme, hängt von der Kartenfarbe ab. Eine violette Karte bringt eine Sechser-Münze, eine rosafarbene einen Einer und einen Dreier.
In meinem Spielzug darf ich außerdem Karten von meiner Hand spielen und Karten aus meiner Auslage abwerfen, was zwar Geld kostet, manchmal aber nötig ist, um weitere Karten spielen zu dürfen. Denn man darf nie mehr ausliegen haben, als die aktuelle Rundenzahl beträgt.


The Vale of Eternity: Karten und Münzen

Was passiert? Alle meine Aktionen führe ich in beliebiger Reihenfolge aus. Da THE VALE OF ETERNITY mit wachsender Runden- und Kartenzahl und somit auch wachsenden Effekten immer komplexer wird, kann eine clever oder weniger clever gewählte Abwicklung einen entscheidenden Unterschied bedeuten.
Vor allem das Münz-Management übt steten Druck aus. Es würde mich ärgern, Münzeinnahmen verfallen zu lassen, weil mein Münzvorrat zu groß ist. Im Bestfall gebe ich also erst mal viel aus, bevor ich große Einnahmen kassiere. Aber vielleicht reicht mein Vermögen nicht, und ich müsste zuerst noch was einnehmen, bevor ich meine Wunschkarte spielen kann ... Dilemma!
Die Karteneffekte klingen beim ersten Lesen gar nicht so spektakulär: „Nimm Geld, wenn …“, „Erhalte Punkte, wenn …“, „Immer wenn dies, dann das …“ Im Zusammenspiel der Karten zeigen sich dann aber sinnvolle Kombinationen und Wechselwirkungen. Manche sind offensichtlicher, andere weniger offensichtlich.
Man kann auf Karten derselben Farbe bauen, weil sich deren Effekte oft gegenseitig verstärken, es gibt aber auch Kombis, die verschiedene Farben in meiner Auslage belohnen. Ich kann mir einen Geldgenerator basteln oder mir eine Maschine erschaffen, die es ermöglicht, ausgespielte Karten zurückzunehmen und wieder und wieder zu spielen. Oder … oder …


The Vale of Eternity: Kartenauswahl

Was taugt es? Selbst nach mehr als zehn gespielten Partien entdecke ich in THE VALE OF ETERNITY noch neue Möglichkeiten. Das Spiel reizt zum Experimentieren, und letztlich bin ich sogar zum Ausprobieren gezwungen. Denn welche Karten in welcher Reihenfolge ins Spiel kommen, ist Zufall. Es gibt keine Garantie, dass ich die Kombination, mit der ich voriges Mal erfolgreich war, erneut bilden kann.
Insofern ist es natürlich auch Glück, ob die Dinge eintreffen, wie ich sie mir ausmale, ob Karten kommen, auf die ich mit meinem eingeschlagenen Weg spekuliere. In manchen Partien läuft wenig zusammen, und da ist es immerhin ein Trost, dass spätestens nach zehn Runden Schluss wäre, selbst wenn niemand die 60 Punkte knackt.
Wenn eine Spielerunde THE VALE OF ETERNITY noch nicht gut kennt, bremst nicht nur das Austüfteln der Aktionsreihenfolge das Spieltempo, auch der Rundenbeginn kann sich ziehen – gerade zu viert, wenn jedes Mal acht Karten ausgelegt werden, die alle Spieler:innen lesen und erfassen müssen. Der Kartenmarkt ist kreisförmig angeordnet. Deshalb liegt immer irgendwas für irgendwen über Kopf. Manche kommen damit nicht gut klar und müssen die Karten in die Hand nehmen, um sie lesen zu können – was dazu führt, dass sie in dieser Zeit niemand sonst lesen kann.
Der etwas mühsame Einstieg ist ein kleines Manko von THE VALE OF ETERNITY. Erfahrungen mit Gruppen, die das an sich schnelle Wettlaufspiel durch langes Kartenanalysieren und Karten-noch-mal-Analysieren in ein Schneckenrennen verwandeln, sehe ich als Problem dieser Gruppen an, nicht des Spiels.
Da mich Fantasywelten mit Zauberei und irgendwelchen Kreaturen normalerweise kalt lassen, hat mich THE VALE OF ETERNITY sehr positiv überrascht. THE VALE OF ETERNITY ist eine Spielwiese, die mich zu immer neuen Partien verlockt, weil ich neugierig bin, was beim nächsten Mal passiert, welche Effekte und Kombinationen sich ergeben, ob sich gar noch eine ganz andere Siegstrategie finden lässt.
Die Abläufe und die Karteneffekte an sich sind einfach (na gut, jenes vermaledeite Wesen, das Dreier-Münzen zu Sechsern werden lässt und umgekehrt, wirft immer wieder Fragen auf), ja, geradezu reduziert. Umso beeindruckender finde ich, wieviel Wiederspielreiz entsteht. Das ist gut designt.


***** reizvoll

THE VALE OF ETERNITY von Eric Hong für zwei bis vier Spieler:innen, Pegasus Spiele / Mandoo Games.

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