Freitag, 15. März 2013

Vor 20 Jahren (3): SpielBox

Vor 20 Jahren war es zehn Jahre her, dass ich zum ersten Mal eine SpielBox in Händen hielt! Mit anderen Worten: Es war vor 30 Jahren. Das mag nun mancher geschummelt finden, weil die Rubrik ja „Vor 20 Jahren“ heißt. Es ist aber nicht geschummelt, ich gebe mein Ehrenwort.
Ich könnte beispielsweise argumentieren wie neulich einer meiner Mitspieler bei HAND AUFS HERZ. Es ging um die Frage, ob der Februar immer 28 Tage hat oder nicht. Der Mitspieler meinte, auch ein 29-tägiger Februar habe 28 Tage. Folglich könnte ich sagen, „Vor 20 Jahren“ impliziere auch „Vor 30 Jahren“. Sage ich aber gar nicht.
Nein, ich mache es mir sogar noch einfacher und verfüge: Als Autor der Serie besitze ich selbstverständlich chronologische Allmacht. Basta. Und damit ihr’s wisst: Der vorige Teil über CIVILIZATION spielte ebenfalls schon vor mehr als 20 Jahren. Schätzungsweise waren es mindestens drei mehr. Und, ach ja, bevor jemand fragt: Kabeltelefon gab es auch vor 23 Jahren schon.

Vor 20 plus x Jahren kam ich also erstmals mit der SpielBox in Berührung. Hört, hört! Und ich dachte sofort, da schreibe ich mal...? Nein, ich dachte etwas ganz anderes: Nämlich erstaunte mich erstens, dass in dem Heft RISIKO besprochen wurde: ein Spiel, das ich längst besaß. Und ich kam zweitens zu dem dringend Schluss, dass ich ganz unbedingt CONQUEST haben muss.
Diesem Spiel wurden gleich drei Seiten in der Rubrik „besser spielen“ gewidmet, und jedes einzelne Wort klang enorm viel versprechend. Dass die besten Spiele Kriegsspiele waren, wusste ich ohnehin seit meiner Kindheit. Und als SCHACH-affiner Mensch sprach mich die Möglichkeit der Notation besonders an. Dies und die Vorschläge für Eröffnungs-Strategien sowie das völlige Fehlen von Glückselementen schienen CONQUEST etwas erhaben Wissenschaftliches zu verleihen.

Tatsächlich gelang es mir bald darauf, CONQUEST in einem Laden in Hannover zu erstehen. Doch ich fand keine Mitspieler. Schon gar keine, die das Spiel mit mir vertiefen wollten. Auch selber fand ich CONQUEST längst nicht so gigantisch wie gedacht. Klar, die Figuren waren toll. Und dass Figuren andere Figuren mittransportieren konnten, war sogar supertoll. Aber das ständige Auszählen von Reichweiten, um Drohungen und Gegendrohungen auf dem unnötig großen Spielplan zu überblicken, war nicht gerade etwas, das ich mit Spielspaß assoziierte.

Dass ich die SpielBox nicht weiter bezog, hing aber nicht mit dieser Enttäuschung zusammen. Sondern damit, dass ich vor 20 plus x Jahren noch in einem zarten und unschuldigen Alter war und mit meinem beschränkten Konfirmanden-Horizont nicht ahnen konnte, was im Leben wirklich wichtig werden würde. Abonnent der spielbox (so schrieb sie sich nun) wurde ich deshalb erst vor 20 plus y Jahren, konkret 1989.

„Ist ja voll irre!“ werden viele Leser nun denken. „Wir pinkeln uns vor Aufregung in die Hose, wenn wir nicht sofort erfahren, was dann geschah.“ – Und das ist eine allzu verlockende Vorstellung für mich. Als großer Meister des Suspense erzähle ich die Fortsetzung deshalb ein anderes Mal.

1 Kommentare:

Maddin hat gesagt…

Oh - CONQUEST.
Wahrscheinlich das Spiel, das es am längsten komplett ungespielt bei mir im Regal ausgehalten hat. Bis ich mich erstmals dazu entschlossen habe, auf einem Flohmarkt auch Spiele wieder zu VERkaufen.
Blöd nur:
Auf einem anderen Flohmarkt sah ich kurz darauf "CONQUEST für 4 Spieler". In einem Anflug von Sentimentalität (Spiele-Flohmärkte leben von so etwas) habe ich es günstig erstanden. Und jetzt versucht es, den o. a. Rekord des Originals zu brechen...

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