Für diese Einleitung wurde kein Baum gefällt.
Wie geht FORESTRY? Wir holzen den Wald ab und forsten ihn wieder auf. Mit dem Holz erledigen wir Bauaufträge wie etwa ein Bett, das eine Einheit getrocknetes und gehobeltes Fichtenholz verlangt. Dafür bekomme ich dann Punkte und Geld oder noch andere Belohnungen. Ich dürfte freiwillig draufsatteln und zusätzlich eine Einheit gebeizte Eiche bezahlen. Dann wird das Bett hochwertiger, meine Belohnung erhöht sich. Ich brauche also immer wieder diverse Hölzer als Rohstoffe und muss sie zudem mit Verarbeitungsmerkmalen ausstatten.
Für jeden Spielzug stehen mir Aktionspunkte zur Verfügung, bei Spielanfang drei. Diese Zahl kann und sollte sich während der Partie erhöhen. Aktionspunkte kostet es etwa, mit meinen Harvester im Wald rumzufahren, vor Ort einen Baum umzuhauen oder, wo keiner mehr ist, einen anzupflanzen. Das Fällen bringt logischerweise Holz, das Aufforsten ist eine gute Tat, die meinen Zählstein auf einem Rondell vorantreibt. Umrundungen dieses Rondells bringen mir Belohnungen, unter anderem erhöhe ich so auch meine Aktionspunkte.
Um den Wald herum befinden sich drei Sägewerke. Ich kann nur in demjenigen agieren, wo sich meine Figur befindet. Für einen Aktionspunkt wechselt sie ihren Ort. In den Sägewerken verarbeite ich mein Holz (seltsamerweise kann nur eines der Werke trocknen, das andere nur beizen, das dritte nur hobeln) oder erwirtschafte Ressourcenarten, von denen bislang noch gar nicht die Rede war. Diese Ressourcen benötige ich, um Sägewerkfelder aufzuwerten, Bauten im Wald zu errichten und so weiter.
Was passiert? Ohne alles im Detail auflisten zu wollen: Die Elemente von FORESTRY sind auf vielfache Weise miteinander verzahnt. Ketteneffekte ermöglichen, dass das Spiel nach nur zehn Zügen pro Person vorbei ist. Zehn Züge allerdings, die im Laufe der Partie immer umfangreicher werden.
Ich klettere auf Skalen, ich sammle Materialien, platziere sie in Rastern und erhalte Belohnungen für abgedeckt Felder und komplettierte Reihen. In FORESTRY passt eines ins nächste. Die Grafik unterstützt das Spiel sehr gut. Alle Zusammenhänge zeigen sich fast schon allein durch die Symbole.
Ab und zu steht mir jemand mit dem Harvester im Weg herum oder baut etwas dort, wo ich bauen wollte. FORESTRY ist dennoch ein konfliktarmes Spiel. Der Hauptreiz besteht darin, dass ich bei einem Überangebot von guten Möglichkeiten das Beste für mich herausholen muss. Es geht um Effektivität und um Management. Ich bin gleichzeitig damit beschäftigt, Aufträge zu erledigen und mir eine Infrastruktur aufzubauen, die mich befähigt, zukünftig Aufträge noch schneller zu erledigen.
Was taugt es? FORESTRY ist ein Optimierungsspiel. Es gibt einen Glücksfaktor (ich kann passende oder unpassende Zielkarten ziehen, es können passende oder unpassende Aufträge ausliegen), aber am meisten kommt es darauf an, ob ich ökonomisch und taktisch klug agiere. Zu viert kann sich die Partie hinziehen, speziell im Finale.
Besonders gelungen ist die Optik. Das Thema Holzwirtschaft wird gut eingefangen. Einige Mechanismen lassen sich auch thematisch erklären. Zudem versorgt uns die Anleitung mit vielen fachlichen Hintergrundinformationen. Und dennoch empfinde ich FORESTRY nicht als wirklich thematisches Spiel. Das Thema ist nur schöner Anstrich. Der Wald in FORESTRY ist weder Lebensraum noch Ökosystem. Er ist ein Rohstofflager, das wir nach Belieben wieder auffüllen. Der Wechsel zwischen Abholzen und Anpflanzen hat keine ökologische oder gesellschaftliche Dimension. Muss auch nicht so sein. Könnte aber, wenn ein Spiel tatsächlich thematisch sein soll.
FORESTRY funktioniert mechanisch perfekt und liefert Kenner:innen und Expert:innen den gewünschten Denkstoff. Über den Reiz, den das auslöst, habe ich bislang wenig geschrieben. Aus Gründen: Mir fehlt in dieser sauberen Maschine ein spezielles Element, das mit den Erwartungen und dem Herkömmlichen bricht. Etwas, das FORESTRY von anderen Spielen dieser Machart und Komplexität abhebt. Etwas, was mich denken ließe: Hey, heute gerne FORESTRY! Kulinarisch gesprochen fehlt mir das Aroma, die Note. FORESTRY ist geschmacksneutral.
Am besten finde ich die redaktionelle Leistung von Grafik über Anleitung bis Spielhilfen. Was sich aus FORESTRY herauskitzeln lässt, wurde herausgekitzelt.
**** solide
FORESTRY von Michal Peichl für ein:e bis vier Spieler:innen, Pegasus Spiele.









































