Donnerstag, 22. August 2013

Kakerlakak

Spieler sind Suchende. Immer. Selbst wenn sie den heiligen Gral längst besitzen, forschen sie weiter. Vielleicht finden sie noch einen besseren heiligen Gral. Ein neues LOOPING LOUIE zum Beispiel...!?

Wie geht KAKERLAKAK? Im Mittelpunkt des Spiels steht ein kleiner, batteriebetriebener Roboter in Kakerlakenform, der unkontrolliert loskrabbelt, sobald man den Anschaltknopf betätigt. Die Kakerlake wird in einem Labyrinth mit verstellbaren Wänden (in Form von Besteck) losgelassen. Pro Spieler hat das Labyrinth einen Ausgang. Ziel ist es, das Tier durch den eigenen Ausgang zu schicken. Wer das fünf Mal schafft, gewinnt.
Reihum wird gewürfelt. Der Würfel zeigt Löffel, Gabel oder Messer. Der Spieler darf eines der entsprechenden Besteckteile um 90 Grad drehen, um so dem Tier einen Weg in die gewünschte Richtung zu bahnen oder zumindest die Wege der Mitspieler zu blockieren. Drei Würfelseiten zeigen ein Fragezeichen. Das bedeutet freie Besteck-Wahl.

Was passiert? Es wird hektisch, es wird turbulent, es wird dramatisch. Typische Szenen: Die doofe Kakerlake hat freie Bahn, macht aber keinerlei Anstalten, mal nennenswert in die richtige Richtung zu laufen. Oder sie kommt scheinbar zielstrebig angewackelt, überlegt es sich im letzten Moment jedoch anders und dreht direkt vor dem Ziel wieder ab. Die Spieler beginnen, die Kakerlake anzufeuern, sie reden ihr gut zu oder machen Versprechungen (die sie hinterher übrigens nur selten halten; ich habe das beobachtet).
KAKERLAKAK macht Laune, auch wenn in dem Chaos immer wieder Grenzwertiges geschieht: Sperren werden mitsamt der Kakerlake gedreht oder Spieler warten mit der Ausübung ihres Zuges solange, bis eine für sie vorteilhafte Situation entsteht. Die Spielregel besagt, man dürfe andere zur Eile auffordern. Über Konsequenzen steht da nichts. Eine gewisse Grauzone bleibt also – was bei einem Spiel dieser Art wohl auch nicht ganz so schlimm ist.
Zu dritt ist der Spieler, der allein auf einer Seite sitzt, im Nachteil. Das Geschehen spielt sich meist vor den Toren der beiden anderen ab. Und für am wenigsten gelungen halte ich, dass sich die Bestecke leicht verwechseln lassen. Das provoziert Spielfehler.

Was taugt es? Setzt man KAKERLAKAK Neulingen vor, sorgt es fast immer für Begeisterung. Auf Veranstaltungen sammeln sich Zuschauer, viele wollen es sofort probieren. Wer ein Spiel mit Eisbrecher-Qualitäten sucht, macht bei KAKERLAKAK einen guten Griff.
Mehr ist es allerdings nicht. Nach ein paar Partien hat man erlebt, was es zu erleben gab. KAKERLAKAK funktioniert als Gag. Der Reiz, Menschen damit zu überraschen, ist klar größer als der Reiz, es innerhalb derselben Gruppe zu vertiefen. Kinder mögen das anders sehen. Aber dieses Blog ist erst ab 18, Pech gehabt.
Bleibt zum Schluss die Frage, was am unerreichten Referenzspiel LOOPING LOUIE so viel toller ist: LOOPING LOUIE besitzt die durchgeknalltere Story, die interessantere Mechanik und eine direktere Interaktion. Vor allem gibt LOOPING LOUIE den erwachsenen Spielern mehr das Gefühl, aktiv eingreifen zu können und das Schicksal selbst in der Hand zu haben. Und außerdem ist es LOOPING LOUIE.

KAKERLAKAK von Peter-Paul Joopen für zwei bis vier Spieler, Ravensburger.

1 Kommentare:

Nils Kruse hat gesagt…

Hallo Udo,

mit Kakerlakak verbinde ein Erlebnis, dass mein Unverständnis für das Empfinden der Kinder herausstellt.

Zum Kinderspieletesten gehe ich in den Hort. Die Gruppe lasse ich immer zwei Spiele probieren, damit sie mir doch verraten, warum ihnen etwas besser gefällt.
Da lagen dann Kakerlakak und "Da ist der Wurm drin" auf dem Tisch. In meiner Erwartung war das ein unfairer Vergleich.

Die Überraschung war aber, dass Kakerlakak binnen Minuten verwaiste und sich die acht Kinder für das Würmchenrennen begeisterten.

Auf die Kinder ist aber auch nun wirklich kein Verlass mehr. :-)

Liebe Grüße
Nils

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