Dienstag, 25. Oktober 2016

Automania

Heute das Cabrio unter den Rezensionen. (Oben ohne.)

Wie geht AUTOMANIA? Wir bauen Autos. Jeder besitzt eine Fabrik mit drei Montagelinien, die sich teilweise kreuzen. Während der Produktion durchläuft eine Karosserie ihre Linie, und alles, was sich an Equipment darauf befindet, wird eingebaut. Beispielsweise ein Kofferraum, ein Airbag und noch ein Kofferraum.
Für die Autos gibt es zwei Märkte: In Nordamerika lässt sich überwiegend Geld, in Europa lassen sich überwiegend Punkte verdienen. Die Nachfrage an den Märkten unterscheidet sich und variiert während des Spiels. Jeder Markt findet ein Ausstattungsmerkmal gut, eins toll, eins supertoll. Das fertige Auto wird dann mit Sternchen bewertet und würde in Europa vielleicht 9 und in Amerika 6 Sterne erreichen. Je mehr Sterne, desto früher kommt das Auto in der Verkaufsrunde an die Reihe. Und je früher es an die Reihe kommt, desto höher ist der Ertrag.
Arbeiter einsetzen
Den Ausbau und Betrieb der Fabrik steuert ein Arbeiter-Einsetz-Mechanismus. 16 Plättchen liegen in einem Vier-mal-vier-Raster. Indem ich Arbeiter oberhalb einer Spalte oder neben einer Zeile platziere, erhalte ich ein Plättchen aus dieser Reihe. Das kann eine neue Maschine für eine meiner Montagelinien sein oder ein Manager, der sich positiv auf meinen Gesamtbetrieb auswirkt. Stehen an meinem Zielort schon fremde Arbeiter, verdränge ich sie, muss aber einen mehr hinstellen. Das freut den Mitspieler, denn er bekommt seine Figuren zurück und darf sie erneut verwenden.
Meistens erzwingt der Plättchenerwerb den Bau eines Autos. Das wiederum kostet Geld, und Geld ist in AUTOMANIA extrem knapp. Gespielt werden vier Durchgänge, und wer in einem Durchgang mehr als drei Züge machen kann, darf schon recht zufrieden sein.

Autofabrik mit drei Montagelinien
Was passiert? Knappe Kassen und knappe Arbeitervorräte bewirken einerseits: Spielreiz! Man muss sich entscheiden, man muss sich fokussieren. Meiner Erfahrung nach fährt besser, wer nur für einen Markt Spitzenautos baut, statt für beide Märkte Mittelmaß. Weil sich die Nachfrage von Durchgang zu Durchgang nur moderat ändert, lässt sich einigermaßen langfristig planen.
Gut läuft es für den, der sich relativ konkurrenzlos auf einem der Märkte ausbreitet. Vielleicht weil er das clever eingefädelt hat. Vielleicht aber auch nur, weil die zufällige Plättchenauslage der Konkurrenz gar keine andere Wahl lässt. Der in der Sitzreihenfolge Hinterste kann durchaus erleben, dass entscheidende Teile abgegrast sind, bevor er das erste Mal an die Reihe kommt.
Knappe Kassen und knappe Arbeitervorräte verhindern andererseits: erfolgreiches Aus-dem-Bauch-Spielen! Um in zwei Aktionen noch Plan X und Plan Y hinzubekommen, muss man nicht bloß Geld- und Arbeiterbedarf durchrechnen und zudem einkalkulieren, was die anderen Spieler vorhaben mögen. Oft kommt es darüber hinaus auf jedes einzelne Sternchen an. Denn jeder Spieler will Auftragskarten erfüllen und kassiert beispielsweise vier Extrapunkte, wenn er einen Sportwagen mit Servolenkung und mindestens 14 Sternchen baut. Ohne solche Extrapunkte wird man nicht gewinnen. Angesichts der knappen Züge bedeutet das aber, jeden einzelnen Schritt so sehr zu optimieren, dass möglichst viel unter einen Hut passt. Die Spieler müssen mehrere Züge im Kopf vorausplanen. Und viele rechnen da lieber zwei Mal, bevor am Ende ein doofer Stern fehlt.

Markt und Nachfrage in den USA
Was taugt es? Nicht jede Spielegrafik muss auch als Ölgemälde funktionieren, aber diese Comic-Grafik sieht schon arg nach Clipart aus und setzt für mein Empfinden auch das falsche Signal, bei AUTOMANIA handle es sich um ein Spiel für Neunjährige.
Die Optik zieht (außer man ist neun) nicht gerade ins Spiel, ist aber funktional. Als ebenso klar und gut stellen sich die Mechanismen heraus. In überraschend wenigen Durchgängen, mit moderater Komplexität und niedrigem Materialaufwand gelingt es AUTOMANIA, Produktionsprozesse für Märkte mit wechselnder Nachfrage spielerisch abzubilden. Das Spiel steckt voller taktischer und strategischer Entscheidungen und bietet genügend Abwechslung, um über mehrere Partien herausfordernd zu bleiben.
Dass man durch Unwissenheit oder Fehlentscheidungen schon früh zurückfallen kann, finde ich bei einem Kennerspiel akzeptabel. Man lernt ja hoffentlich dazu. Weil sich AUTOMANIA im Detail dann aber doch sehr tüftelig spielt und Zeit verplempert, indem es die Teilnehmer wiederholt dazu zwingt, Kleinigkeiten auszurechnen, fehlt für mein Empfinden der entscheidende letzte Schritt zum Klassespiel, und AUTOMANIA bleibt im besseren Mittelmaß stecken.

AUTOMANIA von Kristian A. Østby und Kenneth Minde für zwei bis vier Spieler, Aporta Games.

3 Kommentare:

Lukas hat gesagt…

Wir haben uns in den letzten Tagen auch Automania angeschaut und fanden das Spiel erfrischend im Vergleich zu den Spielen der letzten Zeit. Die Illustrationen empfand ich sogar als passend und irgendwie auch witzig - hat mich an meinen alten Job erinnert ;-)

Anonym hat gesagt…

Seh ich genauso. Die Illustrationen sind ein Griff ins Klo.
Jan

Tristan Ruff hat gesagt…

Ich bin zwar auch erst zweimal neun, aber mir gefällt die Grafik ;)

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