Freitag, 28. November 2008

Zug um Zug - Das Kartenspiel

Nicht überall, wo ZUG UM ZUG drauf steht, ist auch ZUG UM ZUG drin. Wer sich vom Kartenspiel ein ähnliches Spielgefühl wie beim Brettspiel erhofft, dürfte ziemlich enttäuscht werden. DAS BÖSE SPIEL MIT KARTEN wäre der treffendere Titel gewesen. Aber einmal mehr entscheiden diese Marketing-Fuzzis anders als ich es vorgeschlagen hätte. Stellen Sie sich vor: Nicht mal um Rat wurde ich gefragt!


Wie geht ZUG UM ZUG - DAS KARTENSPIEL? Wir sammeln Farbkarten in vorgegebenen Kombinationen. Besitze ich den Auftrag „Los Angeles – Pittsburg“, dann benötige ich zu seiner und meiner Erfüllung eine weiße, zwei blaue und eine violette Karte. Das zählt dann 18 Punkte. Im Falle des Misserfolgs 18 Minuspunkte.
Kompliziert wird es dadurch, dass jeder Spieler wesentlich mehr als nur einen Auftrag zugleich am Hacken hat. Und noch komplizierter macht es die Vorschrift, dass man die bereits gesammelten Karten nicht mehr ansehen darf. Man muss sich das alles merken: Vier blaue, zwei rote, ein Joker, zwei grüne. Vier blaue, zwei rote, ein Joker, zwei grüne...
Ach, und das Sammeln selbst ist auch nicht so einfach wie im Brettspiel: Karten auf die Hand zu ziehen, ist hier nur der vorbereitende Schritt. Um die Karten dann in die Sammlung zu befördern, müssen sie erst einmal ausgespielt werden. Man spielt beliebig viele von exakt einer Farbe. Falls diese Farbe schon bei einem Mitspieler ausliegt, muss man um mindestens eine Karte übertrumpfen. Damit eliminiert man die Farbe des Mitspielers. (Und die Freundschaft ebenfalls.)
Karten gehören einem erst dann, wenn sie in der verdeckten Sammlung ankommen. Und wie machen sie das? Zu Beginn jedes Spielzugs transferiert man von jeder seiner ausliegenden Farben eine Karte ins sichere Versteck. Das ist Grund zur Freude - und zur Sorge: Die reduzierte Auslage wird nämlich ZUG UM ZUG angreifbarer.

Was passiert? ZUG UM ZUG - DAS KARTENSPIEL erfordert hohe Aufmerksamkeit. Nimmt ein Mitspieler viele gelbe Karten auf die Hand, wird er offenbar demnächst Gelb ausspielen. Also lieber nicht selber Gelb legen; wird ja doch von der Platte geputzt. Warten und weitersammeln? Auch nicht toll. Schließlich will man ja irgendwann mal Aufträge erfüllen.
Wann angreifen? Welche Farbe ausspielen? Noch Aufträge nachziehen? Und hatte ich jetzt eigentlich schon vier schwarze Karten im Stapel oder erst drei? Und rote... hatte ich rote?? Wer ZUG UM ZUG – DAS KARTENSPIEL spielt, ist gedanklich nicht gerade unterbeschäftigt.

Was taugt es? Einige Mitspieler klinken sich bereits deshalb aus, weil sie es zu anstrengend finden, die Farbzusammensetzung ihres Stapels im Kopf zu behalten. Wer dann noch übrig bleibt, sollte Frustresistenz mitbringen: Es lässt sich schlichtweg nichts Positives daran entdecken, wenn ein Mitspieler die mühsam gehorteten und mutig ausgespielten grünen Karten in den Orkus jagt.
ZUG UM ZUG – DAS KARTENSPIEL ist anstrengend, überfordernd, demütigend und niederträchtig. Der Sammelmechanismus allerdings ist viel zu trickreich und spannend, um sich wegen solcher Lappalien in Bockshorn jagen zu lassen.

ZUG UM ZUG – DAS KARTENSPIEL von Alan R. Moon für zwei bis vier Spieler, Days of Wonder.

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