Donnerstag, 30. Juli 2009

Sylla

Der Gag mit dem obligatorischen „Y“ im Titel der Ystari-Spiele wirkt mittlerweile yberstrapaziert. Wenn den Machern für ihr Rom-Spiel tatsächlich nichts Besseres als SYLLA einfällt, obwohl der Diktator tendenziell wohl doch eher Sulla hieß und als vor unserer Zeitrechnung Gestorbener aller Wahrscheinlichkeit nach auch nichts mit Christen und ihrer Verfolgung zu tun gehabt haben kann, ist es entweder an der Zeit, ayurvedische Kreativ-Seminare mit Aromadusche und Kuschelkur zu belegen oder den Lieblings-Gag schlicht unter den Tisch fallen zu lassen.

Wie geht SYLLA? Die Spieler sammeln Siegpunkte, indem sie sich im Alten Rom um Demokratie, Gesundheit oder Muße verdient machen. Farbige Chips symbolisieren das Ausmaß der Profilierung in jedem dieser Bereiche. Wie viel jede Marke wert ist, hängt am Ende davon ab, welches Thema der Bevölkerung am Herzen liegt, und dies wiederum lässt sich manipulieren.
Zentrales Spielelement ist die wachsende Zahl von Gefolgsleuten, die jeder Politiker um sich schart (siehe Foto). Hauptsächlich dienen sie als Stimmvolk und entscheiden darüber, welcher Spieler bei Versteigerungen Bauwerke gewinnt, die ihm nun entweder Chips, Geld oder Siegpunkte einbringen. Doch jede Figur besitzt noch eine Zweitfunktion. Die kommt zum Tragen, wenn die Karte nicht zum Gebäudeerwerb eingesetzt wurde.
Vestalinnen beispielsweise verzögern oder beschleunigen kommende Ereignisse, die wiederum für manche Spieler harte Schicksalsschläge darstellen: Plünderungen verringern das Einkommen, die Christenverfolgung eliminiert gläubige Gefolgsleute, Kaiserkult lässt das Interesse an Demokratie ins Bodenlose sinken.

Was passiert? Sehr viel ist bei SYLLA miteinander verzahnt. Fast schon zu viel, denn langfristig planbar ist das Ganze kaum. Insbesondere die Regelung der Ereignisfolge täuscht mehr Machbarkeit vor als tatsächlich gegeben. Fast alles bei SYLLA beschränkt sich deshalb auf taktische Entscheidungen für den Augenblick.

Was taugt es? SYLLA würde vermutlich noch mehr Spaß machen, hätte man den Eindruck, einen großen Plan verfolgen zu können. Doch immerhin verläuft das Spiel sehr abwechslungsreich und unterhaltsam: Mal stürzt die Römische Republik in Anarchie, mal entsteht ein Vorzeigestaat mit blendendem Gesundheitswesen. Ein paar Partien lohnen sich schon, um zu erforschen, was alles passieren kann. Trotz yberflyssigem „Y“ also ein weiteres grundsolides Ystari-Spiel.

SYLLA von Dominique Ehrhard für drei bis vier Spieler, Ystari.

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