Dienstag, 15. Juni 2010

Assyria

Es dauerte eine ganze Weile, bis ASSYRIA nach der Essener Messe 2009 erstmals auf meinen Spieltisch kam. Davor wiederholte sich immer dieselbe Prozedur: Ich bereitete die Regeln vor, aus irgendwelchen Gründen wurden andere Spiele gespielt, ich vergaß die Regeln wieder. Also bereitete ich die Regeln erneut vor, aus irgendwelchen Gründen wurden andere Spiele gespielt, prompt vergaß ich wieder alles. Und so weiter.
Exakt so sehen Warnhinweise auf Demenz im kritischen Stadium aus. Ebenso sehen aber auch Warnhinweise auf verkopfte Mechanismen ohne Spielgeschichte aus. – Und die Diagnose...?
REZENSIONEN FÜR MILLIONEN ist ein liberales Blog. Der Leser darf sich also seinen eigenen Reim auf das Geschehen machen. In diesem Artikel wird jedoch die zweitgenannte Interpretation weiterverfolgt, die mit den... äh, wie hieß das noch mal, den... ähm, dings...

Wie geht ASSYRIA? Häh... ASSYRIA?! Das Wort habe ich noch nie...
Ach, nein, jetzt weiß ich´s wieder: ASSYRIA verzahnt unheimlich viele Mechanismen.
Im Zeitraffer: Nach einer bestimmten Prozedur wählen die Spieler Karten, die unterschiedliche Sorten und Mengen Nahrung zeigen.
Die Nahrung benötigen wir, um unsere Siedlungen zu unterhalten. Mit Siedlungen wiederum expandieren wir und erhalten je nach Standort Siegpunkte oder Kamele. Und Kamele schließlich lassen sich auf verschiedene Weise einsetzen, um Nahrung zu kaufen oder kurz- oder langfristig weitere Siegpunkte zu bekommen.

Was passiert? Geht man die Partie endlich an, spielt sich ASSYRIA flüssiger als zu befürchten war. ASSYRIA ist weder besonders schwierig noch langatmig und steckt voller kleiner taktischer Entscheidungen. Genügend Wiederspielreiz für eins, zwei weitere Partien ist vorhanden. Dennoch ist eines absolut nicht erkennbar: eine Art Alleinstellungsmerkmal.

Was taugt es? ASSYRIA ist handwerklich eine runde Sache und als Mechanismen-Mix durchaus interessant. Bloß angesichts der Konkurrenz im Genre der Spielerspiele sind diese Eigenschaften inzwischen gerade mal besserer Standard. Um hier aus der Masse noch herauszuragen, fehlt entweder eine stimmige Spielgeschichte oder eine überwältigende Optik oder ein neuartiger Ablauf oder der besondere Funke Inspiration. ASSYRIA aber wirkt nicht inspiriert. ASSYRIA wirkt wie noch mehr vom Üblichen.

ASSYRIA von Emanuele Ornella für zwei bis vier Spieler, Ystari Games.

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