Donnerstag, 8. März 2012

Tante Trudels Trödel

Folgendes vorweg: Ich kenne Tante Trudel nicht persönlich. Sie hat mir nichts getan, ihr Laden ist bestimmt ganz entzückend und jederzeit einen Besuch wert. Ziemlich sicher ist Tante Trudel auch gegen Atomkraft, liest die spielbox, mag den FC St. Pauli und ist furchtbar lieb zu ihren Enkelkindern. Meine Kritik an den spielerischen Vorgängen in Tante Trudels Trödelgeschäft richtet sich nicht gegen Tante Trudel als Person.

Wie geht das Spiel? 25 Holzgegenstände (Trödel) sind im Spiel. Drei davon werden zu Beginn der Partie willkürlich ausgewählt und beiseite gelegt. Sie nennen sich „Trödel des Tages“. Alle Spieler sammeln im Laufe der Partie ebenfalls drei Gegenstände. Sie sollen schwerer sein als die Sammlung der Konkurrenz – aber leichter als der Tageströdel. Zur Gewichtsermittlung enthält das Spiel eine Balkenwaage aus Holz und Pappe.
Das Sammeln der Gegenstände ist unspektakulär. Der Würfel entscheidet, wie weit mein Einkaufskorb um den Spielplan herumrückt. Aus der erreichten Reihe nehme ich mir einen Trödel oder tausche einen aus. Wer einen „Einkaufsgutschein“ besitzt, darf sich auch beim Mitspieler bedienen. In Reihen mit Waage-Symbol darf die eigene Fracht probehalber gegen den Tageströdel abgewogen werden.

Was passiert? Es herrscht Langeweile und die Waage nervt.
Warum herrscht Langeweile? Die Gewichtsdifferenzen der Holzteile bewegen sich im Zehntelgramm-Bereich und sind per Gefühl nicht zu unterscheiden. Man verlässt sich ersatzhalber aufs räumliche Denken und versucht, das Volumen der Gegenstände abzuschätzen. Was kaum weniger komplex ist, schließlich muss man gedanklich die Volumen dreier Dinge addieren und mit der potenziellen Volumensumme des Tageströdels vergleichen.
Mag sein, dass es mit anderen, unterschiedlicheren Trödel-Gegenständen zu einfach und zu durchschaubar gewesen wäre; so aber führen die Mikro-Differenzen zu einer gewissen Beliebigkeit und schließlich zu Gleichgültigkeit. Beim behäbigen, pseudo-taktischen Einsammeln kommt keine Spannung auf.
Warum nervt die Waage? Sie ist klapprig, ungenau und schwer zu tarieren. Die Schalen hängen ständig schief, jeder Wiegevorgang wird zur Geschicklichkeitsübung. Und stößt mal jemand gegen die Pappkonstruktion, kann mit dem Tarieren von vorn begonnen werden.

Was taugt es? Nichts. Natürlich finde ich das Bemühen um neue Spiel-Elemente gut. Aber Spaß machen sollte es schon. Und sauber funktionieren.

TANTE TRUDELS TRÖDEL von Steffen Bogen für zwei bis vier Spieler, Zoch.

1 Kommentare:

SenetFF hat gesagt…

Als der Trödel noch zu unterscheiden und die Waage stabil war, hat's tatsächlich (mehr) Spass gemacht... Aber vielleicht sollten wir uns tatsächlich mal kennenlernen... findet Tante Trudel

Kommentar veröffentlichen

Liebe Anonym-Poster, bitte postet nicht völlig anonym. Ich habe Verständnis, wenn sich jemand wegen eines Kommentares nicht extra registrieren möchte. Aber es besteht ja die Möglichkeit, den eigenen Namen unter den Kommentar zu schreiben, und sei es nur der Vorname oder ein Nickname. Danke!