Sonntag, 27. Mai 2012

Africana

Da mir in meinen Spielerunden zuletzt ein wenig die Autorität und Meinungsführerschaft abhanden gekommen sind, steht der Mai im Zeichen des Widerstandes. Zur Rezension wähle ich Spiele, die mindestens einem oder gar mehreren meiner Mitspieler besonders gut gefallen, und schreibe: Hey, Moment mal, tschuldigung, ganz so intergalaktisch ist das Spiel nun auch wieder nicht. Und nur ich habe Recht. Tipptopp! Klippo! Erster Sager!

Wie geht AFRICANA? Wir bereisen Afrika. Immer fünf „Expeditionen“ liegen offen zur Auswahl und besagen zum Beispiel: „Gehe von Addis Abeba nach Congo.“ Zur Belohnung gibt es Siegpunkte und Geld. Das Geld dient hauptsächlich dazu, um sich private Aufträge hinzuzukaufen, die man nebenbei auch noch erledigen will. Diese Aufträge werden in den Kartenkatalogen angeboten, die uns Älteren noch aus VALDORA bekannt sind.
An den öffentlichen Aufträgen darf sich jeder beteiligen, der den Startort erreicht. Er erhält sogar einen „Beitrittsbonus“ (Geld oder eine Reisekarte). Kommt der erste Teilnehmer am Zielort an, ist der Auftrag erledigt und aus dem Spiel und wird durch einen zufälligen neuen ersetzt.
Wer an die Reihe kommt, darf entweder Reisekarten nachziehen, oder welche ausspielen, um seine Figur zu bewegen. Jeder Ort hat ein bis zwei Farbmarkierungen. Um die Figur zu einem Nachbarort zu ziehen, muss man eine Karte seiner Farbe spielen.
Erledigte Privataufträge bringen entweder Sammelgegenstände, die am Schluss für einen großen Punktebonus sorgen können, oder Helfer. Helfer sind Reisekarten, die nach dem Ausspielen nicht abgegeben, sondern wieder auf die Hand genommen werden. Sie ersparen also einige Male das Nachziehen. Allerdings zählen sie am Schluss unabwendbar Minuspunkte.

Wie fühlt es sich an? AFRICANA hat einige Längen. Erstens weil man die Start- und Zielorte auf dem Spielplan finden muss. Zweitens weil der Zug des Vordermanns die Situation stark verändern kann und dann dazu zwingt, mit dem Austüfteln der optimalen Reiseroute von vorn zu beginnen.
AFRICANA hat aber auch einige Reize: Eigentlich möchte man Züge sparen und, wenn schon, dann richtig weit laufen und mehrere Ziele auf einmal abklappern. Allerdings gibt es ständig Verlockungen, um seine Züge dann doch für ganz kurze Reisen zu verbraten. Oder es treibt die Sorge, die Mitspieler könnten einem etwas wegschnappen.
Gelungen finde ich auch das Wechselspiel zwischen Nord- und Südhälfte des Kontinents. Im Norden kann man bloß Privataufträge kaufen, für die man in den Süden reisen muss. (Und umgekehrt.) Bei den öffentlichen Aufträgen wechseln sich Norden und Süden mehr oder weniger ab, und während die Mitspieler den Süden abgrasen, bietet es sich vielleicht an, antizyklisch im Norden zu verweilen und darauf zu hoffen, dass einem einige der kommenden Aufträge vor die Füße fallen.

Was taugt es? Anfangs habe ich geglaubt, dass derjenige gewinnt, der als Erster an Helferkarten herankommt, und es hat einige Partien gebraucht, bis diese These endlich widerlegt wurde. Spaß gemacht hatte mir AFRICANA aber schon vorher. Vor allem die Beitrittsboni sind ein toller Mechanismus, weil sie so schöne Zwiespälte auslösen: Nur um ein paar Zehntel mehr herauszukitzeln und einen Bonus abzugreifen, ändere ich vielleicht doch noch mal meinen Plan. Und dies wiederum setzt die Mitspieler unter Druck, ihre Expeditionen beizeiten zu beenden. Könnte ja sein, dass mir der Bonus Appetit auf noch mehr gemacht hat.
Insgesamt ist AFRICANA eine stimmige Angelegenheit. Es ist ein gradliniges Taktikspiel, bei dem ich gerne mitspiele. Um es selber vorzuschlagen, fehlt mir allerdings das besondere Merkmal, was auch immer das sein soll. Vielleicht etwas mehr Emotionalität oder ein packendes Thema oder, wie man so sagt, mehr Kante.

AFRICANA von Michael Schacht für zwei bis vier Spieler, Abacusspiele.

3 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

> Erstens weil man erst mal die Start- und Zielorte auf dem Spielplan finden muss.
AHAHAHA. Mein Geographielehrer hat mich in der 7. Klasse alle afrikanischen Staaten und Hauptstädte auswendig lernen lassen. Ich brauche dieses Spiel! Endlich wird es sich bezahlt machen! Begeisterung und Freude werden herrschen, während meine Mitspieler Blumen auf mich regnen lassen! Der Sieg der Herzen ist mir gewiss!

Maddin hat gesagt…

Geschenkt, lieber Vor-Kommentator.
Hier in Addis Abeba kam das Spiel (vor drei Wochen zu meinem Geburtstag portokostenfrei ins Land geliefert) beim bisher ersten Test zu dritt ganz gut an - auch wenn es (zumindest gefühlt) sehr früh durch eine Serie von glücklich nachgezogenen Auftragskarten entschieden war. Aber mal sehen: Heute oder spätenstens Mittwoch Abend gibt's bestimmt den nächsten Testlauf, und dann ganz sicher in voller Besetzung zu viert.

Liebe Grüße an alle vom geheimnisvollen afrikanischen Kontinent!!!

Andreas und Björn Kalies hat gesagt…

Wie oft ich Maddin schon zumindest auf dem Spielplan besucht habe :-) Dabei ist Addis Abeba recht umständlich zu erreichen...

Ich liebe Africana - ein absolut rundes Familienbrettspiel. Der Einstiegsbonus ist das Geheimnis - keiner spielt alleine vor sich hin - schneller als die Konkurrenten zu sein ist angesagt. Macht Spaß - die Orte hat man spätestens nach der 3. Partie drauf - kein Suchen mehr sondern schnell und flockig gespielt - und jedes mal spannend bis zum Schluss.

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