Dienstag, 6. Mai 2008

Lascaux

LASCAUX fand ich sofort bescheuert. Das Spiel wurde uns 2007 am Phalanx-Stand auf der Messe in Essen erklärt, und zwar völlig falsch. Es erschien uns von Anfang an seltsam; aber treudoof, wie wir waren, spielten wir trotzdem so. Erst hinterher kamen wir auf die Idee, ein wenig in den Regeln zu stöbern. Und siehe da: Autsch! Schmerz lass nach! Ein ganz anderes Spiel, lediglich mit demselben Material.

Wie geht LASCAUX? Wir sammeln Tiere. Sechs Sorten gibt es, je neun Stück. Nur wer die meisten einer Sorte besitzt, bekommt Punkte dafür. Und zwar so viele, wie er von dieser Sorte Tiere hat. Jede Runde werden Tierkarten aufgedeckt und versteigert. Auf jeder Karte befinden sich Hände in zwei Farben und jeder Spieler legt geheim fest, Karten welcher Handfarbe er in dieser Runde erobern möchte. Der Versteigerungsmechanismus ist denkbar einfach: Entweder man spielt einen Stein in die Mitte oder man nimmt sich den gesamten Pott und steigt aus. Wer als Letzter übrig bleibt, gewinnt und nimmt sich alle Tiere seiner gewählten Farbe. Der Zweite erhält die übrigen Tiere seiner Farbe und so weiter. Das Spiel endet, wenn alle 54 Viecher ihren Besitzer gefunden haben.

Was passiert? Am Anfang schnappt man sich erst mal irgendwas. Hauptsache viel. Weil aber nur der Mehrheitseigner punktet, fängt man bald an, sich auf bestimmte Tiersorten zu konzentrieren. Und wird dadurch ausrechenbarer: Ralph sammelt Mammuts und Nashörner? Also dürfte er eine blaue Hand gespielt haben, denn so bekäme er zwei Mammuts und ein Nashorn (siehe Foto.) Da Ralph viel mehr Steine hat als ich, wird er sich bei der Versteigerung durchsetzen. Blau kann ich also vergessen und somit auch den weiß-blauen Hirsch, der Ralph eigentlich gar nicht interessiert, den er aber trotzdem einsackt. Bleibt mir nur Grün, und ich muss zusehen, dass ich vor Johannes lande, denn sicherlich wählt der auch Grün oder Pink.
Jetzt bieten wir. Tatsächlich bleiben Ralph und ich bis zum Schluss übrig, doch warum sollte ich die Nerven verlieren und schon aussteigen? Ich kann Ralph doch erst mal ein bisschen schröpfen. Für seine vier Karten soll er wenigstens ordentlich bluten, haha! Aber was macht dieser Schuft? Passt einfach! Spekuliert darauf, dass ich bestimmt nicht Blau gewählt habe, hat damit unverschämterweise auch noch Recht und raubt mir meine letzten Kröten!

Was taugt es? LASCAUX kann gnadenlos sein. Bezahlte Steine und erhaltene Tierkarten stehen häufig in einem eklatanten Missverhältnis. Mancher opfert viele Steine, landet trotzdem nur auf Rang zwei, und zu allem Überfluss hat der Erste dieselbe Farbe gewählt und dem Zweiten bleibt nichts. Ein anderer passt früh und gewinnt dabei unverhofft drei Tiere, weil niemand sonst sich getraut hat, die offensichtliche Top-Farbe zu wählen. Wer am Anfang zwei Mal ins Klo greift, holt den Rückstand selten wieder auf. Bei einem flotten, kurzweiligen Versteigerungsspiel ist das aber verschmerzbar. Zum Zocken gehört auch das Verzocken naturgemäß mit dazu.
Der einfache und dennoch trickreiche Versteigerungsmechanismus ist das Prunkstück von LASCAUX: Wie lange ziehen die anderen mit? Wie viele Steine kann ich rausschlagen? Außer bei meiner allerersten Partie hat mich LASCAUX noch nie gelangweilt. Ich würde gerne wieder mitspielen, nicht zuletzt, weil ich mit Ralph noch eine Rechnung zu begleichen habe.

LASCAUX von Dominique Ehrhard und Michel Lalet, für drei bis fünf Spieler, Phalanx.

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