Mittwoch, 11. November 2009

Cartagena - Die Meuterei

Bekanntlich gibt es auf Piratenschiffen dauernd Streit. Kein Pirat kann sich da raushalten, jeder an Bord muss Farbe bekennen: Bayern oder HSV? AC/DC oder KISS? Captain Valverde oder Steuermann Ramon Diaz?

Wie geht CARTAGENA – DIE MEUTEREI? Im ersten Spielabschnitt sammeln die Spieler Kampfkarten und Gold, legen ihre Gesinnung fest und ordnen je fünf Piratenfiguren der einen oder der anderen Seite zu. Die starken Jungs (Stärkepunkte an der Unterseite der Figur ablesbar) natürlich der eigenen Seite.
All dies geschieht, indem man nacheinander eine Reihe von Piratenkarten aufdeckt. Jede offeriert eine Aktionsmöglichkeit. Diese nimmt man wahr oder man guckt, was die nächste Karte bringt. Dumm gelaufen, falls sie schlechter ist, denn auf die erste darf man nun nicht mehr zurückgreifen. Vielleicht also einfach eine weitere aufdecken? Huch, ganz dumm: ausgerechnet der Geist. Jetzt bekommt man gar nichts.
Im zweiten Spielabschnitt erfolgt die blutige Nachbereitung. Zwei Piratenfiguren verschiedener Lager treten gegeneinander an. Ihre individuelle Kampfkraft können die Spieler mit verdeckten Kartenbeigaben noch verstärken. Sobald eine Seite drei Zweikämpfe gewinnt, ist die Meuterei entschieden. Unter den Spielern mit der Gesinnung der Siegerseite gewinnt derjenige, der mehr Gold besitzt.

Was passiert? Tja, zunächst einmal passiert, dass dieser Text ziemlich lang wird. CARTAGENA – DIE MEUTEREI ist eines der originellsten Spiele 2009 und erfordert tatsächlich mal ein paar Sätze mehr. Und genau deshalb kommen hier noch welche:
Die Kunst in Abschnitt eins besteht nicht nur darin, möglichst viel von möglichst allem zu raffen, sondern sich zugleich auf die richtige Seite zu schlagen. Oder wenn man feststellt, dass die ehemals richtige Seite inzwischen die falsche ist, diese schleunigst zu wechseln.
Und welche Seite ist die richtige? Die, die gewinnt natürlich. Bestimmte Piratenkarten erlauben, fremde Gesinnungen oder die Stärke bereits aufgestellter Piraten anzuschauen. Das gibt Aufschlüsse. Andererseits ist die richtige Seite dann doch die falsche, wenn hier schon jemand dabei ist, der deutlich mehr Gold hat als man selbst. Kurz gesagt: Die Sache ist diffizil, und optimalerweise benötigt man einen Partner, der die entscheidenden Kampfkarten in die Gemeinschaft mit einbringt, während man selbst... ähm, das nötige Geld beiseite schafft, um das Spiel zu gewinnen.

Was taugt es? Mit seiner Originalität, der stimmigen Spielgeschichte und -atmosphäre besitzt CARTAGENA – DIE MEUTEREI viele Pluspunkte. Durchgesetzt hat es sich bei mir dennoch nicht ganz, weil es Längen hat, bevor endlich der Showdown losgeht, und weil manche Teilnehmer schon vor dem Showdown erahnen können, dass sie chancenlos sind.
Als beste Strategie hat sich erwiesen, Gold zu sammeln und sich bei jemandem einzuzecken. Selber schuld, könnte man sagen, wenn einer so dumm ist, das Gold zu vernachlässigen. Stimmt aber nicht ganz. Was man bei den Piratenkarten findet und was nicht, gibt die Marschrichtung stark vor.
Am interessantesten ist CARTAGENA – DIE MEUTEREI zu dritt. Hier kann tatsächlich jemand aussichtsreich versuchen, das Gold Gold sein zu lassen und mit seiner Kampfkarten-Übermacht alleine gegen zwei zu gewinnen. Vorausgesetzt natürlich, keinem der beiden reicheren Spieler gelingt es, sich noch auf seine Seite zu schlagen.

CARTAGENA – DIE MEUTEREI von Michael Rieneck für zwei bis vier Spieler, Winning Moves.

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