Freitag, 22. Januar 2010

Dixit

DIXIT verlangt Phantasie. Und der Spielregel-Übersetzter ins Deutsche hat den Eignungs-Test sogleich glänzend bestanden. Er erfand eine künstlerisch wertvolle neue Wertung, die vor allem in großer Runde das Ergebnis surreal verzerren kann.

Wie geht DIXIT? Das Besondere an DIXIT sind die 84 großformatigen und bewusst assoziativ gehaltenen Kartenmotive. In jedem der Bilder lässt sich viel erkennen und es lässt sich noch mehr hineininterpretieren. Jeder Spieler hat sechs solcher Karten auf der Hand. Einer - der reihum wechselnde „Erzähler“ - wählt verdeckt eine seiner Karten aus und trifft zu diesem Bild eine Aussage. Das kann alles Mögliche sein: ein Wort, ein Satz, eine Liedzeile, ein Zitat oder was einem sonst gerade so in den Kopf kommt wie, hm, sagen wir mal... „REZENSIONEN FÜR MILLIONEN!“.
Alle anderen Spieler wählen nun aus ihrem Vorrat ein Bild, das zu der Vorgabe passt (siehe Foto-Beispiele). Die Karten werden gemischt, und jeder versucht zu erraten, welches Motiv vom Erzähler stammt. Der Erzähler erhält Punkte, sofern Mitspieler - aber nicht sämtliche Mitspieler! - sein Bild erraten. Die anderen Spieler punkten, wenn auf ihr Bild getippt wurde oder wenn sie dem Erzähler auf die Schliche kamen.

Was passiert? Am Anfang machen fast alle fast alles falsch. Die Betitelungen sind viel zu konkret; des Rätsels Lösung erfordert bloß ein müdes Lächeln.
Aber man lernt ja dazu. Die Umschreibungen werden blumiger, die Assoziationen abstrakter. Und jetzt wird es interessant. Plötzlich kann sogar fast alles in fast jedem Bild stecken. In Runden, die dem Kommunikationsspiel zugewandt sind, entsteht ein großes Hallo; es wird gelacht, diskutiert, hinterfragt. In anderen Runden... funktioniert DIXIT auch, wird aber nach einer Partie trotzdem wieder eingepackt.

Was taugt es? Bei DIXIT kann jeder mitmachen, deshalb ist es als Eisbrecher eine sichere Bank. Oder besser: eine beinahe sichere, denn manche Spieler erleben die „Erzähler“-Rolle als genauso unangenehm wie Drangenommen-Werden in der Schule.
Für mein Empfinden mündet der Spielreiz nicht in einen Dauerspielreiz. Die grundlegenden Mechanismen und die Abrechnung sind nicht neu; und nachdem ich ein paar Mal die Überraschung erlebt habe, wie vieldeutig sich Bilder interpretieren lassen und wie meine Mitspieler die Bilder deuten, ist es irgendwann eben doch nicht mehr so überraschend.

DIXIT von Jean-Louis Roubira für drei bis sechs Spieler, Libellud.

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