Samstag, 30. Januar 2010

Tobago

TOBAGO ist herrlich schön: atmosphärische Grafiken, aufwändig modelliertes Spielmaterial, ein Spielplan, der sich auf verschiedene Arten zusammenstecken lässt und jedes Mal eine andere traumhafte Tropeninsel bildet. Der Aufenthalt in diesem Paradies wird zusätzlich versüßt durch die berechtigte Aussicht, mit Taschen voller Gold zurückzukehren. Nichts wie hin!

Wie geht TOBAGO? Der Spielplan zeigt verschiedene Landschaften wie Dschungel und Strand. Darauf stehen Orientierungspunkte wie Palmen und Hütten. Die Spieler besitzen Handkarten, die jeweils eine Detailinformation zur Lage eines Schatzes geben, beispielsweise „nicht im Gebirge“ oder „ein oder zwei Felder neben einer Palme“ oder „im größten See“.
Wer am Zug ist, spielt eine dieser Karten aus und ordnet sie einer beliebigen von vier ausliegenden Kartenreihen zu. Jede Reihe bildet die gesammelten Informationen über einen Schatz. Die noch in Frage kommenden Sechseckfelder markiert man mit bunten Holzwürfeln. Ist nur noch ein Feld übrig, kann ein Spieler mit Jeep in Reichweite den Schatz bergen.
Der Finder und alle Hinweisgeber teilen sich die Beute zu mehr oder weniger gleichen Teilen. Über die genaue Punktvergabe entscheidet eine kleine Zockerei. Jedoch stellen sich im Laufe des Spiels zwei Schätze als verflucht heraus, und wer jetzt kein Amulett vorweisen kann, welches man wiederum mit dem Jeep... und das man auch für andere Dinge... und dann drehen sich die Statuen... kurzum: In TOBAGO stecken viele Kleinigkeiten.

Was passiert? Dreierlei. Erstens unterlaufen enorm viele Regelfehler. Man vergisst dies, übersieht das, interpretiert jenes falsch. Aus meiner Sicht ein Indiz dafür, dass TOBAGO nicht hundertprozentig rund ist. Zweitens maulen einige Schatzsucher über die Willkür der Flüche. Tatsächlich sind diese bösen Überraschungen meist spielentscheidend, andererseits verschärfen sie den Nervenkitzel beim Zocken und passen auch thematisch gut. Und drittens schafft das Knobeln mit den Hinweiskarten eine atmosphärische Dichte, wie man sie nur selten erlebt: Selbst Spieler, die beim entsprechenden Schatz überhaupt nichts zu melden haben, beteiligen sich fasziniert am Verteilen und Wegnehmen der Markierungs-Würfelchen. Einfach so, weil es Spaß macht.

Was taugt es? Für TOBAGO gilt Ähnliches wie neulich schon für PROFESSOR PÜNSCHGE: Der Versuch, aus dem begeisternden Rohmaterial einen funktionierenden Wettbewerb zu machen, mündet in ein nicht ganz perfektes Spiel. Der eigentliche Kern wird durch viele Extras überlagert. Das, was am meisten Spaß macht, wird ausgebremst durch das, was taktisch sein soll.

TOBAGO von Bruce Allen für zwei bis vier Spieler, Zoch.

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