Donnerstag, 11. März 2010

Steam

Als Spieler müsste man doch sehr an seinem Hobby zweifeln, stünde einem als Informationsquelle ausschließlich REZENSIONEN FÜR MILLIONEN zur Verfügung. Dauernd ist alles nur „solide“, „mäßig“, „überflüssig“. Die Note „außerordentlich“ gab es hier zuletzt vor über einem halben Jahr! Doch das hat Gründe. Erstens - tut mir Leid, ist aber so: Ich bemühe mich, reizvolle oder außerordentliche Spiele vorrangig in der Spielbox zu besprechen. Zweitens - tut mir Leid, ist aber ebenfalls so: Es gibt wirklich nicht so viele außerordentliche Spiele!

Wie geht STEAM? Wer AGE OF STEAM kennt, kennt auch STEAM. Wer AGE OF STEAM nicht kennt, lausche meinen Worten: Bei STEAM geht um Warentransport per Eisenbahn. Die Farbe der Warensteine gibt ihre möglichen Zielorte an. Rote Waren wollen in rote Städte, gelbe in gelbe usw.
Mit Sechseckteilen konstruieren die Spieler ein Schienennetz. Je weiter der Weg der abtransportierten Ware, desto mehr Punkte zählt sie. Auch Teilstrecken der Mitspieler dürfen befahren werden. Allerdings kriegen die dann auch ihren Punkteanteil, bäh.

Was passiert? Bauen – Fahren. Bauen – Fahren. Dieses Schema wird in jeder Runde aufgepeppt durch die Vergabe von Sondereigenschaften: Ein Spieler darf vier Gleisteile legen statt drei, ein anderer neue Waren ins Spiel bringen, ein Dritter eine Kleinstadt zum möglichen Zielort aufwerten. Je stärker die Eigenschaft, desto weiter rutscht man in der Sitzreihenfolge der kommenden Runde nach hinten.
Das Spannende an STEAM ist das Vorausplanen: Die Waren sind knapp bemessen (im Dreipersonenspiel auf dem Spielplan „Ruhrgebiet“ übrigens zu knapp!), so dass man immer auch ein Konzept für die kommenden Runden im Hinterkopf haben sollte. Während ein Run auf die unerschlossenen Gebiete beginnt, will man einerseits extra lange Wege für die Waren bauen, andererseits kostet das Zeit und es besteht die Gefahr, dass andere einem die Klötzchen vor der Nase wegschnappen.
Optimalerweise konstruiert man sein Netz so, dass die vorhandenen Waren genau auf die aktuelle Lokomotivenreichweite abgestimmt sind: Anfangs ein paar Kurzstrecken, im Mittelspiel ein paar Mittelstrecken und im Finale nur noch lange Wege. Klappt natürlich nie hundertprozentig.
Wer sich einen Alleinzugriff auf ein großes Warenreservoir sichern kann, hat beste Gewinnchancen. Oft trennt sich schon zur Halbzeit die Spreu vom Weizen. Aber das darf bei Spielen ohne nennenswerten Glücksfaktor auch mal so sein.

Was taugt es? Bei vielen Wallace-Spielen habe ich den Eindruck: „Tolle Idee – aber wäre doch noch länger daran weitergearbeitet worden...“ STEAM bestätigt mich darin. Es verbessert das ohnehin schon gute AGE OF STEAM, indem es jede Menge Ballast abwirft. Weil die Spielerreihenfolge nicht mehr umständlich versteigert wird und die Kreditaufnahme wesentlich simpler vonstatten geht, tritt der eigentliche Kern des Spiels jetzt stärker in den Vordergrund. (Und wer es tatsächlich lieber kompliziert mag, spielt eben die Expertenversion, die den Originalregeln entspricht.)

STEAM von Martin Wallace für drei bis fünf Spieler, Phalanx.

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