Donnerstag, 1. Juli 2010

Die Speicherstadt

Hannover hinkt gar nicht so weit hinter Hamburg her, wie man oft denkt: Die Hamburger haben die Elbe - wir haben den Mittellandkanal. Die Hamburger haben einen Ex-Kanzler mit Verdiensten für die Tabakindustrie - wir haben einen Ex-Kanzler mit Verdiensten für die Gasindustrie. Die Hamburger haben das Schanzenviertel - wir haben Linden. Die Hamburger haben den FC St. Pauli - wir haben... hust, hust!

Wie geht DIE SPEICHERSTADT? DIE SPEICHERSTADT ist ein Versteigerungsspiel mit einem sehr pfiffigen Mechanismus. Als Gebotssteine besitzt jeder Spieler drei Arbeiter. Reihum setzt man jeweils einen davon zu einer angebotenen Karte. Später kommende Arbeiter stellen sich in der Warteschlange hinten an. Beim anschließenden Kauf besitzt die vorderste Figur Vorrang. Der Preis entspricht den insgesamt bei dieser Karte versammelten Interessenten. Will der Arbeiter nicht zahlen, geht er nach Hause und der Nächste bekommt dieselbe Karte für eine Münze weniger angeboten.
Welche Art Karten werden verkauft? Auftragskarten bringen Punkte, sofern man bis Spielende eine bestimmte Warenkombination sammelt. Waren wiederum kommen in zufälliger Verteilung per Schiffskarte. Einige andere Karten zählen direkt Punkte, weitere bringen Geld- oder sonstige Spielvorteile.

Was passiert? Das Geld wird knapp.
Jeder startet mit fünf Münzen. Pro Runde gibt es gerade mal eine dazu. Nur wer keine Karte gekauft hat, erhält großzügige zwei Münzen. DIE SPEICHERSTADT zwingt zu Sparsamkeit. Gerne darf und sollte man auf alles mitbieten, um die Preise zu treiben. Aber bloß nicht alles kaufen! Und erst recht nicht zu jedem Preis! Wer zu einem frühen Zeitpunkt illiquide wird, ist meistens der Verlierer.
Doch eine Partie geht schnell, und ab der zweiten hat man hinzugelernt. Die Folge: Man macht nicht mehr so viele Fehler. Und: Auf Dauer wird das Spiel schematischer. Bei bestimmten Preisen für bestimmte Karten überlegt man gar nicht mehr. Man weiß inzwischen, dass es zu teuer wäre.

Was taugt es? DIE SPEICHERSTADT ist ein Spiel, das endlich mal nicht im Mittelalter, im Fernen Osten oder auf traumhaften Tropeninseln angesiedelt ist. Sondern gleich um die Ecke in der Speicherstadt. Das sorgt zumindest für interessantere grafische Motive. Besonders gefällt mir der Spielplan, der einfach ein wuchtiges Lagerhaus zeigt, auf und neben dem das Spielgeschehen stattfindet.
DIE SPEICHERSTADT lebt von einem wesentlichen Mechanismus und spielt sich deshalb angenehm unkompliziert. Taktisch herausfordernd ist das Spiel auch, aber: Es vermag nicht, mich dauerhaft zu reizen. Die Abläufe wiederholen sich; von Partie zu Partie bleibt ein Stück Mitgerissenheit auf der Strecke.

DIE SPEICHERSTADT von Stefan Feld für zwei bis fünf Spieler, eggertspiele.

1 Kommentare:

Paddy hat gesagt…

Speicherstadt ist mit seinem Auktionsmechanismus ein reizvolles Spiel und wird bei uns immer gerne gespielt. Zudem gewinnt oft, der der auch verzichten kann.

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