Montag, 7. Juni 2010

Revolution!

Revolutionen stehen und fallen mit der Kontrolle über die strategisch wichtigsten Orte. In meiner Wohnung wären dies: Spieleregal, Kühlschrank, Toilette. Im Brettspiel geht es um Festung, Hafen oder Kathedrale. Wer hier die Mehrheit hält, räumt bei der Schlusswertung viele Punkte ab.

Wie geht REVOLUTION? REVOLUTION! ist ein Versteigerungsspiel mit ausschließlich verdeckten Geboten. Die stärkste Bietmarke ist eine Faust (Gewalt), die zweitstärkste ein Briefumschlag (Erpressung), die drittstärkste Geld. Jede Runde neu verteilt man seine Gebote auf bis zu sechs von zwölf Persönlichkeiten. Der Meistbietende erhält neue Bietmarken oder Punkte oder Einlass in eines der Gebäude oder mehreres davon. Bei Gleichstand bekommt niemand etwas.

Was passiert? Man bietet und guckt, was passiert. Und wieder. Und wieder. Und wieder. Trotz Abwechslungsarmut entwickelt sich eine gewisse Dramaturgie. Einerseits indem man herauszufinden versucht, wie die Mitspieler so ticken. Andererseits weil die Bietmarken gewisse Zyklen durchlaufen: Mit Briefen lassen sich gut Fäuste gewinnen, mit Fäusten Briefe. - Wann konzentriert man sich auf den Erwerb starker Bietmarken? Wann ist der Moment, alles zu verballern?

Was taugt es? Die meisten meiner Mitspieler mögen REVOLUTION! weniger als ich. „Zu willkürlich“ sagen sie. „Glücksabhängig.“ „Ungerecht“. Ich sage: Nicht jedes Spiel muss ein Strategiehammer sein, und REVOLUTION! täuscht immerhin keine falschen Tatsachen vor. Wer weiß, dass das gesamte Spiel aus verdeckten Geboten besteht, ist genügend vorgewarnt.
Manchmal geht die Schere zwischen Arm und Reich so schnell und so brutal auseinander, dass die Armen kaum noch weiterspielen mögen. In engen Partien wiederum kann während der finalen Runde eine einzige destruktive Apothekerinnen- oder Spion-Aktion alles entscheiden. Ganz zu schweigen davon, dass es sich bis zur finalen Runde oft etwas hinzieht.
Reichlich Gründe also, um REVOLUTION nicht zu mögen. Dennoch verspüre ich Spielreiz. Mit dem Wissen, welche Bietmarken die Konkurrenz besitzt, lässt sich taktieren. Über die Pläne der Konkurrenz lässt sich spekulieren. Und der Rest ist tatsächlich glücksabhängig und ungerecht. Na und? Ich würde REVOLUTION niemandem aufdrängen - so toll finde ich es nun auch wieder nicht -, aber mitspielen würde ich schon.

REVOLUTION von Philip duBarry für drei bis vier Spieler, Pegasus.

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