Samstag, 6. November 2010

Don Quixote

Einmal im Leben leistet man sich einen Bock, und hinterher wird einem dieselbe Geschichte wieder und wieder aufs Brot geschmiert. Nehmen wir zum Beispiel mich und die alte Sache mit... ach nein, lieber nicht. Nehmen wir besser Don Quixote. Einmal im Leben hat die arme Wurst sich mit Windmühlen angelegt. Jetzt gilt er für immer und ewig als Inbegriff von Dummheit, Verwirrtheit und Verblendung, und wenn irgendwo Windmühlen zu sehen sind, schreit das Volk reflexartig: „Don Quixote“!
Der neueste Beweis: dieses Spiel. Windmühlen kommen darin vor, gepaart mit dummen und wirren Wegführungen, und das allein genügt dem Verlag, um das Ganze mit DON QUIXOTE zu betiteln, obwohl der tragikomische Ritter in dem Spiel selbst gar nicht auftritt.

Wie geht DON QUIXOTE? Wie zu lesen war, entstand DON QUIXOTE aus dem Versuch, TAKE IT EASY thematisch einzukleiden. Ähnlichkeiten zum Vorbild sind deshalb kaum zu übersehen und vollauf beabsichtigt.
In jeder Runde muss jeder Spieler ein Plättchen auf seinem Tableau ablegen. In zwei Zwischenwertungen und bei Spielende punkten Mühlen und Kirchen, sofern Wege sie miteinander verbinden. Ritter sollten am Spielplanrand liegen, über die Wege Burgen erreichen und zudem eine möglichst lange Kette bilden.
In allen drei Durchgängen steht den Spielern eine begrenzte Anzahl Plättchen zur Verfügung. Anders als bei TAKE IT EASY bekommt nicht jeder dasselbe Teil zugelost, sondern – ähnlich FINITO – nur dasselbe Feld auf seinem Raster. Dorthin legt jeder ein Plättchen nach Wahl aus seinem Vorrat.

Was passiert? „Nach Wahl“... haha, das klingt so nett. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Nichts passt! Schnell fällt auf, dass die Wege gar nicht so leicht miteinander zu verbinden sind. DON QUIXOTE ist eine Puzzleaufgabe, die Chancenabwägung und Perspektivplanung erfordert und dazu jede Menge Glück.

Was taugt es? Am Ende hat zwar irgendwer die meisten Punkte und somit gewonnen, doch die Ergebnisse sind nur bedingt miteinander vergleichbar. Zu unterschiedlich ist die individuelle Plättchenauswahl.
DON QUIXOTE fühlt sich innerhalb der Solitär-Familie (TAKE IT EASY, FITS, FINITO) am solitärsten an. Je häufiger ich es gespielt habe, desto weniger interessierte mich mein Ergebnis im Vergleich zum Ergebnis der anderen, sondern nur noch im Vergleich zum eigenen Highscore.
Positiv gewendet bedeutet dies aber, dass DON QUIXOTE solitär gespielt für mich reizvoller ist als seine engste Verwandtschaft. Um das Foto für diese Rezension zu erstellen, wollte ich eigentlich nur schnell die Plättchen hinlegen. Und prompt kitzelte es doch wieder in den Fingern und ich musste mal eben ausprobieren, wie viele Punkte ich diesmal schaffe.
Deshalb vergebe ich für DON QUIXOTE zwei Noten. Die höhere gilt fürs Solitär-Spiel.

DON QUIXOTE von Reinhard Staupe für einen bis vier Spieler, Pegasus.

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