Montag, 4. Juli 2011

Troyes

„In diesem historischen Spiel erlebt ihr den Aufstieg der bemerkenswerten mittelalterlichen Stadt Troyes.“ – Ach...! Hätte ich mir die Schachtelrückseite doch bloß mal früher durchgelesen! Dann hätte ich vielleicht begriffen, was ich bei TROYES eigentlich treibe, und wäre so richtig ins Geschehen eingetaucht.

Wie geht TROYES? Abhängig von ihren Figuren in drei verschiedenen Gebäuden des Spielplans würfeln alle Spieler mit einer bestimmten Menge Farbwürfel. Der gesamte Würfelpool steht anschließend sämtlichen Spielern zur Verfügung. Fremde Würfel allerdings nur gegen Bezahlung.
Reihum kommen die Spieler an die Reihe und nutzen bis zu drei gleichfarbige Würfel, um a) andere Spieler aus den Gebäuden herauszukicken, um in der nächsten Runde selber mehr Würfel zu besitzen, oder b) um diverse spezielle Vorteile zu erlangen oder vor allem c) um eine der neun Aktionskarten zu aktivieren.
Die Auswahl dieser Karten ist von Partie zu Partie anders. Eine einfache Karte („Der Bildhauer“) besagt beispielsweise, dass jemand bis zu drei gelbe Würfel einsetzen darf und deren Augensumme geteilt durch drei in Siegpunkten ausgezahlt bekommt. Allerdings muss er zuvor das Nutzungsrecht für den „Bildhauer“ erwerben. Das kostet Geld und eine Figur.
„Der Bogenschütze“ ist ein Beispiel für eine kompliziertere Karte. Wer sich hier einkauft und anschließend rote Würfel einsetzt, darf nun eine bestimmte Menge neutraler Würfel (Augenzahl der eingesetzten roten Würfel geteilt durch zwei) werfen und für jedes Ergebnis von mindestens drei einen eigenen Pöppel gegen eines der ausliegenden bösen Ereignisse einsetzen. Böse Ereignisse kommen jede Runde im Zweierpack ins Spiel, behindern sämtliche Spieler und werden ab einer festgelegten Menge Anti-Pöppel eliminiert. Die engagiertesten Verhinderer gewinnen Siegpunkte dafür.

War’s das? Absolut nicht. Wer die Ereignisse bekämpft, gewinnt obendrein Einflusspunkte - eine weitere Währung in TROYES. Mit Einflusspunkten manipuliert man seine Würfelergebnisse. Oder kauft Figuren hinzu. Oder spart für die Schlusswertung. Wobei nicht sicher ist, ob Einflusspunkte tatsächlich gewertet werden. Im Spiel zu viert zählen am Schluss vier von sechs Wertungskategorien. Jeder Spieler kennt eine davon. Die anderen drei muss er anhand des Spielverhaltens der Konkurrenz erahnen.

War’s das? Nein, immer noch nicht. TROYES enthält enorm viele Details. Aber es wird Zeit, zur Beurteilung zu kommen.

Was taugt es? Den Autoren ist ein spannender Würfel-Einsetz-Mechanismus gelungen. Die erzielten Augenzahlen lassen sich auf sehr vielfältige Weisen nutzen. Während man am Anfang nur auf sich selbst achtet und mit dem Rest überfordert ist, entwickelt sich bald ein Gespür dafür, welche Würfel besonders schnell verbraucht werden sollten, weil sie anderen Spielern zu sehr helfen würden. Als Kehrseite der beachtlichen Vielfalt fühlt sich eine Partie TROYES wirr an. Die Spieler sehen sich einem Informations- und Möglichkeitenüberschuss gegenüber.
Bei „Taktik / Strategie“, „Originalität“ und „Interaktivität“ mache ich bei TROYES gerne mein Häkchen. Allerdings fehlen mir Themeneinbindung, Stringenz und Linie. Ich empfinde die Mechanismenfülle als unsortiert. Das Aufräumen überlassen die Autoren den Spielern und erklären genau diese Tätigkeit zum eigentlichen Spiel. Wer sich in dem Markt der zu vielen Möglichkeiten am besten zurechtfindet und Wichtiges von Unwichtigem trennen kann, der ist am Ende vorne mit dabei, wird aber trotzdem nicht erklären können, was das nun mit dem Aufstieg der Stadt Troyes zu tun hatte.

TROYES von Sébastien Dujardin, Xavier Georges und Alain Orban für zwei bis vier Spieler, Pearl Games.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Gelbe Karte für den Rezensenten! Schiri Bartsch will schon nach zwei aktiven Spielerinnen auf dem Bildhauer abpfeifen, dabei sagt die offizielle Frauen-Troyes-Spielregel auf Seite VI oben rechts ganz eindeutig: "Sind alle Plätze auf einer Aktionskarte besetzt, kann der Spieler am Zug seinen Fachmann auf die Kartenillustration stellen, doch bringt dieser am Spielende keine SP ein.". Braucht der Schiri etwas eine neue Brille? Davon ab hat Bartsch das Spiel aber gut gepfiffen und darf auch beim nächsten Spiel wieder ran.

Udo Bartsch hat gesagt…

Danke für den Hinweis. Habe den Fehler korrigiert.

Anonym hat gesagt…

Noch ein kleiner Fehler?
Zum Einsetzen in die Gebäude darf nur ein Würfel verwendet werden. (Da dies direkt nach ".. nutzen bis zu drei gleichfarbige Würfel ... " steht könnte es falsch verstanden werden.

Tournesol

Udo Bartsch hat gesagt…

Danke auch für diesen Hinweis. Aber die Rezension soll nicht die Spielregel ersetzen. Deshalb ist es für mich okay so, wie es ist.

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