Montag, 13. Februar 2012

Rapa Nui

Mit Rücksicht auf die Gefühle des Grafikers, des Autors und der gesamten Kosmos-Redaktion wird in der nachfolgenden Rezension nicht von „Schwämmen“ und auch nicht von „Rüben“ die Rede sein. Stattdessen werden die amtssprachlich korrekten Bezeichnungen „Papiermaulbeere“ und „Süßkartoffel“ verwendet. REZENSIONEN FÜR MILLIONEN honoriert die Mühe, die sich die Verantwortlichen mit dem Pazifik-Flair gegeben haben.

Wie geht RAPA NUI? Die Spieler besitzen vier Sorten Opferkarten: Papiermaulbeere, Süßkartoffel, Hering und Schilfbündel. Mehrmals während der Partie muss jeder eine dieser Karten opfern. Am Schluss bestimmt der gesamte Opferstock über den Wert der verbliebenen Karten im Besitz der Spieler: Die Sorte, die am häufigsten geopfert wurde, zählt die meisten Punkte, das am seltensten Geopferte zählt am wenigsten. Und genau hier steckt das Dilemma: Was ich opfere und somit wertvoller mache, besitze ich nicht mehr.
Das eigentliche Spiel läuft mit „Rapa-Nui-Karten“. Jeder besitzt drei. Wer am Zug ist, legt eine vor sich aus. Meist passiert jetzt originellerweise gar nichts. Sondern erst beim Nachziehen: Um die Hand wieder aufzufüllen, stehen vier aufgefächerte Kartenreihen zur Verfügung. Die beim Nachziehen freigelegte Karte bestimmt, welche der ausgespielten Kartensorten nun aktiviert wird: Handelt es sich um einen Schilfbündelsammler, bekommen alle Spieler mit Schilfbündelsammlern Schilfbündel. Bei einem Holzfäller bekommen sie Holz, bei einem Priester Punkte.

Was passiert? Geopfert wird immer dann, wenn jemand einen Moai spielt (die einzige Karte mit Effekt beim Ausspiel). Der Initiator hat den Vorteil, dass er sein Opfer verdeckt legen und zusätzlich eine Karte aus der Bank opfern darf. Was sich im Opferstock ansammelt, lässt sich meistens recht gut nachvollziehen. Dies jedoch schon vorher zu erahnen und eine zielgerichtete Strategie darauf auszurichten, fällt schwer.
Vermutlich besitzt RAPA NUI einen größeren Glücksanteil, als es den Spielern bewusst ist. Was aber niemanden stört, solange das Spiel gut unterhält. Und das ist der Fall. Ständig gibt es Dringendes zu tun: Ich will meinen Heringsjäger spielen, damit ich bei der nächsten Hering-Ausschüttung endlich mitverdiene. Ich will aber auch meinen Holzfäller spielen, denn ich bekomme viel zu wenig Holz. Und einen Priester will ich auch, aber den habe ich noch nicht mal auf der Hand und müsste ihn erst aus der Auslage klauben. Damit würde ich aber entweder einen anderen Priester oder einen Papiermaulbeerensammler freigelegen, und beides hilft nur der Konkurrenz.
Bei RAPA NUI treten einige schöne Effekte auf. Nur Jäger und Sammler, die noch im Vorrat liegen, können eine Ausschüttung bewirken. Stürzen sich anfangs alle auf dieselbe Sorte, sind hier perfiderweise im weiteren Verlauf nicht mehr viele Ernten zu erwarten. Ganz allein eine Linie aufzubauen, kann wiederum mühselig sein, zumal die Konkurrenz sich gewiss einklinken wird, sobald etwas zu holen ist. RAPA NUI verläuft also subtil. Man wägt ab, ob vielleicht ein anderer die gewünschte Sorte opfert, so dass man selber die Karte schön aufspart, oder ob man doch mal voranpreschen sollte, selbst wenn einige andere mitverdienen.

Was taugt es? Die Mechanismen von RAPA NUI sind stimmig verwoben und originell, die Spieldauer passt gut. Größter Pluspunkt von RAPA NUI sind die – je nach Startauslage – immer wieder anders ablaufenden Partien.

RAPA NUI von Klaus-Jürgen Wrede für zwei bis vier Spieler, Kosmos.

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