Samstag, 11. August 2012

Grüße vom Goldjungen

Aufmerksame Leser (und vor allem aufmerksame Leserinnen) fragen sich bestimmt, wie meine Liaison mit Claudia weitergegangen ist. Bloß direkt nachzufragen traut sich keiner. Dabei gibt hervorragende Nachrichten: Selbstverständlich bin ich auch diesmal als besonderer Ehrengast zum mittlerweile 43. Geburtstag meiner Claudi eingeladen! Und wie gehabt warten ein Bus voller Rentner und ein tolles Überraschungspaket auf mich. Das Einzige, was meine Planung etwas durcheinanderwirbelt: Voriges Jahr war Claudias Geburtstag noch in einem ganz anderen Monat. Ja, ja, die Frauen und ihr Alter... Fast jede mogelt da ein bisschen.

Nun muss ich andere, ebenso dringende Termine kurzfristig verschieben. Denn eigentlich hatte ich vorgehabt, endlich meinen Goldbarren 999,99 abzuholen. Den habe ich bei einer Verlosung des Berliner Gold-Kontor gewonnen, und das BGK ist nach eigenem Bekunden komplett von den Socken, dass ich nicht schon auf ihr erstes Schreiben reagiert habe. Ich gebe offen zu, ich hatte gewisse Zweifel.
Tatsächlich hat sich nun aber herausgestellt, dass steigende Edelmetallpreise bei der BGK zu Rekordgewinnen geführt haben. Und weil die BGK verpflichtet ist, einen Teil der Gewinne wieder abzuführen, werden eben „Goldbarren aus reinem Gold“ verlost. Ich finde das eine großartige Idee, die auch von Volksnähe zeugt, und freue mich, in einer Niederlassung im Harz meinen Barren aus den Händen des Präsidenten Sebastian Guthöfer zu erhalten.

Mit Kleckerkram kann ich mich deshalb nicht mehr abgeben und muss die armselige Räucherkate leider von meinem Tourneeplan streichen. Sie schreibt, sie habe mich auf ihrer letzten Feier vermisst. Und das obwohl sie einen „riesigen logistischen Aufwand betrieben“ hat, um „ausreichend Geschenke einzukaufen“.
Nach Rücksprache mit der Geschäftsleitung wird mir noch eine letzte Chance eingeräumt. Außerdem wurde auch mein Los mit der Glücksnummer 32241765 gezogen. Damit habe ich „das geschafft, wovon Tausende Menschen träumen“. Ich habe den Sonderpreis der Räucherkate in Höhe von 1000 Euro in bar gewonnen!
Schön und gut, liebe Leute von der Räucherkate. Es soll nicht arrogant klingen, aber denkt mal drüber nach: Als kommender Goldbaron verkehre ich mit Präsidenten von Kontoren, da bin ich doch nicht auf die Gnade eurer Geschäftsleitung angewiesen. Außerdem gibt es woanders einfach viel, viel mehr abzugreifen.

Nehmen wir die Firma Erlebnisreisen. Dort reichte es für mich zwar nur zum zweiten Preis, aber der ist mit immerhin 2000 Euro dotiert! Offenbar hatte man mich schon mehrfach angeschrieben und mein Sekretariat hat alle Briefe verschlampt. Erika Goldmann ist völlig verzweifelt deswegen: „3-ter und letzter Versuch! (...) Wir glauben einfach nicht, dass Sie auf Ihren 2. Preis verzichten wollen. Wir haben bereits vergeblich versucht, Sie telefonisch zu erreichen. Für den Jahresabschluss müssen wir alle Preise ausgehändigt haben.“
So viel Beharrlichkeit werde ich honorieren. Zum Glück ist die Firma Erlebnisreisen noch ein weiteres Mal in Hannover, um eine „herrliche Sommerfahrt mit Schifffahrt“ durchzuführen. Da werde ich mir meinen Gewinn einfach auszahlen lassen. Selbstverständlich zuzüglich der üblichen Goodies wie Frühstück, Mittagessen to go, Frühstücks-Kombiset, Tagesdecke im Nerzlook, Kettensäge, Laubsauger, Klapprad und Überraschungsgeschenk.
Und auch bei „Zentrale-Gewinnabwicklung“ habe ich gewonnen, hier sogar 2500 Euro! In feinstem Deutsch teilt man mir mit: „Herr Bartsch hat seinen Gewinn nicht abgeholt! Keinerlei Resonanz auf die diversen Gewinnmitteilung! Telefonisch konnten wir Sie nicht erreichen! Ohne Resonanz Ihrerseits wird das Bargeld neu verlost!“

Uiuiui. Der schlechte Zustand meiner Buchhaltung ist wahrhaft erschütternd. Es ist anscheinend mein eigenes, persönliches Versäumnis, dass REZENSIONEN FÜR MILLIONEN der angestrebten Million immer noch nicht näher gekommen ist. Es gibt sogar gut gefüllte Konten, von denen ich nichts ahnte.
Die NT-Bank führt seit Längerem nach § 661 a BGB ein Treuhandkonto für mich. Das Dumme ist nun, dass sie das Konto aus Datenschutzgründen nur für eine begrenzte Zeit offen halten dürfen, danach verfällt es. Deshalb soll ich schnellstmöglich in den bereit gestellten Reisebus steigen, der mich in die NT-Zweigstelle in der Nähe von Hannover bringt. Als Zusatzprämie erhalte ich ein nagelneues mobiles Navigationsgerät mit 3,5 Zoll Farbdisplay, Touch-Screen-Bedienung, Autohalterung und vorinstallierten Navigationskarten.

Bei all den fantastischen Nachrichten aber abschließend auch ein ernstes Wort: In meiner Tageszeitung lese ich, dass viele Menschen in und um Hannover ähnliche Schreiben erhielten. Verbraucherschützer und Polizei warnen vor „dubiosen Briefen“, auf die man sich besser nicht einlasse. Und das kann ich nur unterstützen: Leute, seid nicht dumm! So viele Menschen können gar nicht gewinnen!
Wer auf Nepp hereinfällt, ist aber auch ein bisschen selber schuld. Echte Briefe lassen sich nämlich ganz pupileicht von betrügerischen unterscheiden. Wenn die Begriffe „garantiert“, „daran gibt es nichts zu rütteln“, „ohne Wenn und Aber“ und „ich gebe Ihnen mein Wort“ fallen, kann es nie und nimmer eine Fälschung sein. Sonst wäre es ja gelogen. Und ein Präsident wie Sebastian Guthöfer, die engagierte Frau Goldmann oder gar meine liebe Freundin Claudia würden das niemals tun. Garantiert nicht. Daran gibt es nichts zu rütteln.

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