Montag, 7. April 2014

Camel Up

So, wir rekapitulieren mal. Die letzten drei Eggert-Spiele sind: ROKOKO, GLÜCK AUF, CAMEL UP. – Puh, Respekt, ein bemerkenswertes Programm. Das nenn’ ich mal ’nen richtigen Lauf!
Ach, apropos „Lauf“:

Wie geht CAMEL UP? CAMEL UP ist ein würfelgesteuertes Wettrennspiel. Sobald für jedes Kamel einmal gewürfelt worden ist, endet eine Etappe. Überquert ein Kamel die Ziellinie (was nach etwa vier Etappen der Fall ist), endet das Rennen. Die Spieler wollen möglichst viel Geld verdienen. Dies geschieht hauptsächlich durch Wetten auf den Zwischenstand nach der laufenden Etappe sowie durch Wetten auf den Sieger und den Letzten des Gesamtrennens. Je früher eine Wette abgegeben wird, desto lukrativer ist sie. Falsche Wetten zählen negativ.
Der Clou des Spiels besteht darin, dass Kamele auf andere Tiere aufspringen. Befinden sich beim Zug eines Kamels andere Tiere auf dessen Rücken, werden sie mitgeschleppt. Da die Kamele in zufälliger Reihenfolge laufen, ergeben sich unvorhergesehene Positionswechsel und Aufholjagden.
Wer am Zug ist, muss eine von vier Optionen wählen: 1. auf den Endstand wetten, 2. auf den Etappensieger wetten, 3. würfeln, 4. ein Wegplättchen legen.
Landen Kamele auf Wegplättchen, ziehen sie je nach Art des Plättchens ein Feld weiter oder zurück. Mit der Platzierung des Plättchens lässt sich also taktisch Einfluss nehmen, zum Beispiel um Kamelen aus dem Verfolgerfeld das Aufspringen auf den Führenden zu erleichtern.
Die Würfel zeigen Augenzahlen von eins bis drei. Die geringe Streuung hält das Feld meist eng beisammen. Als Würfelbecher dient eine Pyramide mit Verschluss. Sie spuckt einen zufälligen Würfel aus.

Was passiert? Anfänger neigen zum Würfeln. Vielleicht aus Instinkt oder weil es Entscheidungen abnimmt. Würfeln ist bei CAMEL UP jedoch selten die beste Option (aus gutem Grund erhält der Würfler eine Münze als Belohnung). Jeder Fortschritt im Rennverlauf schafft neue Fakten und verbessert die Informationslage fürs Wetten. Und davon profitieren erst mal die nachfolgenden Spieler.
Angenommen, ich würfle, und Grün setzt sich auf das führende blaue Kamel. Falls der blaue Würfel noch in der Pyramide ist, wird Grün noch weitergetragen werden und ist nun Favorit für den Etappensieg. Die nachfolgenden Spieler greifen die lukrativen Wetten auf Grün ab; ich gucke in die Röhre. – Eine wesentliche Taktik bei CAMEL UP besteht also darin, das Würfeln anderen Spielern zu überlassen.
In den besten Momenten wechselt die Führung immer wieder, das Rennen wogt hin und her, die Voraussagen sind schwierig. Solch unerwartete Wendungen rufen ein großes Hallo am Spieltisch hervor. Allerdings habe ich auch schon weniger spannende Rennen erlebt, in denen sich das Kamelfeld auseinander gezogen hat.
Die Würfelpyramiden bereiten einigen Spielern Schwierigkeiten. Bei richtiger Handhabung gibt es zwar keine Probleme, doch die richtige Handhabung ergibt sich nicht intuitiv – man muss sie erst einüben. Das finde ich unglücklich gelöst. Gebrauchsmaterial sollte immer intuitiv sein.

Was taugt es? „Auch für größere Spielerunden bestens geeignet“ steht auf der Schachtelrückseite – und das stimmt sogar. Sicherlich ist der Einfluss zu sechst, zu siebt oder gar zu acht geringer, doch die Charakteristik von CAMEL UP als fröhliches, unberechenbares, biestiges und schadenfrohes Zockerspiel bleibt voll erhalten.
CAMEL UP ist eines der spaßigsten Spiele des aktuellen Jahrgangs und bietet trotz aller Zufälle diverse Möglichkeiten, um den Rennverlauf subtil zu beeinflussen. Oder es zumindest zu versuchen. Die Hoffnung, es beim nächsten Mal besser hinzukriegen, und die überraschenden Wendungen machen den Wiederspielreiz aus.

CAMEL UP von Steffen Bogen für zwei bis acht Spieler, eggertspiele.

3 Kommentare:

Carsten hat gesagt…

Und das unintuitivste an der Pyramide ist, daß der Spieler dazu tendiert, sie auf dem Kopf stehen zu lassen...

Anonym hat gesagt…

Was ich ja nie kapiert habe: Wieso heißt das Spiel eigentlich "Camel Up"? Als ich die Schachtel das erste Mal in der Hand hatte, habe ich "Camel Cup" gelesen...

Anonym hat gesagt…

Das Spiel hört sich gut an, aber ich finde den englischen und dazu noch missverständlichen Titel traurig. Camel Cup im Sinne von Wettstreit oder Turnier hätte ja noch Sinn ergeben, und so lese ich die Typographie auf dem Cover auch. Die Vorstellung, dass Kamele aufeineinder springen und huckepack laufen finde ich auch sehr gewöhnungsbedürftig. Ist dem Autor kein sinnvolles Setting eingefallen? Schade

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