Freitag, 17. Februar 2017

Vor 20 Jahren (37): Titan (2)

Die TITAN-Geschichte ist natürlich noch nicht vorbei. Ein Zeitzeuge kommentierte neulich auf twitter, er habe Mitte der 90er Jahre gerüchtehalber von einem Antrag gehört, die Stadt Göttingen in „Titansgrove“ umzubenennen. Ich weiß von diesen Gerüchten nichts. Aber zufällig wohnte ich Mitte der 90er in genau diesem Titansgrove ... äh, Göttingen. Und deshalb nun der Bericht eines Überlebenden, wie es wirklich war:

Nach nur wenigen Wochen in Göttingen hatte ich herausgefunden, dass die schöne Stadt neben Archivaren, Bibliothekaren und Professoren wider Erwarten auch viele Nerds und Verrückte beheimatete. Das beruhigte mich sehr. Ich würde Spielkameraden und Freunde finden! Zwei nette Menschen erwiesen sich als besonders verrückt. Irgendwann beim Spielen fragte mich einer der beiden: „Kennst du TITAN?“

Muss ich noch weiter ins Detail gehen? Na gut.
  • Ich erinnerte mich an einen Tag, als eine Partie TITAN bis morgens um halb fünf dauerte ... und wir anschließend sofort mit der nächsten Partie begannen.
  • Ich erinnere mich an einen Abend, als einer der Mitspieler früher ging und kurz danach der Pizzabote kam. Keiner von uns hatte Pizza bestellt. Es stellte sich heraus: Der fürsorgliche Mitspieler hatte uns etwas zu essen geschickt, damit wir die zu erwartende Nachtsitzung überstehen.
  • Ich erinnere mich an einen Nachmittag, es war mein Geburtstag. Ich hatte vier Gäste: zwei Kolleginnen aus dem Referendariat und die schon genannten zwei TITAN-Fanatiker. Nach einer Höflichkeitsphase, in der Geschenke, Nettigkeiten und Smalltalk ausgetauscht worden waren, kamen meine lieben Mitspieler zufällig aufs Spielen zu sprechen. Zufällig auf TITAN. Sie holten es aus dem Regal, führten es vor, gerieten ins Schwärmen. Den beiden Frauen wurde klar: Falle! Entweder wir verabschieden uns zeitnah – oder wir müssen das spielen. Sie verabschiedeten sich zeitnah. Als Gastgeber war mir das selbstverständlich sehr unangenehm. Aber ... immerhin hatte es den Vorteil, dass wir Verbliebenen nun TITAN spielen konnten.

Natürlich haben wir auch an den Regeln geschraubt.
  • Einer hatte von irgendwoher eine Kopiervorlage mit weiteren Kreaturen, die dieses oftmals so schrecklich kurze Spiel noch um eins, zwei Stündchen zu verlängern versprachen. In unendlicher akribischer Arbeit schnitt er die Kopien mit einem Messer zurecht, beklebte Papp-Plättchen (wenn ich mich recht entsinne, wurde sogar ein anderes Exemplar TITAN für diese Bastelaktion geopfert), wir spielten es voller Hoffnung – und fanden es doof und spielten es nie wieder, sondern weiter das Original.
  • Wir arbeiteten an der Minimierung des Glücksfaktors. Manchmal brauchte man, um das perfekte Rekrutierungsfeld zu erreichen, genau eine spezielle Würfelzahl, oft die Eins. Und wenn die Eins 27 Mal hintereinander nicht fiel, war man 27 Mal hintereinander enttäuscht. Die Ideen, die wir zur Lösung dieses Problems entwickelten, verrieten großes Erfindertalent. Zum Beispiel kriegte jeder zu Beginn der Partie zehn Chips, und wer einen zahlte, durfte noch einmal würfeln. Grandios! Nur änderte das fast gar nichts. Die Einsen fielen ja weiterhin, wie sie wollten, selbst wenn man Chips bezahlte.

Egal. Wir waren jung, es war toll.
Zusammenfassung: Wir haben damals wirklich sehr, sehr viel TITAN gespielt ... Aber noch mehr haben wir übrigens ACQUIRE gespielt. Doch das ist ein anderes Thema für ein anderes Mal.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Mein Gott, mit was für Nerds musstest Du Dich damals rumschlagen? Sowas wäre mir nie passiert. LG Arne

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