Samstag, 15. Juli 2017

Railroad Revolution

Wenn eine Strategie die anderen klar aussticht, ist das für ein Strategiespiel nicht gerade ein Gütesiegel. RAILROAD REVOLUTION sagt man genau dieses Manko nach, und auch meine Spielerfahrungen tendieren in die Richtung – aber wie viele Partien in wie vielen Konstellationen müsste man spielen, um sich da absolut sicher zu sein?
Die Autoren halten dagegen. Die angeblich überlegene Strategie sei nur eine für Anfänger gedachte, besonders leicht zu spielende, ansonsten aber durchaus zu übertrumpfen. Na ja, bloß vertrauen die Autoren offenbar doch nicht so ganz auf die Spieler, diese alternativen Wege auch zu finden, und bieten eine offizielle Regelvariante an, die das Problem beheben soll.
Ich habe die Variante nicht ausprobiert. Nicht, weil ich gegen Varianten wäre. Sondern weil ich gar nicht das Verlangen verspüre, RAILROAD REVOLUTION weiter zu vertiefen.


Wie geht RAILROAD REVOLUTION? Die Vereinigten Staaten benötigen ein Eisenbahnnetz, nein, sie benötigen sogar vier. Deshalb bauen bis zu vier Spieler parallel zueinander Strecken, Bahnhöfe und Telegrafenstationen.
Wer am Zug ist, entscheidet sich entweder für eine Bauaktion oder er verkauft eins der Bauteile aus seinem Bestand, um wieder flüssig zu werden. Abhängig davon, was gebaut wird, ergeben sich Nebeneffekte.
Ein Bahnhof beispielsweise kostet zunächst mal Geld, schüttet zweitens seinem Erbauer einen Bonus aus (im Regelfall eine oder zwei farbige Arbeiterfiguren), drittens gewinnt in jeder Stadt der erste Bahnhofsbauer noch einen weiteren kleinen Bonus, und viertens muss man für die Aktion auf dem eigenen Tableau einen Arbeiter einsetzen. Von dessen Farbe hängt ab, welches Extra man extraextra obendrauf bekommt. Am Anfang besitzt jeder Spieler nur weiße Arbeiter, die nicht sehr viel können. Es bietet sich an, die weißen Arbeiter nach und nach abzustoßen und durch farbige zu ersetzen.
Ziel des Ganzen sind natürlich Punkte. Auf drei Skalen will ich möglichst weit nach oben, denn so werden drei Multiplikatoren für die Schlusswertung bestimmt. Jede Telegrafenstation und jeder Bahnhof können maximal bis zu 9 Punkte zählen, jede angeschlossene Westküstenstadt 25. Und ein weiteres großes Stück der Punktetorte sind erfüllte Aufträge.


Was passiert? RAILROADS REVOLUTION hat Wettrenn-Charakter. Es gibt keine destruktiven Aktionen, keine geheimen Fallstricke, es geht immer voran, es ist immer was möglich. Ab und zu mangelt es am nötigen Geld, aber eine einzige Verkaufsaktion genügt auch schon, um die Kasse wieder aufzufüllen.
Es kommt deshalb darauf an, mit wenigen Aktionen viel zu erreichen, alle sinnvollen Boni mitzunehmen, durch Aktieneinsatz Zwischenaktionen zu generieren usw. Man optimiert, überlegt, ob man eine Aktion mit dem blauen oder lieber mit dem violetten Arbeiter ausführen möchte, oder wo man am einfachsten einen orangefarbenen herkriegt, den man für einen seiner Aufträge braucht.

Was taugt es? RAILROAD REVOLUTION fordert einen erfahrenen Spieler gut und stellt vor Entscheidungen. Es ist in sich rund und verplempert keine Spielzeit mit überflüssigem Brimborium. Den Wiederspielreiz empfinde ich trotzdem als nicht so hoch, denn die Partien ähneln sich. Habe ich eine erfolgreiche Strategie gefunden, gibt es keinen Grund davon abzuweichen.
Es ist nichts da, was mich beim Optimieren stört oder vor unerwartete Herausforderungen stellt. Obwohl es ein Spiel mit Arbeitereinsatz ist, schnappen wir uns keine Aktionsmöglichkeiten weg. Ich muss auch nicht mit bestimmten Würfelergebnissen oder Handkarten klarkommen. Die Bonusplättchen sind auf dem Spielplan zwar jedes Mal ein bisschen anders verteilt, doch ansonsten ist die Ausgangslage identisch.
Das mag manchem gefallen, und man kann seine Motivation daraus schöpfen, nächstes Mal noch etwas besser zu optimieren. Mich allerdings motiviert das nicht. Für mich ist in diesem Spiel zu wenig Reibung, zu wenig Überraschung, zu wenig Neuigkeit und somit – zu wenig Emotion.


RAILROAD REVOLUTION von Marco Canetta und Stefanie Niccolini für zwei bis vier Spieler, What’s Your Game / Pegasus Spiele.

1 Kommentare:

Tristan Ruff hat gesagt…

Ich hab mich schon gewundert warum in der Spielbox 8 und 8 steht, obwohl ich das Spiel auch eher mässig finde.

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